Posts Tagged ‘Schulbibliothek’

Kursauswertung

Ich will gar nicht aufhören!

Der Kurs hat mir viel gebracht.

Auch zum Schluss kam der Hinweis noch einmal auf den Planet Biblioblog. Dort fand ich diese tolle Seite. Die Musik dudelt jetzt im Hintergrund mit. Ich kann kein Hebräisch. Doch sie gefällt mir.

Judaica Sound Archives » ‎ Archivalia

Doch nun zu den letzten Fragen für die Auswertung.

Was war die beste Lektion. Hm. Die zweite Lektion war die Beste, weil da der erste Schritt gemacht war und nun ein Werden sichtbar wurde. Die Lektion 4 war die Beste, weil das Thema RSS wirklich wichtig ist und es mir dabei bekannt und klar wurde. Ich profitiere sehr davon und fülle mein Tweets. Ich komme an Infos, die ich vermisst habe. Das lässt sich noch verfeinern. Die Bonusrunde Twittern war die beste Lektion, denn die hat mir die Geschwindigkeit und die Vernetzungsmöglichkeiten erst so richtig gezeigt. Was ich für tolle Infos da in der kurzen Zeit heraus geholt habe. Doll. Außerdem erlebe ich Melanie in ihrem Element. Das ist beeindruckend. Meine kleine Gruppe, der ich folge, ist gut ausgesucht. Für mich lohnt sich das. Ich werde das auch weiter ausbauen.

Die Erwartungen

Der Kurs Bibliothek 2.009 war für mich ein Sommer-Lückenfüller. Ich wusste nicht, was ich da anfange. Nur mehr Wissen wollte ich schon immer über das Web. Und gestern konnte ich ganz cool einem kleinen Verlag sagen, wie man besser die URLs verkürzt. Sie haben es gemacht!!!!! Da hört jemand auf mich, hurra!!!!

Dann hat sich die Sache verselbständigt. Mein Kopf rauchte und ich erkannte mehr und mehr die Faszination des WEB2.0. Ich liebe es, in kleinen Bröckchen mir Sachen zu erarbeiten. Viele Erfahrungen machte ich zusätzlich. Damit wuchsen die Erwartungen an jede Lektion und wurden von euch nie enttäuscht. Klasse!! So könnte es weitergehen.

Was hat mich überrascht? Zum Einen, dass es im Netz eine so agile, lebendige Parallel-Welt gibt, die mir auch mir etwas geben kann. Da liegt eine gewaltige Potenz drin. Zum Anderen, dass sich das alles einfach lernen lässt.

Gibt es Verbesserungen?

Die TeilnehmerInnen wurden zum allergrößten Teil ernst genommen mit ihren Fragen. Doch trotzdem gab es Momente, in denen das nicht so war. Nicht immer ist der Teilnehmer zu unerfahren. Es gibt eine solche Vielfalt an Soft/Hardware, dass eben nicht immer alles so läuft, wie auf dem eigenen PC. Ich arbeite zum Beispiel ganz bewusst mit einem apple ohne Maus und (fast) mit der Mindestausstattung. Da muss ich mir manchmal was ausdenken, denn die angegebene Tastenkombination existiert nicht. Ich möchte mein Gerät aber nur mit dem ausstatten, dass ich wirklich brauche. Oder die Probleme mit bloglines oder netvibes. Das kann niemand erklären. Der/die eine kam da nicht rein, der/die andere dort nicht.

Sonst kann ich nichts dazu beitragen.

Ich weiß noch so wenig. Gäbe es andere wichtige Themen?

Waren das die basics?

Auf jeden Fall war ich am Anfang, als Ihr drei alle zusammen geholfen habt, von der Betreuung schwer beeindruckt. So etwas ist möglich? Wow!!! Das hat mich auch beflügelt, denn das sichert einen ja auch ab bei Problemen. Ein Traumzustand.

Allein für diese Erfahrung hat sich das alles gelohnt. Und dafür möchte ich mich auch an dieser Stelle ganz herzlich bedanken.!!!!!

Klar, dass ich das nicht gerne oder gar leicht aufgebe.

Die TeilnehmerInnen werden mir auch fehlen. Es ist immer etwas besonderes gemeinsam zu lernen. Es verbindet ein wenig.

Vielleicht bleiben einige übrig. Ich würde mich darüber freuen.

Aus – aus?

Jetzt gab es doch noch ein hartes Ende für mich und die Leseförderung.

Ich bin noch ganz getroffen.

Erstaunlich mal so viel Krawall geschlagen zu haben, dass man aus der Schule entfernt werden kann. Hört man doch sonst nur von anderen. Ich bleibe dabei, in der Sache habe ich recht. Das hilft mir nur nicht, denn die Struktur erhält sich selbst. Und grundsätzliche Kritik ist nur auf bestimmten Wegen und nur durch bestimmte Personen gültig. Was mich auch bedenklich stimmt ist, dass niemals über die Kinder gesprochen wurde. Die fragen nach mir. Ich konnte mich nicht einmal verabschieden. Was habe ich getan: Ich habe mich auf unkonventionellem Wege dafür eingesetzt einen Mathelehrer an die Schule zu bekommen, weil sich mir die Möglichkeit anbot. (Ich sei ein Nestbeschmutzer.)

Dann habe ich versucht, die Berichte über einen schrecklichen, mitunter rassistischen Lehrer zu sammeln und etwas gegen ihn zu unternehmen. Da war die Struktur davor und ich konnte nicht viel erreichen. Für die Kinder war es ein Segen, endlich mal ernst genommen zu werden. Und dann habe ich mich gegen die Maßregelungen einer Bibliotheksleiterin gewehrt, die unser Projekt mehr und mehr einschränkte oder willkürlich dazwischen funkte. Ich rede schon gar nicht von Unterstützung.

Das war es.

Und ich stehe zu meinen Positionen nach wie vor. Ich bin gestern ungebeugt und ungebrochen aus der Sitzung. Nicht aus Hagestolz, sondern weil ich weiß, dass das so nicht gut ist für die Kinder. Dabei bleibe ich. Auch wenn ich dafür zum gesellschaftlichen Müll geworfen werde. Der Müllplatz ist oft genug ein Anstoß.

Aber dann hört auch noch dieser Kurs auf.

Das ist nicht gerecht!

Na, das Leben ist nicht gerecht. Ich weiß!

Ich habe in dieser Zeit sehr viel positive Zuwendung erfahren, jawoll!

Darauf baue ich auf.

Ich war ja in Italien. Die haben mit ihrem Berlusconi ja auch so ihre Probleme. Und es entstehen überall so kleine wilde Piratensender oder Initiativen gegen den Wahnsinn. Das hat mir sehr gefallen. Vielleicht entwickele ich ja auf dem Müllplatz eine Idee für so etwas.IMG_1445


Neuanfang

So, jetzt ist es so gekommen, wie erwartet. Die Leseförderung an der Gesamtschule wird ohne mich weitergehen.

Meine „Feinde“ triumphieren, meine „Freunde“ sind traurig.

Letztendlich geht es nicht um die Kinder und nicht um die Qualität. Entscheidend ist, wer der Leiterin gefällt oder nicht.

Die Schulstruktur ist hierarchisch. Da gibt es keine Vernunftlösung, wenn es um Ehrenamtliche geht. Und, es geht nicht um die Qualität der Leseförderung und auch nicht um die Kinder.

Ich habe mich entschieden, dass mir mein Anspruch, wie mich jemand zu behandeln hat und wie meine gute Arbeit beurteilt wird, wichtiger ist, als klaglos jeden Quatsch und die Abwertung zu ertragen. Was definitiv ein Privileg des Alters ist. Dafür gehe ich jetzt. Ich bin nicht glücklich, dass ich denen, die mich als Bereicherung ansahen, nicht mehr zur Verfügung stehe. Es löst sicher eine Kette an Enttäuschungen aus und auch andere werden gehen.

In dem Moment der Verunsicherung, den dieser Schritt auslöst, liegt auch schon ein Neuanfang.

Ich suche also nun einen neuen Job.

Grüße an meine Freunde

Yeah! gegen meine Feinde. Ein Supergefühl euch los zu sein.

Lernen vor Ort

Die Polytechnische Gesellschaft hatte die Idee zum Modell „Lernen vor Ort“.

Das wird in Frankfurt und 39 anderen Kommunen an den Start gehen und soll helfen, möglichst vielen Kindern ein Erlernen der notwendigen Fähigkeiten für eine Teilhabe an unserer Gesellschaft zu ermöglichen.

Denn ohne Lesen, Schreiben und Rechnen ist eine selbständige Lebensgrundlage nicht auf zu bauen. Lassen wir wirtschaftliche Interessen, die sicher auch dahinter stehen einmal weg, so scheint der Modellversuch ein interessanter Ansatz zu sein.

Zum Einen soll es eine Vernetzung aller an der Erziehung Beteiligten geben. Das entspräche auch dem hessischen Erziehungs-und Bildungsplan.

Zum Anderen ist der Ansatz, an den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen und deren Familien anzusetzen absolut notwendig.

Für einen Haushalt, den eine Kommune ja darstellt, ist für die Verteilung des Budgets Vorraussetzung, dass wir die Bedürfnisse der Beteiligten kennen. Was wir in Deutschland machen ist aber, eine Expertengruppe einzusetzen, die das dann schon wissen wird. Darüber kann man dann politisch trefflich streiten, ohne an die wirklichen Bedürfnisse jemals heranzukommen.

Ich bin gespannt, ob es diesmal gelingt, näher an die Kinder heranzukommen und vor allem den Überbau, der uns hindert abzuschütteln.

Ich wünsche es uns allen.


Die Frauen sind schuld?

Ich komme gerade von meiner Fortbildung wieder.

Und mir stellt sich eine Frage. Lehnen Jungen wirklich das Lesen ab, weil es ihnen fast ausschließlich von Frauen vorgelebt wird?

Immer, wenn mir jemand eine These so unterjubeln will, dann meldet sich etwas bei mir. Ich kann nicht umhin, diese These anzuzweifeln.

Hier in diesem Text steht sie zum Beispiel.

Es gibt heute in der Sonntags-FAZ einen Beitrag in der Beilage: Main-Feeling. Dort schreibt (Herr) Joachim Unseld über die Veränderungen im Lesen.

Joachim Unseld in Main-Feeling Herbst 2009

Joachim Unseld in Main-Feeling Herbst 2009

So sieht er eine Beschleunigung im gesamten Medienbereich, die dazu führt, dass sich diejenigen, der vor allem jungen Leute, die sich darauf einlassen und mithalten wollen, nur noch kurze Texte lesen können. Die Konzentration reicht oft nicht mehr aus für lange Romane oder Erzählungen,… Sie wechseln in andere, eben digitale Formate. Da ist alles schnell zu haben, zu jeder Zeit.

Darin scheint mir viel eher ein Grund zu liegen, warum Jungen ihre Lesegewohnheiten verändern, als in der Frau, gerade der Mutter als Hindernis.

Wer ist der Schnellste, wer kann mithalten, auch wenn es noch schneller wird. Das sind doch auch die Fragestellungen, die Jungen ansprechen. Und dieser gesellschaftliche Druck übt sich stärker auf die Jungen aus als auf die Mädchen. Mit den Überlegungen von Frau Professor Garbe über die Erfolgswünsche bei Jungen sehe ich da eher die möglichen Hintergründe. Verwenden wir nicht auch ausschließlich von Frauen ausgewählte Texte?

Nehmen wir besser Texte, die Männer geschrieben haben für die Jungs. Und erkennen wir die Rahmenbedingungen, in denen Jungs sich heute entwickeln. Dann werden wir hoffentlich mehr Grund zum Freuen haben, als zum Klagen über diese unvernünftigen, ungeduldigen, fernseh- und computerverseuchten Jungs, die keine Bildungsbücher mehr lesen wollen.

Suchen wir weiter!

Schulbibliotheken ins Netz?

Warum sollten sich in Deutschland die Schulbibliotheken ins Netz bewegen?

„Wir Deutsche sind einfach zu konservativ. Das wird hier erst zwanzig, fünfzig Jahre nach den Amerikanern etwas.“

Mein erster Versuch in einem persönlichen Gespräch eine Vernetzung anzuregen, wurde abgelehnt mit der Begründung, dafür absolut keine Zeit zu haben. Personal fehlte an allen Ecken, man wäre jetzt schon überlastet. Ok, dass hört sich doch so an, als wüsste jemand, wie viel Zeit es erfordert, einen Blog zu führen. Ich könnte mir vorstellen, dass nun wieder dafür Ehrenamtliche zu gewinnen wären.

cc by ulba by flickr

cc by ulba by flickr

Mir schwebt eine Informationsaustauschmöglichkeit im Kopf, wenn ich an einen Blog denke. Wir haben ja Tagesteams. Die könnten sich dann interaktiv austauschen und an den Aktionen der anderen teilhaben.Der Blog als Kommunikator.
Für die Fortbildung kann ich mir auch einen Blog gut als Sammelpunkt für interessante Fragestellungen vorstellen. Jeder kann sich mit dem Lesestoff auseinandersetzen, wann er/sie kann. Das könnte die Beteiligung an Fortbildung erhöhen. Und zumindest intern zu einer Diskussion führen. Ob jemand Kommentare schreibt? Das sehe ich hier im Kurs auch eher selten.

Eine Verknüpfung nach außerhalb, zu anderen Schulbibliotheken, ja, darin sehe ich auch einen Sinn. Wir haben auf dem Gelände der Schule eine zweite Schulbibliothek mit einer ganz anderen Ausrichtung. Wir erfahren leider nur über die SchülerInnen, was dort läuft oder besser, was nicht läuft. Das ist für mich unfassbar. Über das Netz wäre ein Austausch möglich? Ergibt gerade die Distanz neue Ansätze für ein „Zusammen“?

Ich ziehe wertvolle Informationen aus dem Netz. Und mich würde es schon interessieren, was andere Schulbibliotheken, besonders die, an denen ich Bekannte habe, so machen. Außerdem ist schnell mal ein Austausch/Schwätzchen/Gruß möglich. Wohin das führen kann, sehen wir in USA. Das gefällt mir schon.

Ich möchte gerne die Frage in die Runde stellen:

Wozu können wir Vernetzung von Schulbibliotheken nutzen?

Fragwuerdig

Stoppen oder gar verhindern kann ich den Wahnsinn nicht mit meinem Artikel. Aber vielleicht einmal meine Meinung dazu sagen?

Wir haben gelernt, dass der Bestand einer Bibliothek aktuell und auf die Bedürfnisse der LeserInnen ausgerichtet sein soll. Bücher, besser Medien, die nie ausgeliehen werden, stehen herum und sind totes Kapital. Bei der Makulatur finden wir Romane, Sachbücher, die einen hohen Anspruch haben. Gut gemeint und begründet war diese Anschaffung, leider: Nie ausgeliehen!

Wovor immer wieder gewarnt wird und das zu Recht, ist gebrauchte Bücherspenden anzunehmen und womöglich noch in die Regale zu räumen. Bücherspenden gehören in den Flohmarkt, den wir jedes Jahr zum Schulfest beisteuern.   –Gedankensprung–Flohmarkt von joachim_s_mueller

Nun regt sich Christian Füller in der TAZ darüber auf, dass der Parlamentarische Staatssekretär (im Bumi) Storm nichts über die, von der Stiftung Lesen initiierte Bücherausgabe „Lesestart“ weiß. Die hat nämlich wieder begonnen, 250 000 Bücherpakete an Schulanfänger auszuteilen, um so das Lesen zu fördern. Herr Füller kritisiert, dass sich unsere Regierung an dieser Bücherverteilung nicht beteiligt. Warum sollte sich die Regierung bei einer fragwürdigen Aktion zur Lesemotivation engagieren? Und warum (im Artikel) stellt es Herr Füller, der eben so wichtigen Arbeit an den über 10% erwachsenen Analphabeten gegenüber?

Für mich sind diese Bücherübergaben reine Makulatur und diese TAZ-Diskussion scheinheilig. Wirklich gute und hilfreiche Leseförderung kostet viel mehr Geld. Warum fragt er nicht danach? Diese Bücher werden so gießkannenmäßig über die Kinder ausgeschüttet. Doch ob sie je gelesen werden, ist fraglich. Es ist wieder nur etwas für die Medien, den Buchhandel und immerhin für die Autoren. Schade, dass es keine Untersuchung darüber gibt, ob diese Pakete einen Effekt auf die Lesekompetenz haben. Ich weiß aber jetzt schon wo sie landen werden: Auf dem Flohmarkt im Herbst.

Wir bekamen zum zweiten Mal aus der Aktion „Medienpakete für Frankfurter Schulen“ eine wertvolle Zusammenstellung. Das erste Paket war zum Thema Gewalt: Bücher gegen Gewalt

Und das zweite Medienpaket hieß: 20 Jahre Mauerfall – Jugendromane über die Wendezeit

Gewiss ist das eine wirklich gute Idee und viel ist dazu noch zu sagen. Wir haben diese Bücher in unserer BiB an erster Stelle platziert, Werbung gemacht und alle darauf hin gewiesen. Leider werden sie bisher eher nicht angenommen. Und wir werden sie, so meine Befürchtung, irgendwann einmal ungenutzt makulieren.book waste von urbanwild


Sosu

Während der „Tigerprinz“ und „Han Gan“ unsere Starter in der Leseförderung sind, folgt zum Beispiel Sosu von Meshak Asare mit etwas mehr Text.

Sosu erfüllt so viele Ansprüche an ein Buch, dass ich es gerne hier vorstelle.

Nur mit einem bin ich nicht einverstanden! Das ist der deutsche Titel. Er ist so schrecklich pädagogisch, dass er bestimmt mögliche begeisterte Leser abschreckt.010.177.529

Wir blieben aber dabei und sind jedesmal von der Vielfältigkeit dieses Buches überzeugt. Sosu lebt in Afrika an der Küste. Mit der ersten Seite arbeiten wir uns in die Lebensbedingungen der Dorfbewohner ein und denken ganz zwangsläufig, dass das alles lange her sein muss. Ein Dorf lebt vom Fischfang, vom Gemüseanbau und den Produkten aus der Lagune, die sie auf dem Markt verkaufen.

In diesem Dorf lebt Sosu. Er kann nicht laufen. Ob es Kinderlähmung war? Wir werden es nicht erfahren. Was wir erfahren, ist die Ablehnung, die der Junge aus dem Dorf heraus erfährt. Zum einen ist es Aberglaube. Darüber können wir fast unendlich mit den SchülerInnen reden. Alle wissen nach einem kurzen Tipp, was das wohl sein kann. Und dass der Aberglaube aus Angst entsteht.

Da in unserer Schule Rollifahrer unterwegs sind, gibt es einen Bezug zum Alltag. In einigen Klassen wird im Unterricht ein Projekt durchgeführt, in dem die, die laufen können auch einen Rolli bekommen und dann im Einkaufszentrum (angeblich dem größten Deutschlands) etwas einkaufen müssen. Hinterher wissen alle, wie ein Rolli umfällt, was man besser nicht macht und wie schwer es ist, damit den Alltag zu bewältigen. Schon allein dadurch, dass die Barrierefreiheit eben nicht besteht. Zusätzliche und unnötige Anforderungen durch Gedankenlosigkeit entstehen.

Sosu sitzt Tag für Tag vor der Hütte. Nur Mittags, wenn seine Geschwister aus der Schule kommen, bereitet er das Essen für sie alle und er lernt, was er kann mit.51XJ82GQ8FL._SS500_

Ich erzähle nun nicht, wie es weitergeht. Doch im letzten Bild kommen die Kameramänner und die Journalisten in das Dorf, um ihn bei seiner Ehrung zu filmen. Er bekommt einen Rolli und die Strasse zur Hütte wird planiert, damit er zur Schule „gehen“ kann. Sie haben alle etwas begriffen. Auch Sosu! Dass ein Junge auch ohne Beine ein wichtiger Mensch für alle ist.

Das allein reichte schon aus, um es mit den Kindern zu lesen. Es kommen Begriffe vor, über die wir uns verständigen müssen. Wir tauschen uns über die Werte aus, die die Charaktere zu ihrem Handeln bringen. Wir erleben einen Hauch andere Sprache, den die Übersetzung erhalten konnte und sind am Ende gleichzeitig in Afrika und hier.

Der Text, der hier schon mal über eine halbe Seite hinaus gehen kann, ist begleitet von Bildern, die eine Menge erklären. Und so steht die Bildbeschreibung wieder an erster Stelle. Es ist kein Buch, das schwer zu lesen ist. Doch für unsere Menschlein hart genug.

Sosu hat eine Menge Auszeichnungen bekommen. Ich finde zu Recht!


Das andere Lager

Geh in meinen Schuhen ein Stück von Seite-3Alex spricht mich an, als ich um die Ecke biege. Er wüsste nicht, wo die U-Bahn von hier aus wäre und im Übrigen sei er Alex und er würde gerne mit mir walken gehen und ……So schnell war Alex nicht zu bremsen. Ich änderte meine Route, die ich mir zur Entspannung an diesem Nachmittag ausgesucht hatte und brachte ihn ein Stück des Weges.

Schnell stellte sich heraus, dass Alex krank war. Er meinte, unablässig nur von sich redend, dass er physisch und psychisch erkrankt sei. Und wegen seiner vielen Erkrankungen könne er an den Leistungsanforderungen eines Berufslebens nicht mehr teilnehmen und sei deshalb verrentet worden. Er lebe nun von ganz wenig Geld, doch sei es ok. Er sei nun im anderen Lager und dann erzählte er vom betreuten Wohnen.

Der letzte Satz machte mich stutzig. Wieso drückt er das Nichterwerbsleben als das andere Lager aus? Nach einer Weile fand ich den Begriff ganz gut, später treffend. Im einen Lager sind die Berufstätigen, im anderen die Nichtberufstätigen. Die Berufstätigen leisten etwas und sie bestimmen, was wichtig in unserem Leben ist. Zum Beispiel werden BibliothekarInnen als etwas sehr wertvolles angesehen. EhrenamtlerInnen gehören in das andere Lager. Sie sind nicht so „richtig“. Sie machen schon was, aber das zählt nicht so. Und außerdem kann man den Wert schon daran erkennen, dass sie gar kein Geld bekommen.

Alle unsere Helden in der Kinder-und Jugendliteratur sind aus diesem anderen Lager. Kein Mensch würde sich diese Geschichte durchlesen, wenn Harry Potter arbeiten gehen würde.Oder Artemis Fowl brav in die Schule ginge oder Pipi eine Lehre als Schreinerin machte. Die Zeit, in der alle Geschichten spielen, ist die Zeit, in der man nicht berufstätig ist. Kinder und Jugendliche sind meist in den Ferien oder außerhalb vom Alltagszwang, wie bei Enid Blyton oder durch Krankheit aus dem normalen Leben gerissen, wie Jonathan von Ralf Isau oder gar ganz tot, wie bei Lindgrens „Die Brüder Löwenherz“.Ein Herz für Fantasy von akhater

Auch in der Realität hat diese Zeit, die wir vor der Schule, in den Ferien, als Erkrankte und als Rentner erleben in jeder Hinsicht eine hohe Bedeutung. Jede/r, die/der als Nichtberufstätiger lebt, weiß, dass es neben der Berufswelt, die eigentliche Welt gibt. Dort wird auch unendlich viel gearbeitet nur nicht bezahlt. Dort werden sozialen Kontakte gepflegt, dort wird creativ gedacht und sehr viel ausprobiert. Klar gibt es auch viel Leid und Probleme, doch vieles läuft eine Spur mitmenschlicher. Alle Menschen kommen aus diesem Lager -vor der Schule- und gehen – als Rentner- dorthin wieder zurück.

Die Berufstätigen leben in einer Parallelwelt daneben. An einigen Stellen gibt es Berührungspunkte. Im Haushalt, den ja fast alle irgendwie bewältigen müssen und auch im Beruf, beim Ehrenamt z.B. Dort treffen Menschen aus der Berufstätigkeit zusammen mit Menschen aus dem anderen Lager. In diesem anderen Lager gelten bessere soziale Werte. Es gibt mehr Gelassenheit, weniger Stress, mehr Gestaltungsspielraum. Man kann anders leben und aus anderen Gründen handeln. Das können Berufstätige nicht.Zukünftiges von Michaelthurm

Warum wird dieser Teil der Gesellschaft so abgewertet? Es ist unser gesellschaftliches Ziel, unsere Zukunft. So zu leben, dass wir die Arbeit möglichst selbstbestimmt und aufgrund eigener Motivation vollbringen. Genau das tut Ehrenamt.

Unfertig oder ein Lob an die SBA

Noch immer wie vom Donner gerührt über die Lage der Deutschen Schulbibliotheken, muss und möchte ich heute einmal ein dickes Lob für die SBA in Frankfurt am Main aussprechen.

Was SBA ist?

Das ist die Schulbibliothekarische Arbeitsstelle. Angesiedelt ist sie in der Frankfurter Stadtbücherei. Ich wollte gerne etwas über die Entstehung hier berichten, doch leider finde ich nichts dazu. Es ist schon interessant, wie es zu so einer Einrichtung überhaupt kommt. Was die SBA so wichtig macht, kommt weiter unten. Erst einmal sehen wir uns den Ausschnitt aus dem Wikipedia-Artikel über Schulbibliotheken an.

„Unabhängig von der Schulform und insbesondere auch bereits in der Primarstufe sollen gut geplante und eingerichtete Schulbibliotheken sechs wichtige Aufgaben erfüllen:

  • einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Chancengleichheit leisten,
  • die Voraussetzungen für ein individualisiertes Lernen verbessern,
  • einen Bestand von Büchern und Medien für die Schülerinnen und Schüler sowie für die Lehrkräfte bereitstellen,
  • den Unterricht unterstützen und bereichern (einschließlich des eigenständigen Lernens und Erarbeitens von Inhalten),
  • ein Ort für sinnvolle Freizeit- und Pausengestaltung im Rahmen der Ganztagsschule (einschließlich Hausarbeiten usw.) sein und
  • möglichst viele Kinder an das eigenständige Lesen und die Freude an und mit Büchern heranführen – diese Form der Leseförderung betrifft vor allem die Primarstufe. (Na, bei uns auch SEK I)

Eine gut geplante Schulbibliothek kann und soll folgende Kompetenzen fördern:

  • Informationskompetenz
  • Lesekompetenz
  • analytische und synthetische Urteilskraft
  • Medienkompetenz und
  • soziale Kompetenz.“

Und was geschieht nun, um dieses here Ziel umzusetzen? Hört/lest weiter:

„Die meisten Schulbibliotheken werden auf Initiative der Schulen oder schulnaher Ehrenamtlicher eingerichtet, betrieben und unterhalten. Unter anderem deshalb ist die Schulbibliothekslandschaft in Deutschland von einer großen Diskontinuität und Uneinheitlichkeitgeprägt.“

Ich könnte nun eine Menge auch positiver Dinge aufzählen, die die Ehrenamtlichen einbringen, von denen der Verfasser keine Vorstellung hat. Doch bleiben wir beim Thema. Ist das nicht unglaublich? Für diese wichtigen Aufgaben und es sind noch mehr, wird nichts getan, was eine gute Arbeit unterstützt. Irgendwer kümmert sich drum und alle sind zufrieden?

Nun kommt die SBA wirklich ins Spiel.

Diese Einrichtung hat die Situation erkannt und setzt sich innovativ (für deutsche Verhältnisse) ein, die Schulbibliotheken an allen Ecken und Enden zu unterstützen. Neben einer „Rundumbetreuung “ in allen Fragen, haben die Bibliotheksmitarbeiter=Ehrenamtlichen die Möglichkeit sich zu qualifizieren in einem Grundkurs über alles, was eine Schulmediothek so ausmacht. Es gibt einen professionell geführten Newsletter (siehe auch Ver-linkt hier im Blog), der zum Beispiel auch diesen Kurs enthielt. Ein Fortbildungsangebot richtet sich an Lehrer und zugleich die ehrenamtlichen SchulbibliotheksmitarbeiterInnen. Auch die persönliche Beziehung wird versucht aufzubauen, wo es denn erwünscht wird. Und das ist noch nicht alles. Der Webauftritt informiert über das sich ständig erweiternde Angebot.

Nachdem ich gestern so richtig auf dem Boden der Realität ankam, kann ich erst so jetzt verstehen, was für eine Besonderheit wir damit in Frankfurt haben. Die Ehrenamtlichen zu qualifizieren, statt stehen zu bleiben in dem Loch zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist ein Schritt, sind hundert Schritte nach vorn. Doch fertig sind wir noch nicht.