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Trauma

Ermutigt durch einige Gespräche mit meinen Mitmenschen schreibe ich heute zum Thema Trauma. (Definition auf der Seite des Institut- für-Traumabearbeitung.)

Da fühle ich mich gar nicht sattelfest. Und ich erhebe auch gar nicht den Anspruch etwas einmaliges auszusagen. Nein, es beschäftigt mich und darum ist es heute hier.

Über das Frankfurter „Traumainstitut“ kam ich auf dieses Thema in Verbindung mit Gedanken über die Familienvergangenheit. Da ich die Einzige bin, die da gerade darüber nachdenkt, stochere ich in einem Nebel herum. Denn was war, können die Betroffenen oft gar nicht erzählen. Und wie ich jetzt weiß, ist es manchmal nicht möglich. Da fehlen die Worte für das Erlebte. Das war mir neu. Ich dachte, wenn man drüber redet, dann hilft das. Es ist raus und andere können es mit dem/derjenigen teilen. Das muss nicht stimmen. Es kann besser sein, gestalterisch an das Thema heranzugehen oder auch gar nicht. Dann allerdings sind die Schäden sehr groß und die Gefahr, dass mögliche Kinder davon betroffen werden, ist groß. So war das in dem letzten Krieg hier in Deutschland. Viele Menschen sind völlig traumatisiert herumgelaufen und haben gearbeitet, um nicht zu denken. Es war ja auch positiv, alles wieder aufzubauen. Da niemals in der Gesellschaft kollektiv getrauert und losgelassen wurde, sind die „Schäden alle weitergegeben“ worden. An uns und an die nächste Generation. Das geschieht immer und immer wieder. In keinem Land wird kollektiv getrauert. Dabei ist das sehr wichtig, denn dann haben die Kinder und Enkel eine Chance befreiter zu leben.

Eines der drei Bücher von Sabine Bode

Sabine Bode ist eine der AutorInnen in Deutschland, die sehr gut zu lesende Bücher dazu schreibt. Auf ihrer Webseite kann man sich das anschauen. Es gibt weitere engagierte Mitmenschen, die an diesem Thema arbeiten.

Wenn der Einzelne trauert, dann ist das schon sehr gut. Doch erst, wenn die Gemeinschaft anerkennt, dass es furchtbar war und es einem „zu Recht“ schlecht geht, dann kann das was bewegen. In diesem Punkt werfe ich unserem Staat vor, dass er zu wenig tut und zu wenig getan hat. Mir ist klar, dass dieses „zu Recht“ schwer zu sagen ist in unserem Land. Wir haben eben nicht wirklich aufgearbeitet, was war.

Die große Demo in Dresden jetzt am 13.2. hat gezeigt, dass es nicht nur gegen die Nazis ging, sondern die Trauer nicht durch sie gestört werden sollte. Ich denke, es war ein wichtiger Tag für uns alle.

Schüttelrippe

Was wäre Stratford -upon-Avon ohne Shakespeare?  Die Besucher strömen zum Grab oder zu dem Haus oder einfach durch den Ort, um ein wenig diesem Schriftsteller näher zu kommen.

Wir natürlich auch! Und so gibt es dieses durch die Beine der vielen Besucher geschossene Foto von seinem Grab.

Shakesoeares Grab in der Kirche vor dem Altar

Im Park, der sich bald dem Parkplatz anschließt auf dem viele Fremde halten und in dem wirklich viel los ist, standen wir vor eindrucksvollen Bekannten aus Shakespeares Stücken.Es ist ein wenig wie in Weimar. Alles strahlt dort Goethe-hier Shakespeare aus. Der Ort ist für die vielen Touristen rausgeputzt und lebt zu einem Gutstück davon. Wir waren ja auch da. Doch hörten wir auch von einem Zweifel. War es überhaupt Shakespeare, der diese Stücke schrieb? Es gibt da eine ganz Gruppe von Interessierten, die sagen, nein. Er hat das nie geschrieben, sondern nur seinen Namen hergegeben. Da wacht der letzte Besucher wieder auf. Gibt es hier einen Betrug? Auf der Suche nach Belegen hierfür habe ich die Seite Neue-Akropolis gefunden. Ja, da kann man etwas zu diesem Thema finden.

Wer war W. S.?

Die Vermutung, dass William Shakespeare nicht William Shakespeares Werke geschrieben hat, gibt es schon fast so lange wie den Dichter selbst. Theorien über die Person hinter dem Werk gab es die verschiedensten, von Christopher Marlowe über Sir Francis Bacon bis zur Königin Elisabeth. Eine scheint sich jedoch nun immer mehr zu erhärten: Ein gewisser John Thomas Looney brachte im Jahre 1920 mit seinem Werk „Shakespeare Identified“ die Theorie auf, die sich mehr und mehr erhärtet, nämlich dass der Urheber von Shakespeares Werk Edward de Vere, 17. Earl of Oxford war. Es wird jedoch noch immer von vielen Literaturwissenschaftlern an der Version festgehalten, das Werk stamme aus der Feder eines Kaufmanns aus Stratford, der meist mit „Shaksper” unterschrieben hat. Interessant ist vor allem der Fanatismus und die oft ganz und gar nicht wissenschaftlich hervorgebrachten Anschuldigungen, mit denen sich die beiden Gruppen von Shakespeare-Kennern befehden, wobei sich die einen als Stratfordianer, die anderen als Oxfordianer bezeichnen.

Wie spannend! Ich wusste davon nichts vorher. Von daher hat sich dieser Besuch gelohnt. Und hat nicht auch Goethe das eine oder andere Gedicht einer seiner, am Ende immer verschmähten Musen zu verdanken? Wir halten gerne an erfolgreichen „Männern“ und Namen fest. Tausende werden noch nach Stratford pilgern und sich gut fühlen.

Was für eine Biographie-Hannah Ahrendt

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Hannah Ahrendt

Eine so interessante Biographie zu schreiben, ist nicht leicht.

Nebenbei fließen die Ereignisse aus dem Lebensumfeld oder der Zeitgeschichte von Hannah Ahrendt ein und verknüpfen sich zu einem Teil der Geschichte, die nun besser zu verstehen ist. Das Schöne ist auch, dass wir es aus einer anderen Perspektive wahrnehmen als gewöhnlich, denn Frau Ahrendt hat ja als Vertriebene und ganz knapp in Amerika Gelandete dort gelebt.

Der Aufbau Deutschlands oder die Entwicklung Israels, der Vietnamkrieg und die McCarthy-Ära aus amerikanischer Sicht, sind hier nur kurz aufgezählt, um den Gedanken mit Bildern auszumalen.

Wenn Hannah Ahrendt das Thema ist, dann ist Philosophie ein zwingender Bestandteil. Dazu hat sich Herr Dr. Alois Prinz mit den philosophischen Ansätzen der Beteiligten auseinandergesetzt. Ich bekomme beim Lesen die Grundgedanken von Heidegger, Jaspers, Ahrendt und Nebenfiguren dieses Lebens gut erklärt, verwoben mit der Entwicklung von Frau Ahrendt.

Nun keine Angst, Herr Dr. Prinz ist als Sohn eines Tischlers aufgewachsen und hatte keine Bücher, mit denen er groß wurde. Erst später konnte  er seinem Interesse zu lesen nachgehen. Was für uns wunderbar ist, denn er schreibt nicht, wie zu erwarten wäre bei diesem Thema in unverständlichen Sätzen. Meine Idee ist dazu, dass es ihm selber so wichtig war, dass er es unbedingt verstehen wollte. Und so kann er in klaren Sätzen die philosophischen Ansätze dem Leser wiedergeben. Ein Thema erwähnte er bei einem Vortrag, bei dem es über ein ganz anderes Buch von ihm ging (Petrus). Daher denke ich, dass ihn in der Auseinandersetzung mit Hannah Ahrendts Ideen, diese Gedanken selber sehr bewegt haben:

„Die Öffentlichkeit ist die Bühne, auf der Menschen hervortreten und sich mit <Lust> zeigen können. Im gegenseitigen Austausch eröffnet sich dann etwas, das mehr ist als die Summe der Einzelnen, ein <Zwischen>, das alle übersteigt und von dem her sie sich selbst und andere besser verstehen können. “

Gemeint ist nicht die Öffentlichkeit, die alles flach und platt macht im Durchschnitt, wie wir es leider gewohnt sind.

Die Fähigkeit, die gebraucht wird zu einer in der Öffentlichkeit ständigen Kommunikation, ist die Fähigkeit zur Popularität. Keine unverständliche Sprache, sondern der Wille sich mitzuteilen und anderen zu zuhören, Rede und Antwort zu geben und keinen auszuschließen.

Das ist heute immer noch Utopie. Verstecken sich doch viele hinter ihrer „Fachsprache“ oder (un-)gebildetem Ausdruck. Doch so etwas wie „social media“ (web2.0) kommt dem näher. 🙂

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Beruf Philosophin oder Die Liebe zur Welt- Die Lebensgeschichte der Hannah Ahrendt

Dr. Alois Prinz – Beltz&Gelberg

Meinen früheren Post zu Alois Prinz gibt es hier.

Alois Prinz

Wie wird jemand mit diesem Namen wohl sein? Eigentlich ja Dr. Alois Prinz.

So recht hatte ich keine Vorstellung von dem, was mit mir geschehen würde. Ich hatte nicht aufmerksam in das Programm geschaut. Das kann manchmal Überraschungen bringen. Und so war es auch hier. Nach einem überflüssigen Geplänkel über den Ort, aus dem er stammt und den viele zum Ansatzpunkt nehmen, um zu ihm über zu leiten, konnte er beginnen. Er erzählte über sich und die Brüche im Leben. Nicht seine, sondern Brüche an sich, die ihn immer faszinierten. So sind die Menschen über die er schreibt, immer welche, die solche Brüche erlebten. Und die Bücher, die er schreibt sind eben Biographien.

Da er alle Bilder aus dem Internet tilgt, ist es schwierig ihn einmal ohne eine Veranstaltung zu zeigen. Meines Wissens ist auf der Seite der Carl-von -Weinbergschule Frankfurt von einer Veranstaltung eines zu finden.

Paulus war einer dieser Menschen. Und über Paulus hielt Herr Prinz uns einen Vortrag. Letztendlich trug er Erkenntnisse vor, die er für sein Buch erarbeitet hatte. Das war so spannend und intensiv, dass mir nichts mehr einfiel. Ich konnte nur noch zuhören. Das, was mir im Kurs der STUBE so fehlte, das wurde hier pur auf mich übertragen. Meine Güte! Was kann man heute über Paulus alles wissen. Wie oft er schiffbrüchig war und das er eine Nacht auf einer Planke im Wasser hing. Er wurde gesteinigt und überlebte. Er wanderte auf ein 3000 Meter hohes Gebirge, um bestimmte Städte zu erreichen. Unter schlimmsten Bedingungen, denn die Outdoor-Kleidung hatte er völlig verloren. Trotz der Steinigung, den Vertreibungen und der Mühsal, wanderte er dann nicht etwa schnurstracks nach Hause nach Antiochien. Nein, er lief diesen Weg wieder zurück!!!!!!!!!!!!!

cc by Allie Caulfield by flickr

cc by Allie Caulfield by flickr

Warum nur? Wohl, um diejenigen noch einmal zu besuchen, die in ihm den Wegbereiter zu einer neuen Religion, dem Christentum sahen. Später hat er dann begonnen Briefe zu schreiben, denn zu den Menschen hin konnte er nicht wieder.

Das ist doch ein konkreter Grund Schreiben zu lernen und Lesen. Paulus als Wegbereiter von bibliothek2009. Wer hätte das gedacht.

Ich lese und genieße gerade die Biographie von Dr. Alois Prinz über Hannah Arendt. Sie heißt:

Beruf Philosophin oder Die Liebe zur Welt

Was ich schon jetzt über die Zeit gelernt habe, ist gar nicht zusammen zu fassen. Klasse. Einen großartigen Satz hat Hannah Arendt hat geschrieben:

„Ich habe immer gewusst, dass ich nur existieren kann in der Liebe.“