Archive for the ‘Web2.0’ Category

Zum Neujahr

So unsicher wie dieses Jahr über die Weltlage und auch hier habe ich mich noch nie gefühlt.
Daher ist es mir wichtig euch einen guten Rutsch zu wünschen in ein Jahr, dass wir hoffentlich verdaulicher finden.
Lasst es euch heute gut gehen und trauert nicht über die vergangene Zeit. Ab Morgen ist nicht alles anders, doch hilft dieser Jahreswechsel beim Versuch die Dinge neu zu sehen, das Alte hinter sich zu lassen.

Wichtiger als zuvor ist es, die eigenen Werte zu erkennen und zu verteidigen gegen Verbrecher in der Politik und der Wirtschaft. Es gibt da auch gute Leute. Finden wir sie und unterstützen wir sie.

2015 ist ein großes Versprechen an uns und alle Mitmenschen

Neujahr 2015

Advertisements

Ja oder lieber Nein zum Netz-Ein Kommentar zum Polytechnik-Kolleg 2013

Hier meine Thesen zu gestern, die zugegeben etwas provozieren können: Daher ja zum Austausch

Wie war es gestern im Polytechnik-Kolleg in Frankfurt

Für im Netz Aktive eher traurig. Klischees der alten Männer, die selber wohl nur Wikipedia nutzen, Ebay und Amazon und nur Google als Suchmaschine kennen. Nur Frau Prof. Dr. Grell und eine Schülerin aus dem Liebig Gymnasium waren wirklich klasse. Vielleicht gefallen haben auch noch Prof. Rath und Herr Bickedahl natürlich. Die wussten wenigstens, worum es ging und hatten Positionen, die der Realität nahe kamen.

Schön war, mit dem Museum für Kommunikation die Veranstaltung über Twitter zu begleiten. #ptk2013  Schau mal rein.

Sie bieten ein Storify über die Tweets und Links an. Nur das Wann ist noch nicht klar. So gesehen war die Netzgesellschaft zwar nicht gleich für alle sichtbar, aber doch nachvollziehbar und da.

 

Allerdings war es super, dass dieses Event stattfand. Denn so kamen die Welten mal in Berührung.

Wir müssen noch viel tun, um den politischen Quatsch abzustellen: Das Netz liefere keine demokratiefähige Mehrheit und schließe viele aus und kann deswegen nicht ernsthaft herangezogen werden für die Gestaltung unserer Demokratie. Das kann ich für die Situation außerhalb des Netzes auch bestätigen.

Wie war es mit der Mobilisierung gegen die Privatisierung von Wasser? Eine Onlineaktion nicht nur aber zum großen Teil, die Millionen mitmachen ließ und zum Erfolg erst einmal führte.

Die Herren sehen keine Chance im Netz, sondern ihren persönlichen Bildungskanon gefährdet oder nicht anerkannt.

Ein Beispiel:

Die aktuelle schlechte Jugendsprache wurde mit dem Nutzen des Netzes verknüpft.

Dass gerade die, die gar nicht ins Netz gehen die größten Sprachdefizite haben, spricht gegen eine solche Argumentation.

Und jede Frage wurde mit den Totschlagargumenten beantwortet:

Kriminalität, Pornografie, Gefährdung, unkritische Netzgläubigkeit…

Wenn sich Leute im Netz schlau machen, hieß es: Sie erkennen die Institutionen wie Stiftung Warentest oder Ärzte nicht mehr an…und so weiter.

 

Die Frage stellt sich: Warum nutzen wir dann das Netz?

Warum sehen wir uns vor die Frage gestellt, so eine Veranstaltung zu organisieren?

Frau Prof.Dr.Grell findet da schnell eine Antwort: Es fehlt Medienbildung in der Gesellschaft und sie tut was dagegen.

 

 

 

Wollnachthemden und Google

Hallo liebe Leut,

es wird kälter und ich werd älter. 😉

Und da ich mich gerne einmummele, suchte ich nach Wollnachthemden.

Das war hart.

Google wirft nur die Bestplatzierten aus und auch Ixquick und bing waren nicht wirklich hilfreich.

Ich habe bei Amazon.de + .com gesucht  und  dabei gefunden die zwei Artikel von der Firma Engel und  Hess Natur.

Das von Engel habe ich mir dann gekauft und bin im Großen und  Ganzen zufrieden, doch so richtig warm ist es nicht.

Hess Natur hat eine ähnlich dünne Wolle/Seide-Mischung.

Dann ließ ich mich auf einen erneute Suche ein, spielte mit den Suchwörtern rum und fand nach langem Klicken auf der x-ten Seite bei Google den Versand  Wohl Wollen.

Gottfried Graupner stellt da die Waren vor, die er vertreibt.

Da er nach einer an Nachhaltigkeit orientierten Lebensweise lebt, ist der Internetauftritt nur authentisch. Sprich schlicht.

Da ich seine Wollwaren möchte ist mir das recht.

So bittet er:

Bitte nehmen Sie mit mir telefonisch Kontakt auf.

Ggf. nimmt mein Anrufbeantworter Ihre Nachricht entgegen.

Tel. (03 44 66) 71 289

Sogleich probierte ich das Angebot aus und sprach mit dem AB. Eben rief Herr Graupner zurück und wir hatten eine nette Zeit.

Also: Es gibt doch dicke Wollnachthemden, wenn man nur lang genug sucht.

Damit sich andere nicht so schwer tun, verlinke ich seine Seite mit meinem Blog und hoffe für ihn Werbung zu machen.

Wer möchte, darf das gerne auch tun.

Vielleicht hat die ganze Sucherei nun doch einen tieferen Sinn bekommen.

Wenn wir gute Links verlinken, dann muss auch Google irgendwann diese Links wahrnehmen. Es ist schließlich nur eine Maschine.

Hier kommt nun ein Link zu der Frage, wie pflege ich denn meine Wolle mit Lanolin, dem Wollfett.

Na geht doch, wenn es auch die personalisierte Suche für mich ist, war nach 4 Minuten der Link zu finden:

Na, da bin ich mal schnell auf die erste Seite gekommen.

 

Ein iPad-Selbstversuch als Testleserin


Eine meiner Tageszeitungen, die FNP möchte für sich klären, ob sie in den Markt einsteigen soll, der sich durch die Einfùhrung des iPads entwickelt hat. In Frankfurt werden ca 12 Prozent der Zugriffe auf das Internet von einem iPad gemacht. Entsteht da ein Markt, den die örtliche Presse nicht verschlafen darf?
Die Frankfurter Neue Presse jedenfalls hat sich diesen Test etwas kosten lassen. Wir als TestleserInnen werden betreut und bekommen die nagelneuen iPads der neusten Ausgabe zur Verfügung gestellt bei lediglich sechs Umfragen in drei Monaten. Alles sehr benutzerfreundlich angelegt.
Dabei sind sich die „Zeitungsmacher“gar nicht sicher, wie dieses Experiment ausgehen wird und ob es diese App wirklich einmal geben wird.
Kaum war ich zu Hause mit dem neuen „Spielzeug“, legte ich los. Es ist wirklich intuitiv zu bedienen. Fragen lassen sich durch rumprobieren klären. Wo sind die Umlaute versteckt und wie aktiviert man sie, zum Beispiel. Ein Prozentzeichen habe ich noch nicht entdeckt. Doch wird sich alles finden lassen. Kein langes Lesen von Handbüchern. Loslegen und versuchen-wie diesen Text-was denn alles geht.
Was ich jetzt schon sagen kann ist, das es sich anders liest in der Zeitung.
Ausgewählte Artikel erscheinen in etwas anderer Form auf dem Bildschirm und sind mehr im Fokus, weil allein auf dem Bildschirm. Womöglich verändert es die Sichtweise auf die Zeitung, weil die Artikel herausgehoben werden. Spielerisches Herangehen fällt mir dazu ein. Man wird belohnt durch das Anklicken des Artikels und er öffnet sich einem in neuer Weise. Ich werde beobachten, was das mit mir macht und ob ich das so gut finde.
Gut fand ich natürlich, dass ich aus über 1100 Bewerbern ausgewählt wurde. Überhaupt waren viele nette Menschen in der Testgruppe.
Leider frisst dieses neue Gerät am Anfang viel Zeit. Noch gebe ich sie gerne. Sicher bin ich mir nicht, ob ich ein iPad wirklich in meinen Alltag integrieren möchte. Dazu dient dieser Test aus meiner Sicht.

Gregor Gysi bei den #openbooks-frankfurt

Ihr werdet es gar nicht lesen wollen-doch ich habe mir einen Wunsch erfüllt und mir im Rahmen der Frankfurter Buchmesse Gregor Gysi angehört und ihn live erlebt.
Es ging um die Gesprächsreihe, die er seit 2003 einmal im Monat an einem Sonntag mit einem Gast führt.

„FRANKFURTER KUNSTVEREIN / RAUM D
Verlag Neues Leben
Gregor Gysi „Offene Worte: Gysi trifft Zeitgenossen“
Moderation: Jakob Augstein, der Freitag
Gregor Gysi befragte prominente Zeitzeugen des politischen und kulturellen Lebens. In der Gesprächsreihe des Deutschen Theaters überließ er seinen Gästen die Bühne. Nun befragt Jakob Augstein Gregor Gysi.“

Ich kannte diese Reihe nicht und war sehr angetan von dem Konzept, dass die Menschen wirklich zu Wort kommen lässt.

Ich erfuhr einige nette Storys, mit denen ich noch recht viel anfangen kann, denn auch meine Eltern kannten Klaus Gysi noch. Sorry, Gregor Gysi, der wie alle nicht gerne durch den allmächtigen Vater gesehen werden möchte.

Enttäuschend blieb Herr Augstein. Schade, dass er nicht im Publikum saß. Sonst hätte er mithören können, was denn dem Publikum so aufstieß.
Einen Rahmen für die Veranstaltung herzustellen, ist die Aufgabe des Gastgebers. Das vertapste er gründlich und natürlich mit Argumenten unterlegt. Die höfliche Vorstellung- auch das Ansehen des Gastes- gehört einfach zum gesellschaftlichen Ritus. Das möchte ich an dieser Stelle auch von ihm verlangen. Wir tun was richtiges, wenn wir an unseren Gemeinsamkeiten ansetzen. Und das sind Grußformeln. Das Wegfallen jeglicher Höflichkeit mag modern sein, gut ist es nicht.

Sein Teil, gut vorbereitete Fragen bildete den Hauptteil. Dann konnten zwei Menschen was fragen.

Bei der Formulierung meiner Fragen wählte ich eine Form, die meiner Unsicherheit verstanden zu werden entgegen kam. Er hörte mir nicht einmal zu und unterbrach mich gerade an der Stelle, an der ich sowieso fertig war.

Wir übten in unseren politischen Kreisen während der Unizeit Demokratie auch in der Gruppe einzusetzen und auszuhalten. Dazu gehört das Zuhören und aussprechen lassen im gewissen vorher besprochenen Rahmen.
Das schaffte Herr Augstein nicht. Meiner Meinung nach setzt er sich mit mehr Demokratie auseinander im Kopf und den Medien – nicht im Alltag.

Gregor Gysi hörte sehr wohl zu und antwortete gut und absolut nicht arrogant.
Er hatte in einer seiner Antworten einen kurzen Satz gesagt, der ungefähr so war:
<Die tiefsitzende Intellektuellenfeindlichkeit ist der Ersatz für den Antisemitismus.>
Die Dame neben mir war empört.

Sie hatte nur die Kombination der beiden Worte gehört und nichts verstanden, denn auf die Frage, ob er das näher erläutern könne, kamen sehr wohl nachvollziehbare Gedanken und sie atmete auf. Und ich bin zum ersten Mal damit konfrontiert worden, dass auch im heutigen Deutschland die Herkunft entscheidend ist, um Intellektueller zu werden.(Das mit dem Zugang zur Bildung weiß ich ja eigentlich.) Daher lässt sich der Hass der Nichtreichen gut erklären und auch die Art, wie die Bildzeitung mit v Guttenberg und den WissenschaftlerInnen umging.
Aha!! Wieder was gelernt. Da läuft was falsch.

Er erwähnte, dass durch den Druck der Gesellschaft, die Juden in Deutschland früher gezwungen waren so exellente Leistungen zu erbringen, wie wir sie alle kennen. Im heutigen Israel wären die WissenschaftlerInnen ganz normal durchschnittlich. Heute wären es die PalästinenserInnen, die außergewöhnliches leisteten.

Und dann hatte ich meine unverdaute Frage zu dem, was im Bundestag so gesagt wird und wir nie wirklich wissen können, was denn davon jetzt stimmt. Um es kurz zu machen: Die Macht verführt schnell die Politiker und so kann man sich im Prinzip, um dem Richtigen näher zu kommen, an Teile der Opposition wenden oder an kompetente Menschen außerhalb und er riet, sich zu interessieren und das INTERNET zu nutzen.

Ich habe ihn als authentisch empfunden, nicht arrogant und einen besseren Demokraten unter den Politikern als alle bisherigen, die ich kennenlernte.
Er sieht seine Aufgabe darin, diese Sprache der Parlamentarier zu übersetzen, damit auch ich verstehe, worum es geht. Danke!!!

Medienverteilung der Geburtstagsgrüße an mich

Ein Ehrentag mit netter Post und Kaffee und Kuchen in freundlicher, womöglich fröhlicher Runde-so erwartet man ja den eigenen Geburtstag, wenn nichts besonderes vorliegt. So kam es diesmal nicht. Denn durch die Verteilung auf die verschiedenen Medien, erfolgten die Grüße oft zeitgleich.

Das hat mich bewogen, sie mal in einem Diagramm festzuhalten. Erfreulich ist der Anteil der persönlichen Überbringung. Betrachtet man die Zeit bei jedem Gespräch, dann bekommt dieser Part eher seine „natürliche“ Bedeutung.

Nun könnte man vermuten, dass die persönliche Nähe ein Faktor bei der Auswahl der Medien ist. Je näher, desto eher erscheint man persönlich oder ruft an. Ja, es lässt sich bestätigen. Ab einem bestimmten Punkt des persönlichen Abstands ist die Wahl dann allerdings beliebig. Es kann zur Mail oder einem social-media Angebot gegriffen werden.

Interessanterweise kam es trotz der Vielfalt zu Staus in der Telefonleitung oder einer Doppelbelegung durch Handy und Telefon. Eine bestimmte Grußzeit ist uns offensichtlich angenehm. Die meisten Grüße kamen über die social-media Angebote. Sie setzen die Schranke einen Gruß zu senden, meiner Meinung nach herunter.

Medienverteilung der Geburtstagsgrüße

Uranmunition – verstrahlt in alle Ewigkeit

Zu diesem Thema habe ich ja schon einmal Links gesammelt.

Der neueste Blogartikel zu diesem Thema von Denkbonus (ergänzt 2012)

Nun habe ich aus aktuellem Anlass neu gesucht und aus Frankfurt  die AG-Friedensforschung mit einer guten Sammlung an Artikeln dazu gefunden:

DU-Geschosse – Waffen mit abgereichertem Uran

Nun kommt noch der Artikel mit allen Links von der AG-Friedensforschung zu Libyen. Er ist gut zu lesen.

Uranmunition – verstrahlt in alle Ewigkeit

von Karin Leukefeld *

Setzt die NATO-Kriegskoalition im Luftkrieg gegen Libyen Waffen mit abgereicherter Uranmunition (DU) ein? Mitte April erklärte die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Uranwaffen (ICBUW), es gebe „keine belastbaren Beweise dafür, dass DU in Cruise Missile“ der Marke Tomahawk vorhanden sei, die in großen Mengen in Libyen zum Einsatz kommen. Man wisse, dass eine Reihe von Kampfflugzeugen und -schiffen, die derzeit im Krieg gegen den libyschen Machthaber Muammar Gaddafi eingesetzt werden, DU-Waffen tragen könnten. Ob sie auch abgefeuert würden, sei deswegen unklar, weil London und Washington Angaben zu den eingesetzten Waffen verweigern. Mit anderen Worten, der Einsatz von DU-Waffen in Libyen ist nicht ausgeschlossen.

Dass er sogar sehr wahrscheinlich ist, zeigt die Antwort des britischen Verteidigungsministers Liam Fox auf eine entsprechende Anfrage des schottischen Abgeordneten Bill Wilson (Februar 2011). Es sei weiterhin Politik der Regierung, dass DU in Waffen eingesetzt werden könne, so Fox. DU sei „nicht verboten“, die britischen Truppen setzten DU-Munition „gemäß des internationalen humanitären Rechts“ ein. Es wäre sogar „ein Fehler“, wenn die britische Regierung ihren Soldaten diese „legitime Möglichkeit vorenthalten würde, die ihnen den best möglichen Schutz während einer bewaffneten Auseinandersetzung bietet.“

Radioaktiver Staub – eine Zeitbombe

Waffen mit abgereicherten Uran (Depleted Uranium -DU) kamen in den Kriegen in Jugoslawien (12.700 kg), Irak (1991: 290.300 kg, 2003: mindestens 140.000 kg) und Afghanistan in großen Mengen zum Einsatz. Raketen, die einen uranhaltigen Sprengkopf tragen, werden gegen Panzer oder Bunker eingesetzt. Sie entwickeln bei der Explosion einen feinen radioaktiven Staub, der sich in Luft, Boden und Wasser auflöst und eingeatmet bzw. über die Nahrungskette aufgenommen wird. Die Langzeitfolgen zeigen sich 5 bis 6 Jahre nach der Explosion: Missbildungen und schwere Schädigungen bei Neugeborenen, ein deutlicher Anstieg von Krebserkrankungen, genetische Veränderungen und Knochenerkrankungen. Wer einmal radioaktiven Staub eingeatmet hat, behält ihn in seiner Lunge. Abgereichertes Uran hat eine Halbwertzeit von 4 Milliarden Jahren. Sollten also die Regierungen der USA und Großbritanniens weiterhin keine Auskunft über die Art der Waffen geben, die in Libyen zum Einsatz kommen, werden die Folgen spätestens nach fünf Jahren zu sehen sein, sofern sie veröffentlicht werden.

Öffentliche Vertuschung und Desinteresse

Das Interesse von Politik und Medien an den Folgen von Uranmunition und Uranhaltigen Waffen ist gering. Die frühere irakische Umweltministerin hatte Untersuchungen und Kompensationen für Umwelt- und Gesundheitsschäden aufgrund von Militäraktionen und deren Hinterlassenschaften gefordert, wurde aber von der eigenen Regierung nie unterstützt. Die USA und Großbritannien weichen Fragen aus und ignorieren Untersuchungen, die einen Zusammenhang zwischen DU-Munition und schweren Erkrankungen herstellen. Sie haben Angst, eines Tages finanziell und moralisch für die Folgen aufkommen zu müssen. Medien interessieren sich nicht für die Folgen der Kriege, über die sie zuvor berichteten. Und die Weltgesundheitsbehörde (WHO) kommt ihrer Verpflichtung zu unabhängigen Untersuchungen in Sachen DU nicht nach. Nach dem massiven Einsatz von DU-Waffen im Irakkrieg 1991 verwiesen sie auf Geldmangel. Ein Bericht, der von irakischem WHO-Personal in Bagdad Ende der 1990iger Jahre erstellt worden war, verschwand im Giftschrank. Zuvor hatten irakische Ärzte auf den dramatischen Anstieg oben genannter Krankheitsbilder bei Kindern und Erwachsenen in südirakischen Provinzen um Basra hingewiesen. Im Westen wurden die Berichte als „Propaganda des Diktators Saddam Hussein“ abgetan. Ärzte, wie der deutsche Epidemiologe Siegwart-Horst Günther wurden nicht ernst genommen. Günther wurde sogar strafrechtlich verfolgt, nachdem er Beweise aus dem Irak mit nach Deutschland gebracht hatte. Betroffene Ärzte, Eltern und Kinder wurden allein gelassen.

Und das, obwohl schon im April 1991, also unmittelbar nach dem internationalen Waffengang zur Vertreibung irakischer Truppen aus Kuwait, die britische Atomenergiebehörde auf mögliche Probleme von radioaktivem Staub aufmerksam gemacht hatte, der sich von Kriegsschauplätzen in die Nahrungskette und ins Grundwasser ausbreiten könne. 40 Tonnen radioaktiver Schrott könne mehr als 500.000 Todesopfer fordern, so die Behörde. Nach dem Golfkrieg 1991 blieben 300 Tonnen radioaktiver Schrott zurück, mindestens 350 Ziele im Irak waren mit DU-Waffen bombardiert, also radioaktiv verseucht worden. Bis zu 7000 neue Krebserkrankungsfälle pro Jahr werden im Irak registriert. 67 Prozent derjenigen, die zum Zeitpunkt des Krieges militärisch eingesetzt waren, brachten später Kinder zur Welt, die bei der Geburt Missbildungen aufwiesen oder Krebs.

90.000 US-Soldaten mit Golfkriegssyndrom

DU-Waffen sind radioaktiv. Sie lösen schwere gesundheitliche Schäden aus und verseuchen die Natur. Dennoch weigern sich sowohl die USA, als auch Großbritannien und Deutschland einem Verbot zuzustimmen. 90.000 US-Soldaten mit Golfkriegssyndrom leiden an Krebs oder anderen Krankheiten, die Behinderungen nach sich ziehen, dennoch erklärte im März 2010 ein Pentagonsprecher gegenüber der britischen BBC, ein Zusammenhang zwischen Missbildungen oder anderen Krankheiten und US-Militäraktionen sei nicht erwiesen. Die Bundesregierung erklärte erst kürzlich in der Antwort auf eine Anfrage der Grünen Bundestagsabgeordneten (Malczak, Ströbele, Beck, Bundestagsdrucksache 17/3281), der Aufruf des EU-Parlaments (2008) nach einem Moratorium dieser Waffen werde nicht unterstützt, weil gesundheitsschädliche Auswirkungen der Waffen nicht erwiesen seien.

Horrorberichte aus Falludja

Im Oktober 2009 wandten sich erneut irakische Ärzte mit Horrorberichten an die Vereinten Nationen. Dieses Mal kam der Hilferuf aus der westlich von Bagdad gelegenen Stadt Falluja, die im Jahr 2004 zwei Mal Ziel massiver Angriffe der US- und irakischen Armeen. Bei beiden Angriffen wurde auch weißer Phosphor eingesetzt. Erst vor wenigen Wochen gab die US-Regierung drängenden Fragen nach und erklärte, die von ihr eingesetzten Waffen bei der Belagerung von Falluja (Oktober/November) seien keine Uranwaffen gewesen. Über die Art der Waffen, die bei der Belagerung im April 2004 (Operation Vigilant Resolve) eingesetzt worden waren, man habe keine Unterlagen (mehr).

Aus den Berichten der Ärzte aus Falluja (9/2009) geht hervor, dass 24 Prozent der 170 Neugeborenen die ersten 7 Tage nicht überlebten. 75 Prozent von ihnen hätten schwere Missbildungen aufgewiesen. „Junge Frauen haben Angst Kinder zu bekommen, weil Babies mit grotesken Missbildungen geboren werden, ohne Kopf, mit zwei Köpfen oder einem Auge auf der Stirn (…)“, hieß es in dem Schreiben. Der engagierte Molekularbiologe, Professor Chris Busby von der Universität Ulster (Irland), der seit Jahren zu den Folgen radioaktiver Strahlung auf Umwelt und Gesundheit arbeitet, ging den Berichten nach. Das Ergebnis ist in der Studie „Krebs, Kindersterblichkeit und Geburtenänderung im Geschlechterverhältnis“ nachzulesen, die Anfang 2010 veröffentlicht wurde. [Siehe Hinweis am Ende des Artikels.]

Busby stellte mit seinen Mitautoren Malak Hamdan und Entesar Ariabi einen Fragebogen, der an 711 Haushalte verteilt wurde. Die „alarmierenden Ergebnisse“ ließen Rückschlüsse darauf zu, dass die Bevölkerung während der Militäroffensive der US-Armee 2004 einer massiven Menge erbgutschädigender Stoffe ausgesetzt gewesen sein müsse, schlussfolgert Busby. „Wir müssen dringend herausfinden, was das war.“ Viele vermuteten Uran „doch ohne weitere Untersuchungen und eine unabhängige Analyse von Proben aus dem Gebiet können wir nicht sicher sein.“ Die hat bis heute nicht stattgefunden.

60 Prozent der Haushalte, 4843 Personen, hatten die Fragen beantwortet. Vergleichsdaten aus dem Register über Krebserkrankungen im Mittleren Osten (MECC 1999) wurden den Ergebnissen gegenübergestellt und Daten aus Jordanien aus den Jahren 1996-2001. Zusammengefasst fanden die Wissenschaftler folgendes heraus: Seit Januar 2005 vervierfachten sich die Krebserkrankungen in Falluja, die Rate ist 38 mal höher als in Ägypten, Jordanien und Kuwait. Festgestellt wurde ein erhöhtes Krebsrisiko für Leukämie (Blutkrebs) aller Altersgruppen, gefolgt von Krebs der Lymphgefäße, Brustkrebs bei Frauen, Hirntumore. Die Kindersterblichkeit im Januar und Februar 2010 wurde mit 34 Säuglingen angegeben, die nicht älter als ein Jahr wurden. Die Todesrate bei Neugeboren lag bei 80/1000. Zum Vergleich: 19,8/1000 Totgeburten in Ägypten, 17/1000 in Jordanien, 9,7/1000 in Kuwait.

Genetische Schäden wie in Hiroshima

Anormal zeigte sich das Geburtenverhältnis von Jungen und Mädchen bis zu 4 Jahren. Normalerweise ist das Verhältnis in dieser Altersgruppe 1050 Jungen zu 1000 Mädchen. In Falluja lag das Verhältnis bei 860 Jungen zu 1000 Mädchen. Als Grund nehmen die Wissenschaftler Stress durch genetische Störung an, was gestützt wird von der hohen Anzahl von Missbildungen. Männliche Embryos überleben den durch genetische Störung ausgelösten Stress weniger oft als weibliche Embryos, die mit Missbildungen reagieren. Die Veränderungen sind vergleichbar mit denen, die bei Neugeborenen in Hiroshima nach 1945 gefunden wurden. Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluss, dass die Einwohner von Falluja mit einer vergleichweise höheren Rate an Krebs, Leukämie, Kindersterblichkeit und Missbildungen konfrontiert sind, als es bei den Überlebenden von Hiroshima und Nagasaki in den Jahren nach dem Atombombenabwurf der Amerikaner im August 1945 dokumentiert wurde.

Die Studie (Cancer, Child Mortality and Birth Sex-Ratio in Falluja, Iraq 2005-2009) wurde in der Juliausgabe (2010) des International Journal of Environmental Research and Public Health (www.mdpi.com/journal/ijerph) veröffentlicht.

* Karin Leukefeld, Jornalistin, Bonn und Damaskus.

Dieser Beitrag erschien in: FriedensJournal, Nr. 3, Mai 2011, S. 11-12.

Das FriedensJournal wird vom Bundesausschuss Friedensratschlag herausgegeben und erscheint sechs Mal im Jahr. Redaktionsadresse (auch für Bestellungen und Abos):
Friedens- und Zukunftswerkstatt e.V.
c/o Gewerkschaftshaus Frankfurt
Wilhelm-Leuschner-Str. 69-77
60329 Frankfurt a.M.
(Tel.: 069/24249950); e-mail: Frieden-und-Zukunft@t-online.de )

AG Friedensforschung, Germaniastr. 14, 34119 Kassel, eMail: webmaster@ag-friedensforschung.de