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Hass

Ein Junge (13 Jahre alt) wird auch im nächsten Schuljahr in meine Leseförderung kommen. Er ist voller Hass. Auf seine Mutter und auf wen noch? Wir haben schon eine Familienbetreuung und einen Psychologen, die der Alleinerziehenden bei ihren zwei Kindern hilft. Dazu kommt eine Migration aus Polen. Da sind also verschiedene Aspekte gefragt. Er selber versucht, die negativen Erlebnisse und seine Vermutung über die Ablehnung seiner Person immer wieder herzustellen. In unserer Schule ist er jetzt zum Glück 1,5 Jahre am Stück und wir möchten das auch gerne so durchziehen, obwohl er immer wieder provoziert, dass er wieder vor dem persönlichen „Aus“ steht und in einen andere Schule muss.

Neben der Notwendigkeit besser Deutsch zu lernen, ist die Auswahl von Texten in diesem Fall besonders diffizil. Er interessiert sich für Waffen. Doch da haben wir nichts und ich möchte das auch nicht vertiefen. Doch das Thema Hass auf zu greifen, könnte richtig sein.

Nun suche ich nach der richtigen Literatur.

Ich schwanke so. Zum einen möchte ich ihm ermöglichen, bei uns in der BiB eine gute Zeit zu erleben und etwas zu lernen. Auf der anderen Seite, lässt er nichts wirklich an sich heran und so  wird er sich nicht öffnen, wenn ich nicht Texte anbiete, die ihm zumindest immer wieder mal gefallen. Stellt euch einen menschlichen Eisschrank vor. So zu ist der. Und es kommen nur subtil provozierende Sprüche. Dazu eine starke Problematik in der Rechtschreibung und zu wenig Übung im Lesen. PUH!!!!!

Vielleicht wäre es auch gut, etwas zu lesen, wo Freundschaft und Durchhalten im Mittelpunkt steht?

Was meint ihr?

Klare Sache

Es geht wirklich nicht anders, als dass ich mir im Tun die „tools“ aneigne. Wäre also die Frage zu klären, worüber ich schreiben möchte. Und da liegt das Eigene so nah.

Klar, das ist die Leseförderung, der ich mich verschrieben habe. Ich möchte sie gerne abgrenzen zur Lesemotivation. Leseförderung, so wie wir sie in unserer Schule anbieten, geht schon in die Literaturtherapie. Lesemotivation ist die überall bekannte Leseförderung. Sie geht davon aus, dass viel Lesen gute Leser „erzeugt“. Was für gute LeserInnen auch stimmt. Schlechte LeserInnen haben da keine Chance. Sie frustriert das. Wer nicht lesen kann und sieht sich immer wieder als Verlierer in diesem Punkt, wird nicht losspringen und sich ein Buch schnappen nur weil das angeordnet wird.

Für diese Menschlein sind wir dann da. Wie kann ich die Fertigkeit des Lesens und Verstehens eines Textes denn erlernen, wenn es all die Jahre nicht geklappt hat?

Oft liegt eine so komplexe Vermischung der Gründe vor, dass im normalen Unterricht keine Fortschritte erzielt werden können. Ganz individuelle „Probleme“ sperren den Vorgang.

Und dann sitzen die Kinder irgendwann einmal in unserer Bibliothek und wir fangen ganz einfach an. Das Wichtigste, das entsteht, ist die persönliche Beziehung zum Kind. Mit der beginnt der Weg durch die Texte.

Und da sind wir wieder am Anfang. Die Beziehung untereinander ist eben entscheidend.

Klare Sache.