Ich, Elias von Luca Bloom

Wenn ich mir die Rezensionen durchlese, die Jugendliche zu diesem Buch geschrieben haben, dann sind doch einige LeserInnen sehr zufrieden und ich sehe mich wieder eher am Rand stehen. Nach den ersten 30 Seiten wollte ich das Buch weglegen. Die Art und Weise, wie über Mädchen geredet und gedacht wird, hat mich sehr angestrengt.

Zum Glück sah ich in meinem Frust noch einmal nach den Rezensionen. Und hätte Ulf Cronenberg nicht eher begeistert über das Buch geschrieben, wäre es das Ende gewesen.

Doch durch die Beschreibung gab ich Herrn Bloom, der eine Frau ist noch eine Chance. Und wirklich: Ab der Mitte werden andere Worte benutzt, kommt wirkliche „Liebe“ und damit ein Wandel in der Ausdrucksweise hinein. So wie Elias innerlich in diese Liebe wächst, wächst auch dieser Roman und verbessert sich die Glaubwürdigkeit der verwendeten Sprache.

Am Anfang ist es kaum zu ertragen, wie mies sich Elias selber beurteilt. Auch die Beziehungen, die er führt sind absolut unbefriedigend. Nichts ist da, was ihn groß werden lässt. Dazu die abwertenden Bezeichnungen für Frauen wie „Sportlesbe“ für die in einer Frauen-WG lebenden Sportlehrerin. Nee!! Das fand ich zu dick aufgetragen vom Autor. Das mag ich auch nicht.

Der dramatische Höhepunkt ist das Zusammengeschlagenwerden durch einen ihm unbekannten Mann. Elias war von einer etwas älteren Frau verführt worden -also zwei Menschen möchten zusammen Sex erleben – und ihr Mann rächt sich an Elias dafür.(HÄ?) In der Öffentlichkeit wird Elias brutalst zusammengeschlagen und getreten. Niemand hilft. So ein Erlebnis löst bei den Opfern traumatische Erfahrungen aus an deren Folgen sie lange leiden.

Nicht so Elias. Er sagt auch noch, dass ihm das zu Recht geschehen wäre. (!!!!!!)

 

Wenn ich aus meinem Blickwinkel: „Wie spiegelt sich die Demokratie im aktuellen Jugendroman wider“ auf dieses Buch schaue, dann sieht es ganz mau aus. Alle Personen werden nicht ernst genommen, abgewertet. Das Ende lässt Elias zurück in einer Trauer, aus der man ihn nicht wachsen sehen kann. Ich verstehe den Wunsch von LeserInnen nach einem zweiten Teil. Was ist denn mit Elias geschehen? Das alles fehlt. Na klar kann man Bücher schreiben, die eine bestimmte Situation beschreiben und wie man sich darin fühlt. Für die positive Weiterentwicklung, hin zu einer besseren Welt dient dieser Roman nicht. Da ist nichts in den Charakteren, nichts in der Story, was man mitnimmt. Es ist eher wie eine Cola. Trinken und fertig.

Würde unsere Gesellschaft das Prinzip der unversehrten Intersubjektivität(*) achten und wir uns alle als gleichwertig anerkennen, dann gäbe es diesen Roman nicht. Insofern sagt er schon etwas über unsere „Demokratie“ aus.

 

 

(*) Verena Kast: Vom Sinn des Ärgers

Seite 205

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