Posts Tagged ‘JüdischesLeben’

Der beste Ostermarsch seit langem in Frankfurt

Es ist ja oft so, dass bei schlechtem Wetter sich vielleicht wegen der äußeren Bedingungen eine gute Stimmung einstellt. Ja, es waren schon mal mehr Leute dabei. Es waren aber auch schon weniger. Das jedenfalls trübte die Laune nicht. Und schnell waren alle in einem Gespräch vertieft. Der Regen hörte irgendwann auf. Und schwuppdiwupp waren wir am Römer. Gute Musik empfing uns. Das sind Ostermarschierer/ innen ja nicht gewöhnt und so kamen wir beim Suchen nach Bekannten  bei der Runde über den Römer schnell auf die Frage, wer denn da spielt. Es war die Gruppe BOTS ! Die wollte ich immer schon mal live erleben.

Ja, wie ich eben lese, hat Dieter Dehm (Egal, was man von ihm hält, bitte!)die Gruppe wieder mehr im Auge und ich muss sagen, auch wenn es Veränderungen gegeben hat und die Jungs einiges hinter sich haben, was das Leben so mit einem anstellt: Heute wurden sie wieder richtig gut. Das lag an dem begeisternden Publikum oder besser: Beide, Gruppe und Publikum zogen sich selbst hoch und am Ende war Konzertstimmung auf dem Platz. Yeah!!

Dieser erfreuliche Bericht ist natürlich nicht alles. Es gab vier Reden und ich möchte an die Frau aus Israel erinnern(Shula Keshet), die uns zeigte, wie widersprüchlich dieses Land auch mit seinen Einwohnern umgeht und es kein FEIND ist. Es ist ein Land. Und es ist nicht besser als ein anderes. Die Diskriminierung der Menschen, die aus der arabischen Welt zugewandert sind, gleicht dem, was ich aus vielen anderen Ländern höre und ich bin damit genau so unzufrieden. Für einen Ostermarsch fand ich das eine sehr engagierte Idee. Frieden gerade mit dem, der uns so kriegerisch erscheint. Hier ein kurzfristiger Link zur Hessenschau, in der über Frau Keshet berichtet wird und Herr Schwoerer zu Wort kommt. Allerdings fehlt Jan vom Camp völlig.

Vor Frau Keshet sprach Jan vom Occupy-Camp aus Frankfurt. Und Jan hat es wirklich drauf. Er kann gut Reden halten. Nicht eine Minute hatte man das Gefühl etwas vorgequatscht zu bekommen. Er sprach und war authentisch. Was für ein Segen!!!  ‎Jan selber zum Abschluss, auf die Zukunft der gesellschaftlichen Entwicklung bezogen: „Und eins ist sicher: Dieser Hippie will nicht in einer Höhle leben!“ 

Um es kurz zu machen: Alle Reden waren gut zu hören. Die Inhalte waren auch ok, weil keiner versuchte uns über irgendeinen Tisch zu ziehen. Die nächsten Veranstaltungen werden wohl hier in Frankfurt die Tage von Blockupy sein. Hier ist der Link dorthin. Das ist ja eine sehr internationale Seite. Toll. Da wird es am 17. 5. mit einer Besetzung der Frankfurter Plätze losgehen. Am 18.5. wird die EZB blockiert und am 19. 5. gibt es eine Großdemo.

Dieser Einsatz für den Frieden hat sich für alle gelohnt. Danke an die OrganisatorInnen und die Mitwirkenden und die netten Leute die kamen.

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Frohes Fest

Das hat mir aus meiner Weihnachtspost so gut gefallen.

Und das ist auch nett. Mal sehen, was noch so kommt.

Das kam heute :

Du fährst mit dem Auto und hältst eine konstante Geschwindigkeit. Auf deiner linken Seite befindet sich ein Abhang. Auf deiner rechten Seite fährt ein riesiges Feuerwehrauto und hält die gleiche Geschwindigkeit wie du. Vor dir galoppiert ein Schwein, das eindeutig größer ist als dein Auto und du kannst nicht vorbei. Hinter dir verfolgt dich ein Hubschrauber auf Bodenhöhe. Das Schwein und der Hubschrauber haben exakt deine Geschwindigkeit!
Was unternimmst du, um dieser Situation gefahrlos zu entkommen???

Vom Kinderkarussell absteigen und weniger Glühwein saufen!!!!

Achtung hier ist noch etwas! Musizierende Rentiere zum Anklicken.

Donata, Tochter Venedigs

Besprechung eines historischen Romanes von Donna Jo Napoli

Frau Professor Napoli stammt aus einer italienischen Familie. Da sie in den USA lebt, hat sie vermutlich versucht, ihre italienischen Wurzeln zu ergründen und sich in die Geschichte Venedigs eingearbeitet. Sicherlich nicht zufällig heißt die „Heldin“ Donata in Anspielung auf ihren eigenen Namen. Und schon sind wir mittendrin in der Frage, was denn diesen Roman zu einem historischen Roman macht. Sicher ist Frau Napoli als Linguistin bestens mit den aktuellen Diskussionen über das Entstehen von Geschichte durch das Schreiben bestens vertraut. Geschichte ist gestaltete Erinnerung. Sie wird im historischen Kinder-und Jugendroman immer in einem Spannungsfeld zwischen Unterhaltung, Gegenwartsbezug, Fiktion und Faktum angeboten. Was ihr den Begriff der Zwittergattung einbrachte. Das genau kann man in diesem Roman gut erkennen. Wir lernen durch Donata das Alltagsleben aus vielen Aspekten im Venedig des 16.Jhds kennen. Ereignisse, Gesetze, Lebensumstände, Handel und Leben wird uns präsentiert durch ein Mädchen, das die Stadt erkundet und doch gleichzeitig ein Teil von ihr ist.

Dabei erfahren wir die Einzelheiten nicht durch eine Aufzählung, sondern eine Ich-Erzählung. Die Renaissance der hist.KJL ermöglichte eine subjektive Perspektive auf die Geschichte durch neue narrative Erzählformen. Donata erzählt uns ihre Erlebnisse, Gedanken und auch Gefühle. Wir erleben Venedig anhand eines Entwicklungsromanes, in dem geschichtliche Personen, Ereignisse und Lebensverhältnisse narrativ mit der Fiktion von Donata und ihrer Familie dargestellt werden.(Papst Johannes XXII, Tizian, Erlass der Großen Rates 1297, Handelsabkommen über Rohstoffe wie Wolle, Holz, die Inquisition, das Erbrecht, die Stellung von Mann und Frau, die Kindersterblichkeit, Judenverfolgung, venezian. Gerichtsbarkeit) Von der Typologie liegt Donata zwischen dem dokumentarischen hist.Roman, bei dem es um eine detailgetreue Abbildung hist.Wirklichkeit geht und dem realistischen hist.Roman, in dem eine fiktive Handlung in einem scheinbar realistischen Rahmen spielt. Donata beschreibt besonders am Anfang wie in einer Aufzählung so viele Einzelheiten aus dem Leben Venedigs, dass es eine Aneinanderreihung wird, in der die Dramaturgie stoppt.

Das alte Venedig

Wie andere Autorinnen auch richtet Frau Napoli die Aufmerksamkeit auf das Sozial-und Alltagsleben. Und gerade moderne Emanzipationsbestrebungen bilden den Rahmen für Donatas Entwicklung. Ihre Bedürfnisse sich anders zu entwickeln und an Bildung teilhaben zu wollen, sowie Entscheidungen über ihr Leben selber fällen zu dürfen, sind aus den heutigen Sichtweisen entlehnt und bilden den Gegenwartsbezug. Denn die AdressatInnen dürften in erster Linie Mädchen ab 12 Jahren sein, die histor. Romane interessant finden, zumal, wenn sie von Selbstfindung und erster Liebe in ihren eigenen Fragen angesprochen werden. Allerdings darf man in diesem Zusammenhang die Frage stellen, ob die Fiktion durch die heutige Frauenfrage nicht zu sehr belastet wirkt. Denn Menschenrechte, Lebensbedingungen, Architektur, Handel, Arbeitsbedingungen, gesellschaftl. Strukturen, Familienleben sind ja auch Themen, die in diesem sehr vollen Roman bewältigt werden müssen. Intensiv wird auch das Leben der Juden in Venedig behandelt.

Diese vielen Aspekte werden durch eine Dramaturgie erlebbar gemacht. Donata steht im Mittelpunkt der Handlung als „mittlere Heldin“ die sich ihres Standes bewusst wird und die Suche nach den epischen Wahrheiten formuliert. Dabei dürfen wir nicht zu genau Donatas Handeln untersuchen nach realistischer Umsetzbarkeit. Lassen wir diesen Aspekt außen vor, so erfahren wir viel über die Geschichte Venedigs. Die Kommentare zu den Rezensionen drücken den Zwiespalt zwischen Faktum und Fiktion aus. Entweder sie sind begeistert oder ganz und gar ablehnend. Wer eine wirklich spannende Geschichte erwartet wird enttäuscht, denn das Faktum steht im Vordergrund. Wer auf angenehme Art etwas über das alte Venedig erfahren möchte, ist hier richtig.

„Richtig zu leben tut weh“

Gestern konnte ich endlich in den Film „Mazel Tov“ gehen. Er lief in Orpheo’s Erben. Ein ungewöhnliches Kino. Hier ein Ausschnitt von dem Aussehen der Technik vom Zuschauerraum. Wir sitzen in alten Flugzeugsitzen, die oft noch verstellbar sind Fußlehnen und Abstelltischchen haben.

Orpheo's Erben

Orpheo's Erben

Der Film macht uns mit Menschen bekannt, die aus Russland nach Deutschland kommen. Die Männer haben ehrenhaft und unter grauenvollen Bedingungen geholfen den Krieg der Deutschen zu beenden und landen dann vom Leben hierher gespült gerade in Deutschland. Das muss Konflikte auslösen. Es sind nicht die Konflikte, die uns einfallen. Sie haben keinen Hass, sondern sind „weise“. Ganz wunderbar dieser Film, der mir gezeigt hat, dass wir immer nur kleine Ausschnitte sehen von anderen. Erst im Kontakt kann man sich verstehen lernen.

"Mazel Tov" ist den jüdichen Kämpfern der Roten Armee gewidmet

"Mazel Tov" ist den jüdichen Kämpfern der Roten Armee gewidmet

Für mich ganz wichtig ist auch, dass wir Völker alle uns um die Aufarbeitung der Folgen, die Kriege auslösen herumdrücken. Wie kann man mit Menschen leben, die solche gesehenen und erlebten Grausamkeiten in sich tragen. Was werden das für Eltern? Was transportieren sie für Probleme in die Gesellschaft hinein für mehrere Generationen? Warum wird das nie betrachtet?

Sie können so viel und werden hier nicht gebraucht. Was für ein unmenschliches System.

Sie können so viel und werden hier nicht gebraucht. Was für ein unmenschliches System.

Auch die „Kinder“, bestens ausgebildet stehen hier auf der Strasse oder machen unterqualifizierte Jobs. Das ist für alle Menschen schlecht. Was könnten wir erreichen, würden wir die Ressourcen nutzen, die in uns stecken.

Jedes Volk, was Vernichtung, Unterdrückung und Gewalt erlebt, hat Folgeschäden. Niemand kann voll im Leben stehen und die coolsten Dinge ausdenken, wenn er voll mit unverarbeitetem Grauen ist. Und auch die Kinder tragen Spuren davon in sich. Sie sind nicht frei. Wer kommt bei uns in Deutschland  aus Opferfamilien und wer aus Täterfamilien oder gar aus beidem? Wie kann das verarbeitet werden? Welche Bilder gibt es über die Gesellschaft? Niemals hat ein Volk es bisher unternommen darüber zu reden. Dadurch bleibt so vieles in der Gefühlswelt stecken und bricht sich irgendwo Bahn. Verständnis kann so nicht aufkommen. Eine Tragik!

Dieser Film ist ein Mosaiksteinchen für unsere Aufarbeitung. Das ist großartig!

Die Überschrift, die beiden Bilder sind aus dem Flyer über den Film „Mazel Tov“ von Mischa Popp und Thomas Bergmann.

Besuch in der Liebermannvilla

Liebermannvilla am Wannsee (von honna)

cc by honma by flickr

Die renovierte und wiedereröffnete Villa am Großen Wannsee von Max Liebermann hatte es mir angetan. Ich selber habe ja auf einem solchen Grundstück gearbeitet. Es ist schon schön da.

Wir hatten bezahlt und waren durch das Gärtnerhäuschen gerade hindurch auf das Grundstück gelangt, als ich auf das Herzlichste von dem Gärtner begrüßt wurde. Er ergriff meine Hand und fragte: Heute inkognito hier? Habt Ihr mich mal mit meiner scharfen Sonnenbrille gesehen? Alle, die mich länger kennen wissen, dass mir das immer wieder passiert. Und so erwiderte ich ganz herzlich den Gruß. Obwohl er gleich seinen Irrtum merkte, „verwickelten“ wir uns in ein Gespräch über den Garten, die Besucherzahlen und – ströme und das Haus. So kann ich Euch berichten, dass sie noch ehrenamtliche Gärtner suchen, die dann an den Gemüsebeeten teilhaben und eben dieses Gelände außerhalb der Besucherzeiten nutzen können.

Nach diesem Empfang durchstreiften wir den Garten und das Haus. Es gibt ein Cafe und nette Sitzplätze überall. Von Liebermann selber kann sich der Besucher im ersten Stock allerlei Gartenbilder anschauen und mit der aktuellen Situation im Garten vergleichen. Im unteren Stock wird man anhand der Geschichte des Hauses schnell mal durch das letzte Jahrhundert geführt. Und in der Loggia konnte man unter vierzehn Farbschichten doch die ursprüngliche Bemalung wieder herausarbeiten. Das ist nett anzusehen. Zumal erstaunt, wie einfach das Haus ohne Pomp gedacht war und nach künstlerischen Aspekten geplant.

Die Bilder gerade aus den späten Jahren sind nur gut in einem größeren Abstand zu betrachten, dafür musste ich bis an die gegenüberliegende Wand zurücktreten. Oder liegt es an meinen Augen? Wie malt man das? In der Nähe ist es nur ein Farbklecks und aus der Ferne eine Landschaft.

Also ging ich rückwärts und stieß doch den hinter mir auf einer Stele (hier eher Holzsäule) liegenden in Bronze gegossenen Kopf Liebermanns herunter. Bevor er sich in das Parkett grub, fing ich ihn wieder auf. So hatte ich auch noch Liebermann im Arm.

Das Museum hatte nicht mit einem Besuch von mir gerechnet!