Posts Tagged ‘Lesemotivation’

Ein iPad-Selbstversuch als Testleserin


Eine meiner Tageszeitungen, die FNP möchte für sich klären, ob sie in den Markt einsteigen soll, der sich durch die Einfùhrung des iPads entwickelt hat. In Frankfurt werden ca 12 Prozent der Zugriffe auf das Internet von einem iPad gemacht. Entsteht da ein Markt, den die örtliche Presse nicht verschlafen darf?
Die Frankfurter Neue Presse jedenfalls hat sich diesen Test etwas kosten lassen. Wir als TestleserInnen werden betreut und bekommen die nagelneuen iPads der neusten Ausgabe zur Verfügung gestellt bei lediglich sechs Umfragen in drei Monaten. Alles sehr benutzerfreundlich angelegt.
Dabei sind sich die „Zeitungsmacher“gar nicht sicher, wie dieses Experiment ausgehen wird und ob es diese App wirklich einmal geben wird.
Kaum war ich zu Hause mit dem neuen „Spielzeug“, legte ich los. Es ist wirklich intuitiv zu bedienen. Fragen lassen sich durch rumprobieren klären. Wo sind die Umlaute versteckt und wie aktiviert man sie, zum Beispiel. Ein Prozentzeichen habe ich noch nicht entdeckt. Doch wird sich alles finden lassen. Kein langes Lesen von Handbüchern. Loslegen und versuchen-wie diesen Text-was denn alles geht.
Was ich jetzt schon sagen kann ist, das es sich anders liest in der Zeitung.
Ausgewählte Artikel erscheinen in etwas anderer Form auf dem Bildschirm und sind mehr im Fokus, weil allein auf dem Bildschirm. Womöglich verändert es die Sichtweise auf die Zeitung, weil die Artikel herausgehoben werden. Spielerisches Herangehen fällt mir dazu ein. Man wird belohnt durch das Anklicken des Artikels und er öffnet sich einem in neuer Weise. Ich werde beobachten, was das mit mir macht und ob ich das so gut finde.
Gut fand ich natürlich, dass ich aus über 1100 Bewerbern ausgewählt wurde. Überhaupt waren viele nette Menschen in der Testgruppe.
Leider frisst dieses neue Gerät am Anfang viel Zeit. Noch gebe ich sie gerne. Sicher bin ich mir nicht, ob ich ein iPad wirklich in meinen Alltag integrieren möchte. Dazu dient dieser Test aus meiner Sicht.

Mal eine Lyrikmail gefällig?

Lyrikmail hat leider sein Ende gefunden. Die Links führen zu den alten Veröffentlichungen. (25.4.2012)

Lyrikmail macht eine Pause. Wann es weitergeht ist nicht genau klar.- 18. 7. 2011

Ich habe mich seit einiger Zeit zu diesem Abo entschlossen, das (nichts kostet und) mir jeden Tag irgendein Gedicht auf den Bildschirm zaubert. Viele sind nicht so dolle. Doch ist das ja konsumentenabhängig, gell. Ich kann Goethe nicht mehr ausstehen, seit ich weiß, wie er mit seinen Frauen und deren Dichtung umging. Auch Thomas Mann käme mir nicht ins Haus. Doch kommt er zum Glück bei Lyrikmail nicht vor.

Doch ab und zu ist etwas interessantes dabei. Das hier zum Beispiel sagt mir was:

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Lyrikmail Nr. 2376  01.03.2011
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update

im märz schließen wir den winter
mit der steckdose kurz

fahren die sonne hoch
melden wärme an

ihr passwort ist „mai“

dann sitzen wir am schirm
vor dem café

laden blicke herunter
die kniekehlchen singen

Andreas Noga (*1968)

* der Autor……………………………………
geboren 1968 in Koblenz, lebt seit 1999 in Alsbach (Westerwald).
Lyrikredakteur der Zeitschrift „Federwelt“. Freier Mitarbeiter der
Lyrikzeitschrift „Faltblatt“. Schreibt Lyrik, Rezensionen, Essays
und Kurzprosa. Rezitation von klassischen und eigenen Gedichten in
szenischen Lesungen. Zahlreiche Veröffentlichungen in Kalendern,
Zeitungen, Zeitschriften, Anthologien, im Internet und im Radio.
Mitglied im „Bundesverband junger Autorinnen und Autoren (BVjA)“.
Beisitzer im VS-Landesvorstand Rheinland-Pfalz. Fünf Gedichtbände:
„Hinter den Schläfen“, edition bauwagen, Itzehoe 2000, „Nacht Schicht“,
Edition YE, Sistig / Eifel 2004, Bernsteinäugiges Fellchen“,
Rhein-Mosel-Verlag, Zell / Mosel 2007, „Orakelraum“ und „Lücken
im Lärm“, Silver Horse Edition, Marklkofen 2008 + 2010. Im
vergangenen Jahr erhielt Noga den Kunstpreis von Lotto Rheinland-Pfalz.
http://www.poetenladen.de/andreas-noga.htm
http://www.mainzer-kulturtelefon.de/2006/andreas-noga/

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* Impressum ……………………………………….

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Wie spiegelt sich unsere Demokratie im aktuellen Jugendroman wieder?

Heute war das Abschlussgespräch für meinen Fernkurs in der Stube.

Ziemlich genau zwei Jahre sind nun vorbei, in denen ich eine zeitlang über den unterschiedlichsten Texten gesessen habe. Angeregt durch die Skripte kam ich durch Recherche zu Primär- und Sekundärliteratur, die so nach und nach durch gelesen werden wollte. Es gibt eine Menge an Links, die ich unbedingt noch einmal ansehen wollte und wohl nie mehr ansehen werde. Dabei bin ich auf wertvolle Quellen gestoßen, die mir auch zukünftig helfen werden, Fragen zu beantworten. Ich kann jetzt AutorInnen unterscheiden und mir ein Bild machen von dem was aktuell auf dem Markt angeboten wird. Als letzte Prüfungsvorbereitung diskutierte ich auf der Buchmesse mit den unterschiedlichsten Verlegern. Über Flattersatz oder farbigen Hintergrund, Buchvermarktung und die Entwicklung von Krimis. 🙂

Meine Vorbereitung auf das Abschlussgespräch hatte ich mir klar gegliedert und auch genauso durchgeführt. Oh Wunder! Dabei merkte ich zwar, dass nicht jeder Begriff saß, doch es war eine Ursuppe entstanden. Damit fühlte ich mich recht sicher auf die möglichen Fragen eingehen zu können. So ist es auch gekommen. Die Frage, die ich nur mehr so ungefähr behalten habe war: Sie haben Artemis Fowl und ShaunTan ausgewählt in der Leseliste. Beide haben Phantastisches. Wie schätzen Sie das ein?

Uff!!!

Ich hatte das so noch nie betrachtet. Und dann fiel mir zu beiden Büchern so viel ein, dass es vielleicht nicht im ersten Satz beantwortet werden konnte, doch klar wurde, dass mir dazu etwas einfallen würde.

Das von mir selbst gewählte Thema hieß: Wie spiegelt sich unsere Demokratie im aktuellen Jugendroman wieder?

Es war als Idee einfach da. Woher nun dieser Gedanke kam, weiß ich nicht. Wenn man Stuttgart 21 ansieht, dann lag die Demokratiefrage vielleicht in der Luft.

Das Fazit zuerst: Unsere Demokratie spiegelt sich in vielen Facetten im Jugendroman wieder, auch wenn kein/e Autor/in das beabsichtigt hat.

Als Untersuchungsgegenstand wählte ich ausschließlich aktuelle Jugendromane aus diesem Jahr. Dann teilte ich die Bücher anteilig auf Männer und Frauen auf. Alle AutorInnen sollten in Deutschland aufgewachsen sein, damit es auch ein „gültiges“ Ergebnis geben konnte. Anschließend stellte sich die Frage nach einer möglichen Entwicklung der Demokratievorstellung. Also versuchte ich die AutorInnen aus möglichst vielen Jahrzehnten zu bekommen. Diese Aspekte zusammen gab der Markt nicht her. Erstaunlich viele ältere Autoren haben in diesem Jahr Bücher veröffentlicht. Hm!!!

Bei den Autorinnen klappte es mit etwas Sucherei recht gut und so sah meine Auswahl dann so aus:

1)Auserwählt           Patricia Schröder 1960

2)Asphaltspringer  Rusalka Reh 1970 Melbourne

3)Schattenschwingen  Tanja Heitmann 1975 Hannover

4)“Und im Zweifel für dich selbst”Elisabeth Rank 1984 Berlin

5)Sayuri  Carina Bargmann 1991 (Hannover?)

Für die Männer ging es nicht auf. Dort ist der Gesamtaltersabstand nur 16 Jahre.

1)Arkadien erwacht   Kai Meyer 1969

2)Echte Cowboys  Stephan Knösel 1970

3)Virag oder wenn die Welt verrutscht  Andreas Schendel 1971

4)Im Funkloch  Falko Löffler 1974

5)Ich, Elias   Luca Bloom 1975

Zu bemerken ist, dass Luca Bloom wohl eine Frau ist. Zumindest fand ich einen Link dazu. Es war zu dem Zeitpunkt, als ich das herausfand zu spät für einen Ersatz. Mir hat zum Schluss sogar die Stadtbücherei geholfen passende Autoren zu finden. Es gab keine.

All diese Bücher hätte ich mir zum Lesen nie herausgesucht und habe Schätze dabei gefunden: „Asphaltspringer“ von Rusalka Reh, „Im Funkloch“ von Falko Löffler sind meine Favoriten. Gut finde ich noch „Sayuri“ von Carina Bargmann und „Echte Cowboys“ von Stephan Knösel. „Arkadien erwacht“ war mein erster Meyer und das Lesen hat mir Spaß gemacht. Es flutscht halt.

Alle Bücher hatten Aspekte zum Thema Demokratie. Zum Beispiel findet man die Innenansichten, die Elisabeth Rank aufgeschrieben hat in Menschen wieder, denen das gesellschaftliche Leben nun aber auch gar nichts sagt. Andreas Schendel schreibt über Menschen die krank sind. Wobei die Grenze zwischen gesund und krank eben nicht klar ist. Wunderbar, wie er ausdrückt, dass man Menschen begleiten muss und nicht anpassen. Na, zu fast allen Büchern gibt es hier ja eigene Artikel.

Hervorheben möchte ich „Sayuri“ von Carina Bargmann. Frau Bargmann hat etwas neues in ihr Buch eingebaut. Die Jugendlichen, die sich gegen die Verschlechterung der Lebensbedingungen wehren, organisieren sich auf moderne Art. Sie treffen sich in ihren Vierteln, weil Vertrauenspersonen alle zusammenrufen. Und dann informieren sie sich gegenseitig. Nun gibt es keinen gemeinsamen Beschluss, den alle durchführen, sondern alle überlegen selbst, was sie in diesem Fall tun können und machen es dann. Es gibt Versuche, die fehlschlagen. Es gibt Leute, die lieber nichts machen. Viele Projekte klappen gut und sind so effektiv, weil die Leute etwas machen, was sie besonders gut können und selbst verantwortlich sind. Es hat etwas von einem flashmop. Und die Aktionen können von den Machthabern nicht vorhergesehen werden. Es gibt nicht die große, allmächtige Organisation, die einheitliche Beschlüsse durchführen lässt. Kleine bewegliche unterschiedliche Trupps sind unabhängig voneinander unterwegs. Klasse!

Wer mehr darüber wissen möchte, was ich herausfand, stöbere im Blog oder frage nach bei mir.

Falko Löffler- Im Funkloch-Buchbesprechung

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Dieses Buch kann ich allen Schulen empfehlen.

Die Geschichte läuft in zwei Strängen auf einen Zeitpunkt, das Ende zu und teilt sich so in kurze Kapitel auf, die man gut bewältigen kann. Eine Klassenfahrt wird aus Sicht von Samuel beschrieben.

Dann ist alles in Echtzeit und völlig nachvollziehbar.

Der Autor hat ein paar Fotos mitgebracht von der Recherche zu diesem Buch. Seine Internetseite dazu ist nett gemacht.

Es ist besonders gut für Jungen geeignet.

Es gibt eine kleine Liebesgeschichte. Die ist einfach normal und darum so schön. Nichts von dem Superhelden oder der Superfrau, nee, einfach zwei Teenies, die sich mögen. Mit soviel Abstand beschrieben, dass man es gut aushalten kann.

Der eigentliche Schwerpunkt ist die Beschreibung der Mitschüler und der Klassensituation, die Hilflosigkeit der Lehrer im Umgang mit einem höchst aggressiven Schüler, das Wegschauen aller Verantwortlicher. Doch nicht im Vorwurf. Die Situation entwickelt sich, alle reagieren genauso, wie es im Alltag auch wäre und trotzdem geht es gut aus.

Was bei einem Krimi mit „gut“ gemeint ist, verrate ich jetzt nicht.

Der eigentliche Krimi hat etwas von einem Frankfurt Krimi. Klar tobt es durch die Stadt, sehen wir etwas von der City. Wir erleben Lebensgefühl der jungen Leute und erfahren von deren Problemen, die ja doch die immergleichen in allen Zeiten sind. Doch der eigentliche Tatort ist in einem Funkloch, auf der Klassenfahrt, mitten im Wald.

Ich habe mich gedanklich mal in die eine, mal in die andere Richtung verrannt. Es ist nicht klischeehaft und dadurch auch nicht einfach auflösbar. Toll !!!!

Echte Cowboys von Stephan Knösel

Ja! Ja, der ist gut. Dieser Jugendroman enthält so viele Aspekte, dass ich ihn mit gutem Gewissen empfehlen kann. Gerade männlichen Lesemuffeln kann man ihn neben das Bett legen.

Herr Knösel hat einige Zeit in einer Videothek gearbeitet. Er hat seine Zeit wohl gut genutzt und die besten Szenen aus allen Filmen in einem neuen Zusammenhang in dieses Buch eingearbeitet. Hui, es ist alles andere als langweilig.

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Ich bin ja keine Krimiguckerin und Klischees finde ich auch oft doof. Doch in „Echte Cowboys“ sind sie nicht. Für mich zumindest gehen die angefangenen Szenen immer anders aus, als ich vorher denken mochte.

Es sind eigentlich Orte oder besser Drehorte, die sich in einem entwickeln. Die Nacht in Toms Elternhaus oder die Bergdorfhütte von Nathalies Großmutter, die Schule, die Eisdiele, das Heim,… An diesen Orten und in Echtzeit verbinden sich die Geschichten der drei „lonesome cowboys“ miteinander.

Wir erfahren immer mehr über sie und können deren Entwicklung miterleben. Es ist kein pädagogischer Zeigefinger zu sehen. Die Situationen werden durch die Jugendlichen mit ihrem eigenen Wertesysteme gut bewältigt.

Zuerst einmal müssen die drei natürlich glaubhaft einsam werden. Dazu werden die Eltern nach und nach entfernt oder die Abwesenheit erklärt. Diese haben ohnehin mehr Probleme als ihre Kinder. Die Jugendlichen reagieren nachvollziehbarer und richtiger. Sie haben durch ihre Eltern tiefe Verletzungen erfahren. Die sich entwickelnde Freundschaft untereinander hilft ihnen, mit ihrem Leben besser klarzukommen. Doch das ist alles nicht übertrieben komponiert. Die Eltern haben keine gute Position in diesem Buch. Das allein zu dem Zweck, die Jugendlichen hervorzuheben. Und dann darf es, in einer erdachten Story wie dieser, auch mal sein. Wenn ich die Lage der Eltern heute auch als definitiv schwierig ansehe.

Einzig Cosmo kommt mir stellenweise wie ein Held vor. Er kann nicht gut schwimmen. Das ist aber auch schon alles. Was der hinbekommt!! Und mutig ist er, doll!

Ha, es werden Kondome verwendet. Das ist absolut hervorzuheben. Sie mit einzubauen, ohne das es doof wird, ist ja immer noch selten. Hier ist es gelungen.

Am Ende gibt es einen dramatischen Höhepunkt. Da ist in der Geschichte eigentlich schon alles klar. Es kommt zu einer gefährlichen Situation, die aus drei Freunden nur noch zwei macht und doch für alle zu einer Lebensverbesserung führt. Ich sehe es eher als filmischen Schluss. Dieses Buch wird garantiert verfilmt.

„Arkadien erwacht“ von Kai Meyer

by amazon

Was für ein vergnüglicher Spaß.

Angefangen und nicht mehr losgelassen habe ich die gut lesbaren 400 Seiten an einem Nachmittag verschlungen. Alles, was gut ist an Fantasy-Ideen, findet man in diesem sizilianischen Mafia-Roman wieder. Und das verknüpft mit dem heutigen Leben und meistens in Sizilien. Zwischendrin fand ich es etwas zuviel, was da alles angesprochen und reingepackt wurde. Zwischenmenschliche Probleme wie Eifersucht oder Mißgunst, Rosas Frage zu Abtreibung, Mafia-Strukturen, Auswirkungen der organisierten Kriminalität, Überwachung durch die Polizei und natürlich Liebe. Nebenbei lernen wir noch Siziliens antike Schätze kennen.Uff !!

Am Anfang hat mir die Vorstellung von Rosa einfach nur gefallen. So schräg drauf, aggressiv und kompromisslos und hält sich auch noch selber aus. Sehr interessant. Die Idee mit dem Tacker als private Waffe ist doch genial. Und der eine oder andere gelungene Dialog ist mit dabei. Für mich war das eine spannende Figur. Am Ende des Buches, das wohl den ersten Band darstellt, ist sie schon angepasster. Kein Wunder, wenn man die Geschichte „erlebt“ hat die Rosa erlebt. Einzig der Name ist für mich nicht stimmig. Ich sehe da gar keine Rosa.

Zu Rosa gehört als Romeo der Allesandro. Zwei verfeindete Clans sind die Familien und die beiden wichtigsten Kinder verlieben sich in einander. Wir erleben sie in Echtzeit heute. Das heißt mit Handy und Flugzeug und dem Web 2.0. Da es Sizilien ist, kommt natürlich die Natur nicht zu kurz. Kann es sein, dass Herr Meyer dort oft Urlaub macht? Zumindest war er öfter dort und das ist keinem zu verdenken. Sizilien lobt er zu recht. Wir erfahren etwas und nicht zuviel über die Bedeutung dieser Insel, als wir noch mit dem Holzknüppel durch den Wald gestreift sind.

Es ist eher ein All-Ages Roman als ein klares Jugendbuch. So sind auch die Reaktionen der LeserInnen in ihren Rezensionen zu verstehen. Bemängelt wird, dass es zu leichte Kost ist und nicht alles wirklich schlüssig. Na gut, dafür macht es einfach beim Lesen Spaß. Trotz der wirklich vielen Toten, die  ich in einem Jugendroman nicht erwartet hätte. In einem Mafia-Roman ist es stimmiger. „Arkadien erwacht“ ist beides. Den zweiten Band werde ich auch lesen. 🙂

Lesepraxis: Beratung, Begleitung, Vermittlung

Kreuzgang St.Peter im Dom in Trier

Hach, endlich was neues.

Irgendwie war gar nichts spruchreif in der letzten Zeit. Es wollten sich keine Buchstaben zu einem sinnvollen Text aneinanderreihen. Doch nun ist diese Phase übersprungen und ich habe eine neue Idee.

Im Rahmen eines Angebotes einer Arbeit musste ich mir überlegen ob ich das als Minijob oder als Freiberufliche machen möchte. Und auf dem Weg zu einer Entscheidung fiel uns ein Titel ein, den ich für die Steuernummer und meine Visitenkarte verwenden könnte.

>>Lesepraxis: Beratung, Begleitung, Vermittlung<<

Sagt euch das was? Passt das zu mir?

Es nimmt die Tätigkeit auf, die ich demnächst ausführen werde und ist offen genug für anderes. Nun bin ich mal auf eure Meinungen gespannt. Man selber ist ja oft betriebsblind.

Mir gibt es neuen Schwung. Es verspricht nichts, was ich nicht auch leisten könnte und bringt es auf den Punkt.

Asphaltspringer

by Amazon

Gar nicht leicht zu sagen, was einem hier alles begegnet. Das Famose ist, dass man vieles auch zu Ende denken muss. Manches ist nicht ausformuliert. Es liegt in der Luft. Durch das Mitdenken wird man so einbezogen und direkt beteiligt, dass mich das Lesen dieses Buches aktiviert hat.

Und noch etwas merkwürdiges ist mir geschehen. Ich bekam eine Ahnung davon, wie die Geschichte wohl weiter gehen könnte und war echt genervt. Denn das war ein hartes Thema, mit dem ich mich eigentlich gar nicht konfrontieren wollte. Doch während ich das Buch wieder in die Hände nahm und weiterlas, veränderte sich das Erwartete in Unerwartetes. Trotz der unangenehmen Problematik wollte ich ohne Unterbrechung weiterlesen. Es entstand ein spannender Prozess, der sich bis zum Schluss weiterentwickelte. Schwerpunkte waren die Thematik des Romanes und der Charakter des Ich-Erzählers Dipper. Ich erzähle jetzt nichts.

Mir fiel immer wieder der Roman von Luca Bloom ein: Ich, Eias. Auch dort gibt es Jugendsprache, Sex und Alkohol. Doch Frau Reh hat das soviel einfacher und glaubwürdiger konstruiert. Die Sprache wird selber Thema, wenn Dipper reflektiert, was jeder von ihnen so sagt, wenn er redet. Ich sehe die Verwendung von Jugendsprache in diesem Buch nicht als Anbiederung und kann gar nicht erklären warum. Sie richtet sich auch nicht gegen irgendwelche Gruppen der Gesellschaft oder diskriminiert.

Es ist auch immer zu hinterfragen, wie eine Frau sich in einen jungen Mann hineinversetzen können soll oder ein Autor in eine Frau. Da möchte ich jetzt nicht weiter drauf eingehen. Dipper ist ein junger Mann aus einfachstem Milieu. Seine Freunde leben anders. Das ergibt ein ganz großartiges Nebeneinander von Szenarien. Es geht keinem wirklich gut. Jeder hat sein großes oder sehr großes Päckchen zu tragen. Und diese Päckchen gibt es eben wirklich. Dann spielt alles in einer Großstadt. Dort treffen sich die jungen Leute zum Parkour. Wenn ich es richtig verstanden habe, sehen sie die Bauten einer Stadt nicht als Einrichtung mit fester Nutzung, sondern als Herausforderung, diese in ihre Wege mit einzubauen. Dazu benötigen sie Kraft und Geschicklichkeit und Wachsein. Sie trainieren ausdauernd ihren Körper und ihren Geist, um die „Figuren“ des Parkours wirklich zu beherrschen. Dabei übertreten sie die Grenzen des Normalnutzers. Und es ist durchaus gefährlich, wenn sie ihre Kraft falsch einschätzen.

Für mein Thema „Demokratie“ ist zu einem spannend, wie diese Gruppe ohne sich ständig mit dem Status der anderen zu vergleichen klar kommt. Ja, die Ansagerei, das Bestimmen von Jay oder Corone sind für Dipper eine Frage. Und weil er an der ersten Liebe und seinen Fragen wächst -wieder im Gegensatz zu „Elias“-kann man dieses Buch als Entwicklungsroman bezeichnen.

Ich finde Städte ja klasse. Sie bieten immer noch mehr Möglichkeiten als das Land. Wenn wir sie etwas menschenfreundlicher bauen, dann wird ihr Nutzen deutlicher werden.

Zum anderen ist die Frage ungelöst, wie der Staat mit Gegnern des Staates umgeht. Durch einen Zufall, den es eben auch gibt (Da fällt mir die Frau ein, die ihr Rad an der Frankfurter Uni vorbeischob, als die Polizei gerade die Mensa räumte.), kommen die jungen Leute in Konflikt mit der Polizei. Die aus einem ganz anderen Grund ihnen gegenüber Vorurteile hat. Es ergeben sich blitzschnell Verwicklungen, die keine vernünftige Auseinandersetzung mehr zulassen. Auf einmal ist die Staatsmacht mit im Spiel. Und die Polizisten haben ihrerseits Angst. Da geht dann nichts mehr. Für einige der neuen „Stadtguerillas“ist das ein Thema. Egal ob sie verboten Blumen pflanzen oder Schilder um malen. (Stopp war)

Ich kann es nur empfehlen. Was für ein Buch!

Ich, Elias von Luca Bloom

Wenn ich mir die Rezensionen durchlese, die Jugendliche zu diesem Buch geschrieben haben, dann sind doch einige LeserInnen sehr zufrieden und ich sehe mich wieder eher am Rand stehen. Nach den ersten 30 Seiten wollte ich das Buch weglegen. Die Art und Weise, wie über Mädchen geredet und gedacht wird, hat mich sehr angestrengt.

Zum Glück sah ich in meinem Frust noch einmal nach den Rezensionen. Und hätte Ulf Cronenberg nicht eher begeistert über das Buch geschrieben, wäre es das Ende gewesen.

Doch durch die Beschreibung gab ich Herrn Bloom, der eine Frau ist noch eine Chance. Und wirklich: Ab der Mitte werden andere Worte benutzt, kommt wirkliche „Liebe“ und damit ein Wandel in der Ausdrucksweise hinein. So wie Elias innerlich in diese Liebe wächst, wächst auch dieser Roman und verbessert sich die Glaubwürdigkeit der verwendeten Sprache.

Am Anfang ist es kaum zu ertragen, wie mies sich Elias selber beurteilt. Auch die Beziehungen, die er führt sind absolut unbefriedigend. Nichts ist da, was ihn groß werden lässt. Dazu die abwertenden Bezeichnungen für Frauen wie „Sportlesbe“ für die in einer Frauen-WG lebenden Sportlehrerin. Nee!! Das fand ich zu dick aufgetragen vom Autor. Das mag ich auch nicht.

Der dramatische Höhepunkt ist das Zusammengeschlagenwerden durch einen ihm unbekannten Mann. Elias war von einer etwas älteren Frau verführt worden -also zwei Menschen möchten zusammen Sex erleben – und ihr Mann rächt sich an Elias dafür.(HÄ?) In der Öffentlichkeit wird Elias brutalst zusammengeschlagen und getreten. Niemand hilft. So ein Erlebnis löst bei den Opfern traumatische Erfahrungen aus an deren Folgen sie lange leiden.

Nicht so Elias. Er sagt auch noch, dass ihm das zu Recht geschehen wäre. (!!!!!!)

 

Wenn ich aus meinem Blickwinkel: „Wie spiegelt sich die Demokratie im aktuellen Jugendroman wider“ auf dieses Buch schaue, dann sieht es ganz mau aus. Alle Personen werden nicht ernst genommen, abgewertet. Das Ende lässt Elias zurück in einer Trauer, aus der man ihn nicht wachsen sehen kann. Ich verstehe den Wunsch von LeserInnen nach einem zweiten Teil. Was ist denn mit Elias geschehen? Das alles fehlt. Na klar kann man Bücher schreiben, die eine bestimmte Situation beschreiben und wie man sich darin fühlt. Für die positive Weiterentwicklung, hin zu einer besseren Welt dient dieser Roman nicht. Da ist nichts in den Charakteren, nichts in der Story, was man mitnimmt. Es ist eher wie eine Cola. Trinken und fertig.

Würde unsere Gesellschaft das Prinzip der unversehrten Intersubjektivität(*) achten und wir uns alle als gleichwertig anerkennen, dann gäbe es diesen Roman nicht. Insofern sagt er schon etwas über unsere „Demokratie“ aus.

 

 

(*) Verena Kast: Vom Sinn des Ärgers

Seite 205

Tamara Bach: „Jetzt ist hier“

Meine erste richtige Rezension und dann noch von einer Rezension! So war die Aufgabe diesmal im Rahmen der Stube. „Schreiben Sie eine Rezension einer Rezension.“ Öh, hatte ich das schon jemals gemacht? Wie schreibt man eine Rezension. Nach meiner Suche im Netz kam nun folgendes heraus:

Ulf Cronenberg schrieb in seinem Jugendbuch-Blogarchiv diese Beurteilung. Und ich nun davon meine:

Inhaltlicher Überblick:

Mit einem Verweis auf den ersten Preis für das Buch erklärt der Autor, warum er diese Rezension geschrieben hat. Dann fasst er den Inhalt zusammen, indem er die vier Hauptcharaktere kurz in ihrem Hauptproblem skizziert. Er reißt die Vorstellung nur an und deutet mit drei Punkten an, dass es noch mehr zu sagen gäbe. Dann folgt seine Bewertung des Buches. Dabei geht er auf die Erzählweise, die Lebensbeschreibungen und die verwendete Sprache besonders ein. Sein Fazit bezieht sich auf die gelungene Darstellung des Lebensgefühls von Jugendlichen.

Kontextualisierung:

Herr Cronenberg ordnet das Buch nicht einer Gattung zu, doch schon bei der Beschreibung des Inhaltes erkennt man den Adoleszenzroman wieder. Die geistige- und soziokulturelle Umbruchphase steht im Mittelpunkt ist zentrales Handlungsmotiv. Alle vier haben nichts vor, hängen herum, beschreibt Herr Cronenberg die Situation. Alle vier haben nach der Woche, in der wir sie erleben dürfen eine Entwicklung vollzogen, die aber nicht in einer Lösungsvermittlung mündet.

Mit einer Leichtigkeit beschreibt Cronenberg die Jugendlichen. Da er selber viel mit Jugendlichen als Schulpsychologe arbeitet, stöhnt er bei der Verstricktheit der Jugendlichen in die Beziehungen untereinander und zur Familie nicht auf, sondern betont die Nähe zur Lebenswirklichkeit Jugendlicher. Sie sind sie miteinander befreundet. Nicht mehr und nicht weniger. Es wird keine Tiefe der Freundschaft angegeben. Sie wechselt ja auch. Er verurteilt auch niemanden. Zum Beispiel beschreibt er Zanker so, dass der/die LeserIn sich ein eigenes Bild von ihm machen kann. Es wird offen gelassen, ob Zanker so ist, wie sein Vater ihn beschreibt. Es gibt durch Herrn Cronenberg auch keine Gewichtung in den Problemen der Jugendlichen. Bowie, dessen Kummer und Trauer über den Tod der Mutter ihn stark gefangenhält, hat kein größeres, schwerwiegendes Problem als Mono und Fienchen mit ihrem Liebeskummer.

Um alle vier Hauptcharaktere verfolgen zu können und zwar möglichst zeitnah, wird zwischen den Charakteren ständig gewechselt.

Wir erleben die Vier von einer gleichbleibenden Perspektive, die wie eine Draufschau uns die Dialoge und Gedanken mitteilt. Auch von dort gibt es keine Bewertung der Charaktere. Diese Erzählweise fasziniert den Autor besonders. Denn er möchte den unterbrochenen Erzählstrang möglichst bald weiterverfolgen. Auch lernt man Bowie, Fienchen, Mono und Zanker dadurch doch so gut kennen, dass sie vertraut werden.

Ein Punkt, der diesen Prozess unterstützt, ist die verwendete Sprache. Herr Cronenberg beschreibt sie als assoziativ, „als würden die Gedanken aus den Köpfen in das Buch fließen.“

Damit drückt er aus, was Frau Bach besonders gelingt. Sie verwendet eine Ausdrucksweise, die der Jugendsprache zu zuordnen ist. Alle ihre Personen sprechen und denken so, dass ein schlüssiges Bild entsteht. Sie wirken nicht mit Jugendsprache überzogen oder schablonenhaft. Diese Sprache: Einwortsätze, Dialoge, Gedanken ist sehr geeignet, eine direkte Übertragung der Gefühle von der Person auf den/die LeserIn zu ermöglichen. Es ist durch diese Struktur der Texte ein neuer moderner Roman entstanden.

Eigene Stellungnahme:

Diese Rezension hat mir durch die Gelassenheit, die Herr Cronenberg dem Werk und den Problemen der jungen Menschen darin entgegenbringt, so gut gefallen. Andere RezensentInnen habe ihre Betroffenheit zu dem einen oder anderen Thema stärker eingebracht. Das entspricht meiner Meinung nach nicht der Intention Frau Bachs.

Ein Punkt, den er völlig außer Acht lässt, ist die Intermedialität. Musik und Film sind im Alltag der Jugendlichen im Buch wie in der Realität Normalität. Vielleicht betont er es deshalb nicht. Im Jugendbuch ist die Verknüpfung zu allen Medien und deren Referenz ein Diskussionspunkt. In diesem Buch ist sicher kein Anlass zu der Vermutung gegeben, dass es sich um Anbiederung an die Jugend handelt. Es ist nicht der Anspruch Frau Bachs sich ihre Jugendlichkeit durch einen Jugendroman zu erhalten. Sie schreibt aus einer inneren Verbindung von Musik und Sprache, die ihre Begabung kennzeichnet. „Ich glaube tatsächlich, Sprache hat eine Melodie und jeder Autor hat vielleicht auch seine eigene Melodie oder seine eigene Tonart.“(Tamara Bach)

„Schreiben ist für mich nichts Bewusstes“

Tamara Bach im Gespräch mit Bernhard Rank und Gina Weinkauff