Archive for the ‘Buchbesprechung’ Category

Doris Dörrie bei den #openbooks-frankfurt

Gerade war ich in einer Lesung mit Doris Dörrie im Rahmen der openbooks-frankfurt:
Es ist ein umfangreiches Programm und so kann man nur einen Bruchteil besuchen. Es scheinen alle begeistert zu sein- oder ist das nur meine Einbildung?
Es lohnt sich, sich abends dorthin zu schleppen und wohlgemut wieder zu gehen.

Frau Dörrie einmal live zu erleben war ein Wunsch von mir, seit ich mir im letzten Jahr fast alle ihre Filme angesehen hatte.
Und weil ich ihre CD sehr schätze, auf der sie ein Buch von Thich Nhat Hanh vorliest: „Frei sein, wo immer Du bist“
Ich höre sie oft und bin dadurch mit ihrer Stimme so vertraut.

Die Moderatorin war kurzfristig eingesprungen und nach meinem Eindruck nur oberflächig informiert über das, was Frau Dörrie bewegt.
Da die Fragen schnell beantwortet waren-weil am Thema vorbei- las Frau Dörrie umso mehr vor. Und die Stellen, die sie auswählte waren so voller Bilder und guten Dialogen, dass alle sofort „wegwaren“. Der Raum war überfüllt und doch hätten noch mehr gar nicht geschadet. Es wurde ganz still und jede/r sah das eigene Buch vor sich, den eigenen Film laufen. Wunderbar!!

Frau Dörrie möchte nicht bewerten sondern erzählen. Und doch bezieht sie Stellung zu gesellschaftlichen Themen, wie zum Beispiel den Menschen, die aus Afrika versuchen nach Europa zu kommen durch die Art, wie sie von ihnen erzählt. Und so wird das Buch auch ein Stück Zeitgeschichte, mit Anregungen darüber nachzudenken.

Eines war ihr wichtig und deshalb möchte ich es hier noch miterwähnen.
Sie lobte die Zusammenarbeit mit ihrer Lektorin. Ohne sie wäre dieses Buch nicht so entstanden. Da die Verlage immer öfter auf diese MitarbeiterInnen verzichten, geht etwas sehr wertvolles verloren.

Und natürlich wurde an Herrn Daniel Keel erinnert, der durch seine Art mit seinen AutorInnen umzugehen etwas ganz besonderes geschaffen hat. Frau Dörrie wäre vermutlich ohne ihn nicht zum Schreiben gekommen.

Diogenes Verlag

Doris Dörrie „Alles inklusive“

Wie spiegelt sich unsere Demokratie im aktuellen Jugendroman wieder?

Heute war das Abschlussgespräch für meinen Fernkurs in der Stube.

Ziemlich genau zwei Jahre sind nun vorbei, in denen ich eine zeitlang über den unterschiedlichsten Texten gesessen habe. Angeregt durch die Skripte kam ich durch Recherche zu Primär- und Sekundärliteratur, die so nach und nach durch gelesen werden wollte. Es gibt eine Menge an Links, die ich unbedingt noch einmal ansehen wollte und wohl nie mehr ansehen werde. Dabei bin ich auf wertvolle Quellen gestoßen, die mir auch zukünftig helfen werden, Fragen zu beantworten. Ich kann jetzt AutorInnen unterscheiden und mir ein Bild machen von dem was aktuell auf dem Markt angeboten wird. Als letzte Prüfungsvorbereitung diskutierte ich auf der Buchmesse mit den unterschiedlichsten Verlegern. Über Flattersatz oder farbigen Hintergrund, Buchvermarktung und die Entwicklung von Krimis. 🙂

Meine Vorbereitung auf das Abschlussgespräch hatte ich mir klar gegliedert und auch genauso durchgeführt. Oh Wunder! Dabei merkte ich zwar, dass nicht jeder Begriff saß, doch es war eine Ursuppe entstanden. Damit fühlte ich mich recht sicher auf die möglichen Fragen eingehen zu können. So ist es auch gekommen. Die Frage, die ich nur mehr so ungefähr behalten habe war: Sie haben Artemis Fowl und ShaunTan ausgewählt in der Leseliste. Beide haben Phantastisches. Wie schätzen Sie das ein?

Uff!!!

Ich hatte das so noch nie betrachtet. Und dann fiel mir zu beiden Büchern so viel ein, dass es vielleicht nicht im ersten Satz beantwortet werden konnte, doch klar wurde, dass mir dazu etwas einfallen würde.

Das von mir selbst gewählte Thema hieß: Wie spiegelt sich unsere Demokratie im aktuellen Jugendroman wieder?

Es war als Idee einfach da. Woher nun dieser Gedanke kam, weiß ich nicht. Wenn man Stuttgart 21 ansieht, dann lag die Demokratiefrage vielleicht in der Luft.

Das Fazit zuerst: Unsere Demokratie spiegelt sich in vielen Facetten im Jugendroman wieder, auch wenn kein/e Autor/in das beabsichtigt hat.

Als Untersuchungsgegenstand wählte ich ausschließlich aktuelle Jugendromane aus diesem Jahr. Dann teilte ich die Bücher anteilig auf Männer und Frauen auf. Alle AutorInnen sollten in Deutschland aufgewachsen sein, damit es auch ein „gültiges“ Ergebnis geben konnte. Anschließend stellte sich die Frage nach einer möglichen Entwicklung der Demokratievorstellung. Also versuchte ich die AutorInnen aus möglichst vielen Jahrzehnten zu bekommen. Diese Aspekte zusammen gab der Markt nicht her. Erstaunlich viele ältere Autoren haben in diesem Jahr Bücher veröffentlicht. Hm!!!

Bei den Autorinnen klappte es mit etwas Sucherei recht gut und so sah meine Auswahl dann so aus:

1)Auserwählt           Patricia Schröder 1960

2)Asphaltspringer  Rusalka Reh 1970 Melbourne

3)Schattenschwingen  Tanja Heitmann 1975 Hannover

4)“Und im Zweifel für dich selbst”Elisabeth Rank 1984 Berlin

5)Sayuri  Carina Bargmann 1991 (Hannover?)

Für die Männer ging es nicht auf. Dort ist der Gesamtaltersabstand nur 16 Jahre.

1)Arkadien erwacht   Kai Meyer 1969

2)Echte Cowboys  Stephan Knösel 1970

3)Virag oder wenn die Welt verrutscht  Andreas Schendel 1971

4)Im Funkloch  Falko Löffler 1974

5)Ich, Elias   Luca Bloom 1975

Zu bemerken ist, dass Luca Bloom wohl eine Frau ist. Zumindest fand ich einen Link dazu. Es war zu dem Zeitpunkt, als ich das herausfand zu spät für einen Ersatz. Mir hat zum Schluss sogar die Stadtbücherei geholfen passende Autoren zu finden. Es gab keine.

All diese Bücher hätte ich mir zum Lesen nie herausgesucht und habe Schätze dabei gefunden: „Asphaltspringer“ von Rusalka Reh, „Im Funkloch“ von Falko Löffler sind meine Favoriten. Gut finde ich noch „Sayuri“ von Carina Bargmann und „Echte Cowboys“ von Stephan Knösel. „Arkadien erwacht“ war mein erster Meyer und das Lesen hat mir Spaß gemacht. Es flutscht halt.

Alle Bücher hatten Aspekte zum Thema Demokratie. Zum Beispiel findet man die Innenansichten, die Elisabeth Rank aufgeschrieben hat in Menschen wieder, denen das gesellschaftliche Leben nun aber auch gar nichts sagt. Andreas Schendel schreibt über Menschen die krank sind. Wobei die Grenze zwischen gesund und krank eben nicht klar ist. Wunderbar, wie er ausdrückt, dass man Menschen begleiten muss und nicht anpassen. Na, zu fast allen Büchern gibt es hier ja eigene Artikel.

Hervorheben möchte ich „Sayuri“ von Carina Bargmann. Frau Bargmann hat etwas neues in ihr Buch eingebaut. Die Jugendlichen, die sich gegen die Verschlechterung der Lebensbedingungen wehren, organisieren sich auf moderne Art. Sie treffen sich in ihren Vierteln, weil Vertrauenspersonen alle zusammenrufen. Und dann informieren sie sich gegenseitig. Nun gibt es keinen gemeinsamen Beschluss, den alle durchführen, sondern alle überlegen selbst, was sie in diesem Fall tun können und machen es dann. Es gibt Versuche, die fehlschlagen. Es gibt Leute, die lieber nichts machen. Viele Projekte klappen gut und sind so effektiv, weil die Leute etwas machen, was sie besonders gut können und selbst verantwortlich sind. Es hat etwas von einem flashmop. Und die Aktionen können von den Machthabern nicht vorhergesehen werden. Es gibt nicht die große, allmächtige Organisation, die einheitliche Beschlüsse durchführen lässt. Kleine bewegliche unterschiedliche Trupps sind unabhängig voneinander unterwegs. Klasse!

Wer mehr darüber wissen möchte, was ich herausfand, stöbere im Blog oder frage nach bei mir.

Susanne Janssen-Hänsel und Gretel

Diese Hausübung fiel mir bei der Prüfungsvorbereitung in die Hände.

Sie hat mir beim wiederholten Lesen doch noch gefallen und so pflanze ich sie in mein Blog.

Hänsel und Gretel von Susanne Janssen

Aus ganz eigenem Interesse heraus, wählte ich das Buch“ Hänsel und Gretel“ von Susanne Janssen, denn das Buch weckte in mir Zweifel, ob denn so ein Märchen dargestellt werden könne.

Das Volksmärchen, das die Gebrüder Grimm aufschrieben, ist eines der berühmten, großen Märchen. Allein das Wort Mär ist mit dem Wortstamm „berühmt“ und „groß“ verwandt. Und so enthält diese Mär alle typischen Bestandteile eines Märchens, die bedeutende Ängste und Fragen von Kindern und überhaupt allen Menschen bearbeiten und zu ihrer guten Lösung führen.

Seelische Erlebnisse(Ängste) und Weisheiten früherer Generationen werden in Symbolen dargestellt und durch Wunder allgemeinmenschliche Probleme gelöst. Dabei geschehen die Wunder wie selbstverständlich. In einem unbestimmten Schauplatz(großer Wald) werden Hänsel und Gretel wiederholt von den Eltern ausgesetzt, von der Hexe angelockt und durch die eigene Kraft befreit, was einen linearen und stereotypen Handlungsverlauf zeigt.(Kätzchen/Täubchen auf dem Dach) Neben der Hexe gibt es die mit ihr verknüpfte Stiefmutter, die eindeutig böse Charaktere sind. Während Hänsel und Gretel die guten Figuren darstellen. Die Figurenkonstellation ist also klar aufgeteilt. Die Sprache ist zwar ungewöhnlich für uns heute, doch sind die Sätze einfach im Aufbau und der Wortwahl. Was noch auffällt ist, dass es sich um ein Märchen mit in sich geschlossenem Weltbild handelt. So wie es ist, ist es und wird nicht in Frage gestellt.

Das von Frau Janssen dargestellte Märchen bietet eine neue Perspektive. Es wird nicht verniedlich und bunt aufgepeppt als Kinderleselernbuch angeboten, sondern als eine aus heutiger Sicht überarbeitete Fassung.

In der Fassung, die wir als Kinder vorgelesen bekamen, gab es kaum Bilder. Und wenn, dann zeigten sie Hänsel und Gretel auf dem Weg oder das Hexenhäuschen. Doch alles andere entwickelte sich im Kopf. Die Fassung von Frau Janssen bringt mit der Ausgabe als Bildermärchenbuch eine weitere Komponente in das Märchen hinein und spiegelt damit die moderne Zeit, in der wir viel mehr über das Sehen erleben. Dabei verändert sie einen klassischen Bestandteil des Märchens. Während im Grimmschen Volksmärchen die Handlung im Vordergrund steht, kommen durch die Darstellung der Kinder, der Eltern und der Hexe die Figuren zu einer aufgewerteten Bedeutung. Ja, sie gestaltet die Personen durch die Art der Technik gleich mit. So wird die Farbe Rot durch den Einschuss in den Hirsch auf dem ersten Bild gleich definiert als tödliche Gefahr. Sie erscheint natürlich bei der Hexe und bei der Stiefmutter und bei allerlei Getier im Wald und Wasser. Der Vater und die Stiefmutter sind hager und drücken die Not durch alle Körperteile greifbar aus. So ist die Nacktheit der Eltern stimmig. Sie haben nichts mehr. Das sie dadurch auf die falsche Lösung ihrer Probleme kommen, ist ein für alle Zeiten gültiger Aspekt. Die mangelnde Möglichkeit, sich dem anderen noch zuwenden zu können, spricht aus den Gesichtern aller.

Auf den ersten Seiten wird die Familie als Einleitung mit denkbar größten Buchstaben vorgestellt. Das unterstützt zum einen die Bedeutung der Personen in dieser Märchenfassung und hebt die

Bedeutung der Worte hervor. Das Märchen will uns „etwas sagen“. Es scheint unfassbar groß zu sein.

Überdimensionale Käfer/Schmetterlinge/ Ameisen/Blumen zieren den Text. Stoffe,  Fotoausschnitte, Malerei sind als gemeinsame Bestandteile der Bilder enthalten. Die Gesichter sind stark expressionistisch überzeichnet. All dies sind Ausdrucksformen unseres (und Ende des letzten) Jahrhunderts.

Und, um diesen Part zu beenden, ist das Versetzen des großen Waldes in die Großstadt eine Veränderung, die uns das Märchen wieder näher bringt, da ja eigentlich dort unsere heutigen Gefahren lauern.

So gesehen, gefällt mir diese Herangehensweise an das Märchen Hänsel und Gretel gut. Nichts von der Dramatik wird herausgenommen. Die Farbwahl (schwarz/Rot) unterstützt zusammen mit der Bildgestaltung die Aussagen des alten Textes. Die Unschuld der Kinder, die Unfähigkeit der Eltern in den Gesichtern und besonders den Augen auszudrücken, kommt unserer Sehweise entgegen. Meine anfängliche Zweifel sind einem Staunen gewichen und ich werde weiter auf den Bildern nach Unbekanntem suchen.

Falko Löffler- Im Funkloch-Buchbesprechung

by amazon

Dieses Buch kann ich allen Schulen empfehlen.

Die Geschichte läuft in zwei Strängen auf einen Zeitpunkt, das Ende zu und teilt sich so in kurze Kapitel auf, die man gut bewältigen kann. Eine Klassenfahrt wird aus Sicht von Samuel beschrieben.

Dann ist alles in Echtzeit und völlig nachvollziehbar.

Der Autor hat ein paar Fotos mitgebracht von der Recherche zu diesem Buch. Seine Internetseite dazu ist nett gemacht.

Es ist besonders gut für Jungen geeignet.

Es gibt eine kleine Liebesgeschichte. Die ist einfach normal und darum so schön. Nichts von dem Superhelden oder der Superfrau, nee, einfach zwei Teenies, die sich mögen. Mit soviel Abstand beschrieben, dass man es gut aushalten kann.

Der eigentliche Schwerpunkt ist die Beschreibung der Mitschüler und der Klassensituation, die Hilflosigkeit der Lehrer im Umgang mit einem höchst aggressiven Schüler, das Wegschauen aller Verantwortlicher. Doch nicht im Vorwurf. Die Situation entwickelt sich, alle reagieren genauso, wie es im Alltag auch wäre und trotzdem geht es gut aus.

Was bei einem Krimi mit „gut“ gemeint ist, verrate ich jetzt nicht.

Der eigentliche Krimi hat etwas von einem Frankfurt Krimi. Klar tobt es durch die Stadt, sehen wir etwas von der City. Wir erleben Lebensgefühl der jungen Leute und erfahren von deren Problemen, die ja doch die immergleichen in allen Zeiten sind. Doch der eigentliche Tatort ist in einem Funkloch, auf der Klassenfahrt, mitten im Wald.

Ich habe mich gedanklich mal in die eine, mal in die andere Richtung verrannt. Es ist nicht klischeehaft und dadurch auch nicht einfach auflösbar. Toll !!!!

Schattenschwingen-Buchbesprechung

Das Buch „Schattenschwingen“ von Tanja Heitmann habe ich gelesen, weil es von vielen gelesen wurde und ich mir ja die Frage stelle, wie sich unsere Demokratie im aktuellen Jugendroman widerspiegelt.

Das Lesen war harte Arbeit. Warum lesen dieses Buch so viele?

Wie andere RezensientInnen beschrieben, erinnert die Geschichte an die Biss-Romane. Die Schattenschwingen leben anfangs mit den Menschen zusammen und kommen dann mit mehr oder weniger Glück in die Sphäre. Dort ist ihr eigentliches zu Hause. Hä???? (Das ist hessisch und heißt: Wie bitte?)

Schattenschwingen können wie die Vampire mehr als Menschen und doch haben beide Welten ihr gutes. Gähn….

Wer Engelsgeschichten liebt, liegt da bestimmt richtig. Und im Krankenhaus liegend, könnte ich mir schon vorstellen,

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so etwas zu lesen. Es tut nicht weh und regt nicht auf.

Die Liebesgeschichte ist von einer wundersamen Bella/Mila geprägt. Da sich das Ganze ja auf drei Bücher erstreckt, müssen im ersten Band einige Dinge angelegt werden. Konflikte, Potentiale, Wege,….

Milas Mutter wird ganz witzig konstruiert. Überhaupt sind die Frauen aktiv und gestaltungsfreudig. Alle können irgendetwas und geben nicht auf. Das gefällt mir natürlich.

Gut und Böse kämpfen gegeneinander. Immer wieder wird man vorbereitet auf den Kampf den Sam, der Freund/Geliebte von Mila auf sich nehmen muss. Ab und zu kommen grünlich angehauchte Statements zu Politik oder Umweltschutz. Doch gleich zurückgenommen durch einen Kommentar wie zum Beispiel von Rufus, Milas Bruder.

Vielleicht ist das Ausagekräftigste eben, dass sich so viele am liebsten in eine Scheinwelt flüchten möchten und deshalb dieses Buch lesen? Lieber keine Stellung beziehen und so herrlich ungezwungen bleiben. Die einfache Formel Gut-Böse ist leicht zu verstehen und reicht wohl für das Gefühl aus, auf der richtigen Seite zu stehen.

Damit wäre es eines der Bücher, die eben jenen Teil der Bevölkerung ansprechen, die sich zumindest zwischendrin mal wegträumen müssen. Es bringt garantiert nichts voran.

Echte Cowboys von Stephan Knösel

Ja! Ja, der ist gut. Dieser Jugendroman enthält so viele Aspekte, dass ich ihn mit gutem Gewissen empfehlen kann. Gerade männlichen Lesemuffeln kann man ihn neben das Bett legen.

Herr Knösel hat einige Zeit in einer Videothek gearbeitet. Er hat seine Zeit wohl gut genutzt und die besten Szenen aus allen Filmen in einem neuen Zusammenhang in dieses Buch eingearbeitet. Hui, es ist alles andere als langweilig.

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Ich bin ja keine Krimiguckerin und Klischees finde ich auch oft doof. Doch in „Echte Cowboys“ sind sie nicht. Für mich zumindest gehen die angefangenen Szenen immer anders aus, als ich vorher denken mochte.

Es sind eigentlich Orte oder besser Drehorte, die sich in einem entwickeln. Die Nacht in Toms Elternhaus oder die Bergdorfhütte von Nathalies Großmutter, die Schule, die Eisdiele, das Heim,… An diesen Orten und in Echtzeit verbinden sich die Geschichten der drei „lonesome cowboys“ miteinander.

Wir erfahren immer mehr über sie und können deren Entwicklung miterleben. Es ist kein pädagogischer Zeigefinger zu sehen. Die Situationen werden durch die Jugendlichen mit ihrem eigenen Wertesysteme gut bewältigt.

Zuerst einmal müssen die drei natürlich glaubhaft einsam werden. Dazu werden die Eltern nach und nach entfernt oder die Abwesenheit erklärt. Diese haben ohnehin mehr Probleme als ihre Kinder. Die Jugendlichen reagieren nachvollziehbarer und richtiger. Sie haben durch ihre Eltern tiefe Verletzungen erfahren. Die sich entwickelnde Freundschaft untereinander hilft ihnen, mit ihrem Leben besser klarzukommen. Doch das ist alles nicht übertrieben komponiert. Die Eltern haben keine gute Position in diesem Buch. Das allein zu dem Zweck, die Jugendlichen hervorzuheben. Und dann darf es, in einer erdachten Story wie dieser, auch mal sein. Wenn ich die Lage der Eltern heute auch als definitiv schwierig ansehe.

Einzig Cosmo kommt mir stellenweise wie ein Held vor. Er kann nicht gut schwimmen. Das ist aber auch schon alles. Was der hinbekommt!! Und mutig ist er, doll!

Ha, es werden Kondome verwendet. Das ist absolut hervorzuheben. Sie mit einzubauen, ohne das es doof wird, ist ja immer noch selten. Hier ist es gelungen.

Am Ende gibt es einen dramatischen Höhepunkt. Da ist in der Geschichte eigentlich schon alles klar. Es kommt zu einer gefährlichen Situation, die aus drei Freunden nur noch zwei macht und doch für alle zu einer Lebensverbesserung führt. Ich sehe es eher als filmischen Schluss. Dieses Buch wird garantiert verfilmt.

Virag oder wenn die Welt verrutscht

Oops- was war das denn? Ehe ich irgendetwas begriffen habe, ist das Buch schon zu Ende. Was war das? Was sollte ich denn hier erleben?

Erst bei der Lektüre der Rezensionen, die alle am Ende hier verlinkt sind, verstehe ich mehr. Jeder einzelne Satz ist wichtig. Die Aussagen und Gedanken von Virag sind das, was wichtig ist. Dabei erzählt der Erzähler über Virag und nicht sie über ihre Gedanken. Das schafft und erhält eine Draufsicht und Distanz zu ihr. Ganz sanft sind die Sätze. Unspektakulär ist, was sie erlebt.

Sie verhält sich komisch. Das fiel mir aber gar nicht so auf, denn ich kenne viele Kinder, die auch „so“ reagieren. Ich fand’s nicht dramatisch. Und trotzdem landet Virag (mit 11 Jahren) in einer Kinderklinik.

Ihre Eltern haben handfeste Probleme und dadurch eine anhaltende Ehekrise. Trotzdem sind beide noch da und kümmern sich um ihre Tochter. Und doch wird Virag in dieser Situation so krank, dass sie dem normalen Alltag nicht gewachsen ist. Mehr noch- ihre Welt verrutscht.

von Andreas Schendel

Sie kommt wieder in die Klinik und bleibt dort. Was sie genau hat, wird ihr nicht gesagt und das löst zusätzliche Ängste aus. Ich kann auch nicht verstehen, warum ihr keiner was sagt. So ohne Anhaltspunkte leben zu müssen. Wie in einem Warteraum ohne Ausgang. Immer wieder suche ich nach Andeutungen über ihre Erkrankung. Da ist nichts. Jedenfalls nicht für Laien.

Vielleicht soll das ja gar nicht im Mittelpunkt stehen. Es geht um die psychischen Erkrankungen an sich, die Kinder heute mehr und mehr bekommen? In ihrem Zimmer ist ein anderes Mädchen mit einer ganz bekannten Erkrankung. Ihr „Fall“ ist absolut eindeutig. Weitere Patienten, denen Virag dort begegnet, haben nachvollziehbarere „Gründe“ warum sie einfach nicht mehr normal sein können. Doch gerade über die Hauptperson erfahre ich nichts klareres. In den Rezensionen wird erklärt, dass Virag beim Versuch die Ehe der Eltern und ihr Bild von einer heilen Umwelt zu retten, scheitert. Gut, kann ich einsehen. Doch mir ist das beim Lesen nicht klar geworden.

Gut gefallen hat mir, dass Virag von ihren Eltern ernst genommen wird. Sie vertuschen nichts. Sie klagen sie nicht an. Sie versuchen Hilfe zu beschaffen. Erfahren sie, dass Virag auch ihretwegen krank wurde? Könnte das ihr Leben ändern? Darauf ist der Fokus nicht gerichtet. Es geht um Virag und wie sie selber versuchen kann, ihrer Welt feste Punkte zu geben. Ein Punkt ist die wohltuende Ordnung des Ablaufes innerhalb der Station.

Die Grenze zwischen krank und gesund ist fließend. Das wird in diesem Buch ganz deutlich.

Wären wir doch nur schon alle soweit den Kindern bei ihren Problemen zur Seite zu stehen, anstatt sie nur anzupassen.

Hier kommen die lesenswerten Links:

Ulf Cronenberg– ein Interview mit dem Autor Andreas Schendel im DLF– die FAZ– und ungarische Literatur in deutscher Sprache

Genau, da fällt mir noch ein, dass Virag eine ungarische Mutter hat. Sie wächst zweisprachig auf und erlebt dies als Bereicherung. Ein wunderbarer Aspekt.