Archive for the ‘Lesen-mit-Kindern’ Category

Schüler helfen Schüler – Das Peru-Projekt

Ja, beim Altstadtfest in Büdingen standen wieder die leckeren Kuchen da und retteten uns, die wir zu einem Musikprojekt in der ungewohnten kalt-feuchten Witterung warten mussten. Die Versorgung wurde von den Mitgliedern des Vereines Peru-Projekt e.V. organisiert.

Was ist das Peru-Projekt?Ein Projekt des Vereines und der Schule Wolfgang-Ernst-Gymnasium
Ein Ausschnitt der Arbeit vor Ort

Mich hat angesprochen, dass es ein Projekt ist, dass auch wirklich finanziert werden kann und in kleinen realistischen Schritten Hilfe bringt. Dadurch ist die Akzeptanz durch die Beteiligten gewährleistet. Und es setzt dort an, wo die Kinder gefördert werden können. Außerdem versickert das Geld nicht irgendwo. Geht doch mal beim nächsten Fest in Büdingen vorbei. Diese Stadt bietet sich für einen Besuch durch das nette Ambiente dafür an.

Mit einer Spende können Sie uns und den Kindern und Jugendlichen in Pucallpa weiterhelfen.
Unsere Bankverbindung lautet:
Peru-Projekt des WEG
Kto.-Nr. 112 103 6025
Sparkasse Oberhessen
BLZ 518 500 79

Eine Spendenbescheinigung senden wir am Ende des Jahres an Ihre Adresse (bitte angeben).

Lesepraxis: Beratung, Begleitung, Vermittlung

Kreuzgang St.Peter im Dom in Trier

Hach, endlich was neues.

Irgendwie war gar nichts spruchreif in der letzten Zeit. Es wollten sich keine Buchstaben zu einem sinnvollen Text aneinanderreihen. Doch nun ist diese Phase übersprungen und ich habe eine neue Idee.

Im Rahmen eines Angebotes einer Arbeit musste ich mir überlegen ob ich das als Minijob oder als Freiberufliche machen möchte. Und auf dem Weg zu einer Entscheidung fiel uns ein Titel ein, den ich für die Steuernummer und meine Visitenkarte verwenden könnte.

>>Lesepraxis: Beratung, Begleitung, Vermittlung<<

Sagt euch das was? Passt das zu mir?

Es nimmt die Tätigkeit auf, die ich demnächst ausführen werde und ist offen genug für anderes. Nun bin ich mal auf eure Meinungen gespannt. Man selber ist ja oft betriebsblind.

Mir gibt es neuen Schwung. Es verspricht nichts, was ich nicht auch leisten könnte und bringt es auf den Punkt.

Ich, Elias von Luca Bloom

Wenn ich mir die Rezensionen durchlese, die Jugendliche zu diesem Buch geschrieben haben, dann sind doch einige LeserInnen sehr zufrieden und ich sehe mich wieder eher am Rand stehen. Nach den ersten 30 Seiten wollte ich das Buch weglegen. Die Art und Weise, wie über Mädchen geredet und gedacht wird, hat mich sehr angestrengt.

Zum Glück sah ich in meinem Frust noch einmal nach den Rezensionen. Und hätte Ulf Cronenberg nicht eher begeistert über das Buch geschrieben, wäre es das Ende gewesen.

Doch durch die Beschreibung gab ich Herrn Bloom, der eine Frau ist noch eine Chance. Und wirklich: Ab der Mitte werden andere Worte benutzt, kommt wirkliche „Liebe“ und damit ein Wandel in der Ausdrucksweise hinein. So wie Elias innerlich in diese Liebe wächst, wächst auch dieser Roman und verbessert sich die Glaubwürdigkeit der verwendeten Sprache.

Am Anfang ist es kaum zu ertragen, wie mies sich Elias selber beurteilt. Auch die Beziehungen, die er führt sind absolut unbefriedigend. Nichts ist da, was ihn groß werden lässt. Dazu die abwertenden Bezeichnungen für Frauen wie „Sportlesbe“ für die in einer Frauen-WG lebenden Sportlehrerin. Nee!! Das fand ich zu dick aufgetragen vom Autor. Das mag ich auch nicht.

Der dramatische Höhepunkt ist das Zusammengeschlagenwerden durch einen ihm unbekannten Mann. Elias war von einer etwas älteren Frau verführt worden -also zwei Menschen möchten zusammen Sex erleben – und ihr Mann rächt sich an Elias dafür.(HÄ?) In der Öffentlichkeit wird Elias brutalst zusammengeschlagen und getreten. Niemand hilft. So ein Erlebnis löst bei den Opfern traumatische Erfahrungen aus an deren Folgen sie lange leiden.

Nicht so Elias. Er sagt auch noch, dass ihm das zu Recht geschehen wäre. (!!!!!!)

 

Wenn ich aus meinem Blickwinkel: „Wie spiegelt sich die Demokratie im aktuellen Jugendroman wider“ auf dieses Buch schaue, dann sieht es ganz mau aus. Alle Personen werden nicht ernst genommen, abgewertet. Das Ende lässt Elias zurück in einer Trauer, aus der man ihn nicht wachsen sehen kann. Ich verstehe den Wunsch von LeserInnen nach einem zweiten Teil. Was ist denn mit Elias geschehen? Das alles fehlt. Na klar kann man Bücher schreiben, die eine bestimmte Situation beschreiben und wie man sich darin fühlt. Für die positive Weiterentwicklung, hin zu einer besseren Welt dient dieser Roman nicht. Da ist nichts in den Charakteren, nichts in der Story, was man mitnimmt. Es ist eher wie eine Cola. Trinken und fertig.

Würde unsere Gesellschaft das Prinzip der unversehrten Intersubjektivität(*) achten und wir uns alle als gleichwertig anerkennen, dann gäbe es diesen Roman nicht. Insofern sagt er schon etwas über unsere „Demokratie“ aus.

 

 

(*) Verena Kast: Vom Sinn des Ärgers

Seite 205

Tamara Bach: „Jetzt ist hier“

Meine erste richtige Rezension und dann noch von einer Rezension! So war die Aufgabe diesmal im Rahmen der Stube. „Schreiben Sie eine Rezension einer Rezension.“ Öh, hatte ich das schon jemals gemacht? Wie schreibt man eine Rezension. Nach meiner Suche im Netz kam nun folgendes heraus:

Ulf Cronenberg schrieb in seinem Jugendbuch-Blogarchiv diese Beurteilung. Und ich nun davon meine:

Inhaltlicher Überblick:

Mit einem Verweis auf den ersten Preis für das Buch erklärt der Autor, warum er diese Rezension geschrieben hat. Dann fasst er den Inhalt zusammen, indem er die vier Hauptcharaktere kurz in ihrem Hauptproblem skizziert. Er reißt die Vorstellung nur an und deutet mit drei Punkten an, dass es noch mehr zu sagen gäbe. Dann folgt seine Bewertung des Buches. Dabei geht er auf die Erzählweise, die Lebensbeschreibungen und die verwendete Sprache besonders ein. Sein Fazit bezieht sich auf die gelungene Darstellung des Lebensgefühls von Jugendlichen.

Kontextualisierung:

Herr Cronenberg ordnet das Buch nicht einer Gattung zu, doch schon bei der Beschreibung des Inhaltes erkennt man den Adoleszenzroman wieder. Die geistige- und soziokulturelle Umbruchphase steht im Mittelpunkt ist zentrales Handlungsmotiv. Alle vier haben nichts vor, hängen herum, beschreibt Herr Cronenberg die Situation. Alle vier haben nach der Woche, in der wir sie erleben dürfen eine Entwicklung vollzogen, die aber nicht in einer Lösungsvermittlung mündet.

Mit einer Leichtigkeit beschreibt Cronenberg die Jugendlichen. Da er selber viel mit Jugendlichen als Schulpsychologe arbeitet, stöhnt er bei der Verstricktheit der Jugendlichen in die Beziehungen untereinander und zur Familie nicht auf, sondern betont die Nähe zur Lebenswirklichkeit Jugendlicher. Sie sind sie miteinander befreundet. Nicht mehr und nicht weniger. Es wird keine Tiefe der Freundschaft angegeben. Sie wechselt ja auch. Er verurteilt auch niemanden. Zum Beispiel beschreibt er Zanker so, dass der/die LeserIn sich ein eigenes Bild von ihm machen kann. Es wird offen gelassen, ob Zanker so ist, wie sein Vater ihn beschreibt. Es gibt durch Herrn Cronenberg auch keine Gewichtung in den Problemen der Jugendlichen. Bowie, dessen Kummer und Trauer über den Tod der Mutter ihn stark gefangenhält, hat kein größeres, schwerwiegendes Problem als Mono und Fienchen mit ihrem Liebeskummer.

Um alle vier Hauptcharaktere verfolgen zu können und zwar möglichst zeitnah, wird zwischen den Charakteren ständig gewechselt.

Wir erleben die Vier von einer gleichbleibenden Perspektive, die wie eine Draufschau uns die Dialoge und Gedanken mitteilt. Auch von dort gibt es keine Bewertung der Charaktere. Diese Erzählweise fasziniert den Autor besonders. Denn er möchte den unterbrochenen Erzählstrang möglichst bald weiterverfolgen. Auch lernt man Bowie, Fienchen, Mono und Zanker dadurch doch so gut kennen, dass sie vertraut werden.

Ein Punkt, der diesen Prozess unterstützt, ist die verwendete Sprache. Herr Cronenberg beschreibt sie als assoziativ, „als würden die Gedanken aus den Köpfen in das Buch fließen.“

Damit drückt er aus, was Frau Bach besonders gelingt. Sie verwendet eine Ausdrucksweise, die der Jugendsprache zu zuordnen ist. Alle ihre Personen sprechen und denken so, dass ein schlüssiges Bild entsteht. Sie wirken nicht mit Jugendsprache überzogen oder schablonenhaft. Diese Sprache: Einwortsätze, Dialoge, Gedanken ist sehr geeignet, eine direkte Übertragung der Gefühle von der Person auf den/die LeserIn zu ermöglichen. Es ist durch diese Struktur der Texte ein neuer moderner Roman entstanden.

Eigene Stellungnahme:

Diese Rezension hat mir durch die Gelassenheit, die Herr Cronenberg dem Werk und den Problemen der jungen Menschen darin entgegenbringt, so gut gefallen. Andere RezensentInnen habe ihre Betroffenheit zu dem einen oder anderen Thema stärker eingebracht. Das entspricht meiner Meinung nach nicht der Intention Frau Bachs.

Ein Punkt, den er völlig außer Acht lässt, ist die Intermedialität. Musik und Film sind im Alltag der Jugendlichen im Buch wie in der Realität Normalität. Vielleicht betont er es deshalb nicht. Im Jugendbuch ist die Verknüpfung zu allen Medien und deren Referenz ein Diskussionspunkt. In diesem Buch ist sicher kein Anlass zu der Vermutung gegeben, dass es sich um Anbiederung an die Jugend handelt. Es ist nicht der Anspruch Frau Bachs sich ihre Jugendlichkeit durch einen Jugendroman zu erhalten. Sie schreibt aus einer inneren Verbindung von Musik und Sprache, die ihre Begabung kennzeichnet. „Ich glaube tatsächlich, Sprache hat eine Melodie und jeder Autor hat vielleicht auch seine eigene Melodie oder seine eigene Tonart.“(Tamara Bach)

„Schreiben ist für mich nichts Bewusstes“

Tamara Bach im Gespräch mit Bernhard Rank und Gina Weinkauff

Donata, Tochter Venedigs

Besprechung eines historischen Romanes von Donna Jo Napoli

Frau Professor Napoli stammt aus einer italienischen Familie. Da sie in den USA lebt, hat sie vermutlich versucht, ihre italienischen Wurzeln zu ergründen und sich in die Geschichte Venedigs eingearbeitet. Sicherlich nicht zufällig heißt die „Heldin“ Donata in Anspielung auf ihren eigenen Namen. Und schon sind wir mittendrin in der Frage, was denn diesen Roman zu einem historischen Roman macht. Sicher ist Frau Napoli als Linguistin bestens mit den aktuellen Diskussionen über das Entstehen von Geschichte durch das Schreiben bestens vertraut. Geschichte ist gestaltete Erinnerung. Sie wird im historischen Kinder-und Jugendroman immer in einem Spannungsfeld zwischen Unterhaltung, Gegenwartsbezug, Fiktion und Faktum angeboten. Was ihr den Begriff der Zwittergattung einbrachte. Das genau kann man in diesem Roman gut erkennen. Wir lernen durch Donata das Alltagsleben aus vielen Aspekten im Venedig des 16.Jhds kennen. Ereignisse, Gesetze, Lebensumstände, Handel und Leben wird uns präsentiert durch ein Mädchen, das die Stadt erkundet und doch gleichzeitig ein Teil von ihr ist.

Dabei erfahren wir die Einzelheiten nicht durch eine Aufzählung, sondern eine Ich-Erzählung. Die Renaissance der hist.KJL ermöglichte eine subjektive Perspektive auf die Geschichte durch neue narrative Erzählformen. Donata erzählt uns ihre Erlebnisse, Gedanken und auch Gefühle. Wir erleben Venedig anhand eines Entwicklungsromanes, in dem geschichtliche Personen, Ereignisse und Lebensverhältnisse narrativ mit der Fiktion von Donata und ihrer Familie dargestellt werden.(Papst Johannes XXII, Tizian, Erlass der Großen Rates 1297, Handelsabkommen über Rohstoffe wie Wolle, Holz, die Inquisition, das Erbrecht, die Stellung von Mann und Frau, die Kindersterblichkeit, Judenverfolgung, venezian. Gerichtsbarkeit) Von der Typologie liegt Donata zwischen dem dokumentarischen hist.Roman, bei dem es um eine detailgetreue Abbildung hist.Wirklichkeit geht und dem realistischen hist.Roman, in dem eine fiktive Handlung in einem scheinbar realistischen Rahmen spielt. Donata beschreibt besonders am Anfang wie in einer Aufzählung so viele Einzelheiten aus dem Leben Venedigs, dass es eine Aneinanderreihung wird, in der die Dramaturgie stoppt.

Das alte Venedig

Wie andere Autorinnen auch richtet Frau Napoli die Aufmerksamkeit auf das Sozial-und Alltagsleben. Und gerade moderne Emanzipationsbestrebungen bilden den Rahmen für Donatas Entwicklung. Ihre Bedürfnisse sich anders zu entwickeln und an Bildung teilhaben zu wollen, sowie Entscheidungen über ihr Leben selber fällen zu dürfen, sind aus den heutigen Sichtweisen entlehnt und bilden den Gegenwartsbezug. Denn die AdressatInnen dürften in erster Linie Mädchen ab 12 Jahren sein, die histor. Romane interessant finden, zumal, wenn sie von Selbstfindung und erster Liebe in ihren eigenen Fragen angesprochen werden. Allerdings darf man in diesem Zusammenhang die Frage stellen, ob die Fiktion durch die heutige Frauenfrage nicht zu sehr belastet wirkt. Denn Menschenrechte, Lebensbedingungen, Architektur, Handel, Arbeitsbedingungen, gesellschaftl. Strukturen, Familienleben sind ja auch Themen, die in diesem sehr vollen Roman bewältigt werden müssen. Intensiv wird auch das Leben der Juden in Venedig behandelt.

Diese vielen Aspekte werden durch eine Dramaturgie erlebbar gemacht. Donata steht im Mittelpunkt der Handlung als „mittlere Heldin“ die sich ihres Standes bewusst wird und die Suche nach den epischen Wahrheiten formuliert. Dabei dürfen wir nicht zu genau Donatas Handeln untersuchen nach realistischer Umsetzbarkeit. Lassen wir diesen Aspekt außen vor, so erfahren wir viel über die Geschichte Venedigs. Die Kommentare zu den Rezensionen drücken den Zwiespalt zwischen Faktum und Fiktion aus. Entweder sie sind begeistert oder ganz und gar ablehnend. Wer eine wirklich spannende Geschichte erwartet wird enttäuscht, denn das Faktum steht im Vordergrund. Wer auf angenehme Art etwas über das alte Venedig erfahren möchte, ist hier richtig.

Ein tolles Buch! Fletcher Moon von Eoin Colfer

IMG_1591Eoin Colfer hat sich mit Fletcher Moon einen Wunsch erfüllt, nehme ich an. Denn es ist der pure Spaß an einem Detektiv-Roman, der ihn dazu getrieben hat mal so richtig in die Klischeekiste zu greifen und einen klassischen Detektivroman zu schreiben. Während Artemis Fowl zu den großen Werken gehört, ist dieses Buch einfach aus Lust  entstanden.

Da trifft die Kritik an Unfertigem oder nicht Ausgebautem gar nicht. Darum geht es nicht.

Wenn man den Roman aus dieser Perspektive ansieht, begegnet einem alles, was zu einer Kinderdetektivstory gehört.

Fletcher ist ein Denker. Und sonst zeichnet ihn auch gar nichts aus. Deshalb ist es für ihn immens wichtig, dass er sich eine Detektiv-Marke erarbeitet hat. Damit kann er beweisen, dass er etwas kann. Und wie es sich für einen Kinderdetektiven gehört, kann er nicht allein über das Nachdenken den Fall lösen, weil es die liebe Leserschaft noch nicht durchhält. Also kommen abenteuerliche Ereignisse hinzu, die den Spannungsbogen aufrechterhalten. Er bekommt einen Kompagnon, der komplementäre Eigenschaften mitbringt. So gelingt es ihnen gemeinsam, sich von den Vorwürfen zu befreien und den wirklichen Täter zu finden. Fletcher ist mit seinem Auftreten ein Antiheld. Niemals geht er aggressiv auf andere zu. Nichts bekommt er von allein. Er ist kein Superman. Seine Ausbildung zum Detektiv hat er über eine Akademie absolviert. Dadurch hat er in der Tat ein Wissen für die Lösung der Fälle im Kopf. So wie andere Kinderdetektive sich an Aussprüche bekannter Vorbilder erinnern, rezitiert Fletcher das Handbuch der Bernstein Akademie. Das ist eine lustige Idee. Genauso witzig sind die Klischees, die Colfer in die Geschichte einbaut. Da ist nicht der große literarische Anspruch. Nein, es soll einfach beim Schreiben und beim Lesen Spaß machen. Und das tut es!!!!!

Wenn die Mädchengruppe ausschließlich in rosa herumläuft und auch der Hund rosa trägt, ist es nicht aus Versehen. Dick aufgetragen und zwar in alle Richtungen hat der Autor. Das erkennen die jungen LeserInnen sehr wohl und kommen mit den merkwürdigen Kritiken der Erwachsenen gar nicht zu recht. Zu Recht!IMG_1592

Was für eine Biographie-Hannah Ahrendt

IMG_1555

Hannah Ahrendt

Eine so interessante Biographie zu schreiben, ist nicht leicht.

Nebenbei fließen die Ereignisse aus dem Lebensumfeld oder der Zeitgeschichte von Hannah Ahrendt ein und verknüpfen sich zu einem Teil der Geschichte, die nun besser zu verstehen ist. Das Schöne ist auch, dass wir es aus einer anderen Perspektive wahrnehmen als gewöhnlich, denn Frau Ahrendt hat ja als Vertriebene und ganz knapp in Amerika Gelandete dort gelebt.

Der Aufbau Deutschlands oder die Entwicklung Israels, der Vietnamkrieg und die McCarthy-Ära aus amerikanischer Sicht, sind hier nur kurz aufgezählt, um den Gedanken mit Bildern auszumalen.

Wenn Hannah Ahrendt das Thema ist, dann ist Philosophie ein zwingender Bestandteil. Dazu hat sich Herr Dr. Alois Prinz mit den philosophischen Ansätzen der Beteiligten auseinandergesetzt. Ich bekomme beim Lesen die Grundgedanken von Heidegger, Jaspers, Ahrendt und Nebenfiguren dieses Lebens gut erklärt, verwoben mit der Entwicklung von Frau Ahrendt.

Nun keine Angst, Herr Dr. Prinz ist als Sohn eines Tischlers aufgewachsen und hatte keine Bücher, mit denen er groß wurde. Erst später konnte  er seinem Interesse zu lesen nachgehen. Was für uns wunderbar ist, denn er schreibt nicht, wie zu erwarten wäre bei diesem Thema in unverständlichen Sätzen. Meine Idee ist dazu, dass es ihm selber so wichtig war, dass er es unbedingt verstehen wollte. Und so kann er in klaren Sätzen die philosophischen Ansätze dem Leser wiedergeben. Ein Thema erwähnte er bei einem Vortrag, bei dem es über ein ganz anderes Buch von ihm ging (Petrus). Daher denke ich, dass ihn in der Auseinandersetzung mit Hannah Ahrendts Ideen, diese Gedanken selber sehr bewegt haben:

„Die Öffentlichkeit ist die Bühne, auf der Menschen hervortreten und sich mit <Lust> zeigen können. Im gegenseitigen Austausch eröffnet sich dann etwas, das mehr ist als die Summe der Einzelnen, ein <Zwischen>, das alle übersteigt und von dem her sie sich selbst und andere besser verstehen können. “

Gemeint ist nicht die Öffentlichkeit, die alles flach und platt macht im Durchschnitt, wie wir es leider gewohnt sind.

Die Fähigkeit, die gebraucht wird zu einer in der Öffentlichkeit ständigen Kommunikation, ist die Fähigkeit zur Popularität. Keine unverständliche Sprache, sondern der Wille sich mitzuteilen und anderen zu zuhören, Rede und Antwort zu geben und keinen auszuschließen.

Das ist heute immer noch Utopie. Verstecken sich doch viele hinter ihrer „Fachsprache“ oder (un-)gebildetem Ausdruck. Doch so etwas wie „social media“ (web2.0) kommt dem näher. 🙂

IMG_1554

Beruf Philosophin oder Die Liebe zur Welt- Die Lebensgeschichte der Hannah Ahrendt

Dr. Alois Prinz – Beltz&Gelberg

Meinen früheren Post zu Alois Prinz gibt es hier.