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Wie spiegelt sich unsere Demokratie im aktuellen Jugendroman wieder?

Heute war das Abschlussgespräch für meinen Fernkurs in der Stube.

Ziemlich genau zwei Jahre sind nun vorbei, in denen ich eine zeitlang über den unterschiedlichsten Texten gesessen habe. Angeregt durch die Skripte kam ich durch Recherche zu Primär- und Sekundärliteratur, die so nach und nach durch gelesen werden wollte. Es gibt eine Menge an Links, die ich unbedingt noch einmal ansehen wollte und wohl nie mehr ansehen werde. Dabei bin ich auf wertvolle Quellen gestoßen, die mir auch zukünftig helfen werden, Fragen zu beantworten. Ich kann jetzt AutorInnen unterscheiden und mir ein Bild machen von dem was aktuell auf dem Markt angeboten wird. Als letzte Prüfungsvorbereitung diskutierte ich auf der Buchmesse mit den unterschiedlichsten Verlegern. Über Flattersatz oder farbigen Hintergrund, Buchvermarktung und die Entwicklung von Krimis. 🙂

Meine Vorbereitung auf das Abschlussgespräch hatte ich mir klar gegliedert und auch genauso durchgeführt. Oh Wunder! Dabei merkte ich zwar, dass nicht jeder Begriff saß, doch es war eine Ursuppe entstanden. Damit fühlte ich mich recht sicher auf die möglichen Fragen eingehen zu können. So ist es auch gekommen. Die Frage, die ich nur mehr so ungefähr behalten habe war: Sie haben Artemis Fowl und ShaunTan ausgewählt in der Leseliste. Beide haben Phantastisches. Wie schätzen Sie das ein?

Uff!!!

Ich hatte das so noch nie betrachtet. Und dann fiel mir zu beiden Büchern so viel ein, dass es vielleicht nicht im ersten Satz beantwortet werden konnte, doch klar wurde, dass mir dazu etwas einfallen würde.

Das von mir selbst gewählte Thema hieß: Wie spiegelt sich unsere Demokratie im aktuellen Jugendroman wieder?

Es war als Idee einfach da. Woher nun dieser Gedanke kam, weiß ich nicht. Wenn man Stuttgart 21 ansieht, dann lag die Demokratiefrage vielleicht in der Luft.

Das Fazit zuerst: Unsere Demokratie spiegelt sich in vielen Facetten im Jugendroman wieder, auch wenn kein/e Autor/in das beabsichtigt hat.

Als Untersuchungsgegenstand wählte ich ausschließlich aktuelle Jugendromane aus diesem Jahr. Dann teilte ich die Bücher anteilig auf Männer und Frauen auf. Alle AutorInnen sollten in Deutschland aufgewachsen sein, damit es auch ein „gültiges“ Ergebnis geben konnte. Anschließend stellte sich die Frage nach einer möglichen Entwicklung der Demokratievorstellung. Also versuchte ich die AutorInnen aus möglichst vielen Jahrzehnten zu bekommen. Diese Aspekte zusammen gab der Markt nicht her. Erstaunlich viele ältere Autoren haben in diesem Jahr Bücher veröffentlicht. Hm!!!

Bei den Autorinnen klappte es mit etwas Sucherei recht gut und so sah meine Auswahl dann so aus:

1)Auserwählt           Patricia Schröder 1960

2)Asphaltspringer  Rusalka Reh 1970 Melbourne

3)Schattenschwingen  Tanja Heitmann 1975 Hannover

4)“Und im Zweifel für dich selbst”Elisabeth Rank 1984 Berlin

5)Sayuri  Carina Bargmann 1991 (Hannover?)

Für die Männer ging es nicht auf. Dort ist der Gesamtaltersabstand nur 16 Jahre.

1)Arkadien erwacht   Kai Meyer 1969

2)Echte Cowboys  Stephan Knösel 1970

3)Virag oder wenn die Welt verrutscht  Andreas Schendel 1971

4)Im Funkloch  Falko Löffler 1974

5)Ich, Elias   Luca Bloom 1975

Zu bemerken ist, dass Luca Bloom wohl eine Frau ist. Zumindest fand ich einen Link dazu. Es war zu dem Zeitpunkt, als ich das herausfand zu spät für einen Ersatz. Mir hat zum Schluss sogar die Stadtbücherei geholfen passende Autoren zu finden. Es gab keine.

All diese Bücher hätte ich mir zum Lesen nie herausgesucht und habe Schätze dabei gefunden: „Asphaltspringer“ von Rusalka Reh, „Im Funkloch“ von Falko Löffler sind meine Favoriten. Gut finde ich noch „Sayuri“ von Carina Bargmann und „Echte Cowboys“ von Stephan Knösel. „Arkadien erwacht“ war mein erster Meyer und das Lesen hat mir Spaß gemacht. Es flutscht halt.

Alle Bücher hatten Aspekte zum Thema Demokratie. Zum Beispiel findet man die Innenansichten, die Elisabeth Rank aufgeschrieben hat in Menschen wieder, denen das gesellschaftliche Leben nun aber auch gar nichts sagt. Andreas Schendel schreibt über Menschen die krank sind. Wobei die Grenze zwischen gesund und krank eben nicht klar ist. Wunderbar, wie er ausdrückt, dass man Menschen begleiten muss und nicht anpassen. Na, zu fast allen Büchern gibt es hier ja eigene Artikel.

Hervorheben möchte ich „Sayuri“ von Carina Bargmann. Frau Bargmann hat etwas neues in ihr Buch eingebaut. Die Jugendlichen, die sich gegen die Verschlechterung der Lebensbedingungen wehren, organisieren sich auf moderne Art. Sie treffen sich in ihren Vierteln, weil Vertrauenspersonen alle zusammenrufen. Und dann informieren sie sich gegenseitig. Nun gibt es keinen gemeinsamen Beschluss, den alle durchführen, sondern alle überlegen selbst, was sie in diesem Fall tun können und machen es dann. Es gibt Versuche, die fehlschlagen. Es gibt Leute, die lieber nichts machen. Viele Projekte klappen gut und sind so effektiv, weil die Leute etwas machen, was sie besonders gut können und selbst verantwortlich sind. Es hat etwas von einem flashmop. Und die Aktionen können von den Machthabern nicht vorhergesehen werden. Es gibt nicht die große, allmächtige Organisation, die einheitliche Beschlüsse durchführen lässt. Kleine bewegliche unterschiedliche Trupps sind unabhängig voneinander unterwegs. Klasse!

Wer mehr darüber wissen möchte, was ich herausfand, stöbere im Blog oder frage nach bei mir.

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Carina Bargmann: Sayuri

Sayuri: Das zu schreiben war viel Arbeit und hat sicherlich auch Spaß gemacht.

Da muss es noch einen Folgeband geben. So ist zumindest das Ende aufgebaut.

Anfangs war mir gar nicht klar, wer wer ist und was das alles soll. Irgendwie wurde ich durch die Namen verwirrt(zwei japanische und sonst fantasievolle Namen aus der ganzen Welt). Es wird eine andere Welt als unsere beschrieben. Neben Fremdem gibt es auch Vergleichbares. Und die Menschen sind ein großer Teil dieser anderen Welt. Durch kleine Details wird versucht die Andersartigkeit beizubehalten. Zwei Monde oder Fabelwesen, andere Pflanzen. Für meinen Blickwinkel interessant ergeben sich zwei Strukturen in dieser Welt. Einmal gibt es die stark Hierarchische und zum anderen die spontane Arbeitsstruktur Gleichwertiger. Frau Bargmann hat den Roman als noch nicht Volljährige geschrieben. Sie ist mit den aktuellen Fragen um unsere Demokratie groß geworden und gibt die für mich auch in meinem Umfeld sichtbaren Antworten dieser Generation. Das finde ich spannend.

Ihre jugendlichen Helden leben in einem Stadtstaat, der ein Kaiserreich ist. Den Anspruch auf dieses Amt hat ein ganz bestimmter Mensch. Denn er kann etwas, was ihn/sie zum Retter der Gesellschaft macht. Es geht um Wasser. Daher kann dieses System auch gar nicht in Frage gestellt werden. Allerdings werden die Menschen schlecht „verwaltet“. Und da hagelt es Kritik, denn Teile der Gesellschaft werden vom Wichtigsten ausgeschlossen. Dafür gibt es keine wirklichen Argumente und so protestieren die Unterdrückten. Das tun sie nun ihrerseits nicht mit organisiertem Handeln. Es gibt in allen Stadtvierteln unabhängig handelnde Organisationen(Banden). Und die treffen sich, verbunden durch besonders angesehene Menschen an unterschiedlichen Orten. Ich würde es einem „flashmob“ gleichsetzen. Es gibt eine spontane Verabredung und alle Angesprochenen kommen dazu. Es werden Informationen ausgetauscht. Doch was jeder macht, entscheidet er selbst. Da können Gemeinschaftsaktionen herauskommen oder eben nicht. Darin soll dann die besondere Stärke liegen. Jeder macht das, was er kann.

Das geht dann auch mal schief. Und es wird gehandelt auch wenn man weiß, dass ein Teil der anderen nicht einverstanden ist. Es wird nicht um Einheit geworben oder gar Druck ausgeübt. Zum Glück haben unsere Helden immer die stärksten Anführer bei sich und können am besten argumentieren.

In der letzten großen Schlacht ist es notwendig sich zusammenzuschließen. Der Feind ist so offensichtlich überlegen. In diesem Falle ordnen sich alle einem gemeinsamen Plan unter. Das ist nur an dieser Stelle des Romanes so. Die Zentauren, die unseren Helden helfen sind wieder klar militärisch aufgestellt.

Organisationen, die zu einer Aktion aufrufen und eine festgelegte politische Position haben werden nicht als Option zum Handeln herangezogen. Das, denke ich, ist genau das, was heute Jugendliche über unseren Staatsaufbau empfinden. Organisationen werden in ihrer Struktur und der inhaltlichen Vorgabe als nicht sinnvoll für das eigene Handeln gesehen. Es entstehen neue Formen, wie bestimmte Gruppen sich zum gemeinsamen Handeln zusammenschließen. Und nur, weil man eine Aktion zusammentat, heißt es nichts über die Übereinstimmung in anderen Fragen. Diese Vorstellung über gesellschaftliche Aktivität hat Frau Bargmann schön in ihrem Roman verarbeitet. Ich bin gespannt, ob es sich auch in unserer Realität so entwickeln lässt. Es nimmt die gestiegene Individualität und die so unterschiedlichen Biographien besser auf.

Darüber habe ich mich gefreut in diesem Roman.

Es gibt auch Kleinigkeiten, die nicht so ganz stimmig sind. Das liegt, glaube ich, am Alter der Autorin und verschwindet irgendwann von allein. Auf Seite 417 beschreibt sie, wie Marje erstaunt wahrnimmt, wie schnell die Leute im zerstörten Minenlager beginnen sich einen neuen Lebensalltag zu organisieren und vermutet, dass sie über die traumatischen Erlebnisse hinweg gekommen sind. Das kann natürlich nicht sein. Doch das Überleben zu organisieren ist eben lebensnotwendig. Wem fällt so etwas im Text schon auf? Ich bin halt an dieser Stelle ins Grübeln gekommen und war draußen.

Egal, eine tolle Geschichte.

Ich, Elias von Luca Bloom

Wenn ich mir die Rezensionen durchlese, die Jugendliche zu diesem Buch geschrieben haben, dann sind doch einige LeserInnen sehr zufrieden und ich sehe mich wieder eher am Rand stehen. Nach den ersten 30 Seiten wollte ich das Buch weglegen. Die Art und Weise, wie über Mädchen geredet und gedacht wird, hat mich sehr angestrengt.

Zum Glück sah ich in meinem Frust noch einmal nach den Rezensionen. Und hätte Ulf Cronenberg nicht eher begeistert über das Buch geschrieben, wäre es das Ende gewesen.

Doch durch die Beschreibung gab ich Herrn Bloom, der eine Frau ist noch eine Chance. Und wirklich: Ab der Mitte werden andere Worte benutzt, kommt wirkliche „Liebe“ und damit ein Wandel in der Ausdrucksweise hinein. So wie Elias innerlich in diese Liebe wächst, wächst auch dieser Roman und verbessert sich die Glaubwürdigkeit der verwendeten Sprache.

Am Anfang ist es kaum zu ertragen, wie mies sich Elias selber beurteilt. Auch die Beziehungen, die er führt sind absolut unbefriedigend. Nichts ist da, was ihn groß werden lässt. Dazu die abwertenden Bezeichnungen für Frauen wie „Sportlesbe“ für die in einer Frauen-WG lebenden Sportlehrerin. Nee!! Das fand ich zu dick aufgetragen vom Autor. Das mag ich auch nicht.

Der dramatische Höhepunkt ist das Zusammengeschlagenwerden durch einen ihm unbekannten Mann. Elias war von einer etwas älteren Frau verführt worden -also zwei Menschen möchten zusammen Sex erleben – und ihr Mann rächt sich an Elias dafür.(HÄ?) In der Öffentlichkeit wird Elias brutalst zusammengeschlagen und getreten. Niemand hilft. So ein Erlebnis löst bei den Opfern traumatische Erfahrungen aus an deren Folgen sie lange leiden.

Nicht so Elias. Er sagt auch noch, dass ihm das zu Recht geschehen wäre. (!!!!!!)

 

Wenn ich aus meinem Blickwinkel: „Wie spiegelt sich die Demokratie im aktuellen Jugendroman wider“ auf dieses Buch schaue, dann sieht es ganz mau aus. Alle Personen werden nicht ernst genommen, abgewertet. Das Ende lässt Elias zurück in einer Trauer, aus der man ihn nicht wachsen sehen kann. Ich verstehe den Wunsch von LeserInnen nach einem zweiten Teil. Was ist denn mit Elias geschehen? Das alles fehlt. Na klar kann man Bücher schreiben, die eine bestimmte Situation beschreiben und wie man sich darin fühlt. Für die positive Weiterentwicklung, hin zu einer besseren Welt dient dieser Roman nicht. Da ist nichts in den Charakteren, nichts in der Story, was man mitnimmt. Es ist eher wie eine Cola. Trinken und fertig.

Würde unsere Gesellschaft das Prinzip der unversehrten Intersubjektivität(*) achten und wir uns alle als gleichwertig anerkennen, dann gäbe es diesen Roman nicht. Insofern sagt er schon etwas über unsere „Demokratie“ aus.

 

 

(*) Verena Kast: Vom Sinn des Ärgers

Seite 205

Tamara Bach: „Jetzt ist hier“

Meine erste richtige Rezension und dann noch von einer Rezension! So war die Aufgabe diesmal im Rahmen der Stube. „Schreiben Sie eine Rezension einer Rezension.“ Öh, hatte ich das schon jemals gemacht? Wie schreibt man eine Rezension. Nach meiner Suche im Netz kam nun folgendes heraus:

Ulf Cronenberg schrieb in seinem Jugendbuch-Blogarchiv diese Beurteilung. Und ich nun davon meine:

Inhaltlicher Überblick:

Mit einem Verweis auf den ersten Preis für das Buch erklärt der Autor, warum er diese Rezension geschrieben hat. Dann fasst er den Inhalt zusammen, indem er die vier Hauptcharaktere kurz in ihrem Hauptproblem skizziert. Er reißt die Vorstellung nur an und deutet mit drei Punkten an, dass es noch mehr zu sagen gäbe. Dann folgt seine Bewertung des Buches. Dabei geht er auf die Erzählweise, die Lebensbeschreibungen und die verwendete Sprache besonders ein. Sein Fazit bezieht sich auf die gelungene Darstellung des Lebensgefühls von Jugendlichen.

Kontextualisierung:

Herr Cronenberg ordnet das Buch nicht einer Gattung zu, doch schon bei der Beschreibung des Inhaltes erkennt man den Adoleszenzroman wieder. Die geistige- und soziokulturelle Umbruchphase steht im Mittelpunkt ist zentrales Handlungsmotiv. Alle vier haben nichts vor, hängen herum, beschreibt Herr Cronenberg die Situation. Alle vier haben nach der Woche, in der wir sie erleben dürfen eine Entwicklung vollzogen, die aber nicht in einer Lösungsvermittlung mündet.

Mit einer Leichtigkeit beschreibt Cronenberg die Jugendlichen. Da er selber viel mit Jugendlichen als Schulpsychologe arbeitet, stöhnt er bei der Verstricktheit der Jugendlichen in die Beziehungen untereinander und zur Familie nicht auf, sondern betont die Nähe zur Lebenswirklichkeit Jugendlicher. Sie sind sie miteinander befreundet. Nicht mehr und nicht weniger. Es wird keine Tiefe der Freundschaft angegeben. Sie wechselt ja auch. Er verurteilt auch niemanden. Zum Beispiel beschreibt er Zanker so, dass der/die LeserIn sich ein eigenes Bild von ihm machen kann. Es wird offen gelassen, ob Zanker so ist, wie sein Vater ihn beschreibt. Es gibt durch Herrn Cronenberg auch keine Gewichtung in den Problemen der Jugendlichen. Bowie, dessen Kummer und Trauer über den Tod der Mutter ihn stark gefangenhält, hat kein größeres, schwerwiegendes Problem als Mono und Fienchen mit ihrem Liebeskummer.

Um alle vier Hauptcharaktere verfolgen zu können und zwar möglichst zeitnah, wird zwischen den Charakteren ständig gewechselt.

Wir erleben die Vier von einer gleichbleibenden Perspektive, die wie eine Draufschau uns die Dialoge und Gedanken mitteilt. Auch von dort gibt es keine Bewertung der Charaktere. Diese Erzählweise fasziniert den Autor besonders. Denn er möchte den unterbrochenen Erzählstrang möglichst bald weiterverfolgen. Auch lernt man Bowie, Fienchen, Mono und Zanker dadurch doch so gut kennen, dass sie vertraut werden.

Ein Punkt, der diesen Prozess unterstützt, ist die verwendete Sprache. Herr Cronenberg beschreibt sie als assoziativ, „als würden die Gedanken aus den Köpfen in das Buch fließen.“

Damit drückt er aus, was Frau Bach besonders gelingt. Sie verwendet eine Ausdrucksweise, die der Jugendsprache zu zuordnen ist. Alle ihre Personen sprechen und denken so, dass ein schlüssiges Bild entsteht. Sie wirken nicht mit Jugendsprache überzogen oder schablonenhaft. Diese Sprache: Einwortsätze, Dialoge, Gedanken ist sehr geeignet, eine direkte Übertragung der Gefühle von der Person auf den/die LeserIn zu ermöglichen. Es ist durch diese Struktur der Texte ein neuer moderner Roman entstanden.

Eigene Stellungnahme:

Diese Rezension hat mir durch die Gelassenheit, die Herr Cronenberg dem Werk und den Problemen der jungen Menschen darin entgegenbringt, so gut gefallen. Andere RezensentInnen habe ihre Betroffenheit zu dem einen oder anderen Thema stärker eingebracht. Das entspricht meiner Meinung nach nicht der Intention Frau Bachs.

Ein Punkt, den er völlig außer Acht lässt, ist die Intermedialität. Musik und Film sind im Alltag der Jugendlichen im Buch wie in der Realität Normalität. Vielleicht betont er es deshalb nicht. Im Jugendbuch ist die Verknüpfung zu allen Medien und deren Referenz ein Diskussionspunkt. In diesem Buch ist sicher kein Anlass zu der Vermutung gegeben, dass es sich um Anbiederung an die Jugend handelt. Es ist nicht der Anspruch Frau Bachs sich ihre Jugendlichkeit durch einen Jugendroman zu erhalten. Sie schreibt aus einer inneren Verbindung von Musik und Sprache, die ihre Begabung kennzeichnet. „Ich glaube tatsächlich, Sprache hat eine Melodie und jeder Autor hat vielleicht auch seine eigene Melodie oder seine eigene Tonart.“(Tamara Bach)

„Schreiben ist für mich nichts Bewusstes“

Tamara Bach im Gespräch mit Bernhard Rank und Gina Weinkauff

Alois Prinz

Wie wird jemand mit diesem Namen wohl sein? Eigentlich ja Dr. Alois Prinz.

So recht hatte ich keine Vorstellung von dem, was mit mir geschehen würde. Ich hatte nicht aufmerksam in das Programm geschaut. Das kann manchmal Überraschungen bringen. Und so war es auch hier. Nach einem überflüssigen Geplänkel über den Ort, aus dem er stammt und den viele zum Ansatzpunkt nehmen, um zu ihm über zu leiten, konnte er beginnen. Er erzählte über sich und die Brüche im Leben. Nicht seine, sondern Brüche an sich, die ihn immer faszinierten. So sind die Menschen über die er schreibt, immer welche, die solche Brüche erlebten. Und die Bücher, die er schreibt sind eben Biographien.

Da er alle Bilder aus dem Internet tilgt, ist es schwierig ihn einmal ohne eine Veranstaltung zu zeigen. Meines Wissens ist auf der Seite der Carl-von -Weinbergschule Frankfurt von einer Veranstaltung eines zu finden.

Paulus war einer dieser Menschen. Und über Paulus hielt Herr Prinz uns einen Vortrag. Letztendlich trug er Erkenntnisse vor, die er für sein Buch erarbeitet hatte. Das war so spannend und intensiv, dass mir nichts mehr einfiel. Ich konnte nur noch zuhören. Das, was mir im Kurs der STUBE so fehlte, das wurde hier pur auf mich übertragen. Meine Güte! Was kann man heute über Paulus alles wissen. Wie oft er schiffbrüchig war und das er eine Nacht auf einer Planke im Wasser hing. Er wurde gesteinigt und überlebte. Er wanderte auf ein 3000 Meter hohes Gebirge, um bestimmte Städte zu erreichen. Unter schlimmsten Bedingungen, denn die Outdoor-Kleidung hatte er völlig verloren. Trotz der Steinigung, den Vertreibungen und der Mühsal, wanderte er dann nicht etwa schnurstracks nach Hause nach Antiochien. Nein, er lief diesen Weg wieder zurück!!!!!!!!!!!!!

cc by Allie Caulfield by flickr

cc by Allie Caulfield by flickr

Warum nur? Wohl, um diejenigen noch einmal zu besuchen, die in ihm den Wegbereiter zu einer neuen Religion, dem Christentum sahen. Später hat er dann begonnen Briefe zu schreiben, denn zu den Menschen hin konnte er nicht wieder.

Das ist doch ein konkreter Grund Schreiben zu lernen und Lesen. Paulus als Wegbereiter von bibliothek2009. Wer hätte das gedacht.

Ich lese und genieße gerade die Biographie von Dr. Alois Prinz über Hannah Arendt. Sie heißt:

Beruf Philosophin oder Die Liebe zur Welt

Was ich schon jetzt über die Zeit gelernt habe, ist gar nicht zusammen zu fassen. Klasse. Einen großartigen Satz hat Hannah Arendt hat geschrieben:

„Ich habe immer gewusst, dass ich nur existieren kann in der Liebe.“


Eins hinter die Ohren

Gudrun Pausewang wurde in der aktuellen „echt“ interviewt. Sie wird im November für ihr Lebenswerk von der Deutschen Akademie für Kinder-und Jugendliteratur geehrt. Die „echt“ ist ein Blättchen der Evangelischen Kirche und liest sich recht gut. Besonders die Beiträge von Connie Gerlach (schreibt auch in der Brigitte) fließen regelrecht.

Die Bücher von Frau Pausewang sind für mich ein Graus. Ich weiß, dass ich jetzt von vielen eines hinter die Ohren bekomme, doch in meinem Blog werde ich es ja mal schreiben dürfen. Sie drückt für mich den, in den Medien so präsenten Teil der Mitmenschen aus, die sich aus Angst vor der Zukunft allen neuen Technologien verschließen. Ich denke auch über die negativen Seiten der Technologien nach und befürworte wo es geht, ein Mitspracherecht aller Betroffenen. Was in meinen Augen nicht geht, ist, dass die Moderne, beginnend bei Benjamin Blümchen so gleichmäßig schlecht gemacht werden darf. (Über die Technikfeindlichkeit in dieser Reihe gab es mal eine Sendung im Deutschlandfunk. Oder auch in Jugendfilmen wie TkkG.) Greenpeace ist folgerichtig auch eine Organisation über die ich mich aufrege.

Das scheint jetzt gar nicht verständlich?

Ich habe eine große Freude an den Entwicklungen, die wir Menschen seit der Entstehung hervorgebracht haben. Es hat zu enormen Erleichterungen auf allen Gebieten geführt. Wir können es uns sogar leisten, unsere Ernährung durch wenige Bauern zu sichern. Mit den entsprechenden Maschinen werden uns gefährliche und anstrengende Arbeiten abgenommen. Wir können uns Büchern widmen und dem WEB2.0. Das möchte ich allen Menschen auf dieser Welt gönnen. In diesem einen Punkt stimme ich mit Frau Pausewang überein: Frieden ist das, was wir brauchen.

Doch diese Einstellung, dass wir Menschen furchtbarste Sachen entwickeln und alle in Gefahr bringen, ist nur eine Seite der Medaille. Die andere ist, dass wir immer älter und immer gesünder sind. Wir! Nicht die, die unter den Bedingungen leben, die wir zum Glück hinter uns haben. Unser Problem zukünftig ist eine Vernichtung des Bodens als Anbaufläche durch die konventionelle Landwirtschaft. Es gibt auch im Bioanbau diese Fragestellungen. Als Winzer, der vielleicht bekannt ist, hat sich Heymann-Löwenstein (Mosel) nach Jahren wieder vom Bioweinanbau abgewandt, weil die Spritzerei mit Kupfer eben auch zu den systemischen Mitteln gehört und den Boden verändert.

Wir haben eine Organisation in Europa, die kontrollieren soll, was zum Beispiel im Gentechnikbereich erlaubt sein soll und was nicht, die Efsa.

Greenpace verunglimpft diese Organisation und deren Wissenschaftler sogar persönlich. Warum? Sie unterstellt, dass sich alle der Industrie unterworfen haben und von ihr bezahlt werden. Hä????Warum sollten wir sie dann als Kontrollorgan einsetzen. Ich höre schon, was da jetzt als Einwurf kommt. Sehen Sie, wie das funktioniert? Warum sind die Menschen im umliegenden Ausland eigentlich nicht so schräg drauf wie wir?

Haben die wirklich alle keine Ahnung?

Was ich damit sagen will ist, es geht nicht, dass wir pauschal alles ablehnen, nur weil wir uns nicht schlau machen. Unsere Schulen sind alle grün und greenpeacessig, ohne dass wirklich geschaut wird, was denn nun wohl stimmen mag. (Beispiel Klimawandel: wird es nun kälter oder wärmer, und was ist die Ursache? CO2 oder gar H2O? )Hauptsache der Rubel rollt und die Kasse klingelt. Wie google ist greenpeace überall und sammelt für die zum Teil völlig hohlen Aktionen. Es ist eben nicht so einfach, wie es sich Frau Pausewang denkt und in ihren Büchern schreibt. Deswegen gibt es auch keinen kollektiven Aufschrei. Trotz der Szenarien, die uns den Untergang prophezeien.

Na super!

Ihr wolltet mich zum Wahnsinn treiben! Gebt es zu!!!

Bei Library Thing, so war die Aufgabe, macht ihr euch schnell mal ein Konto auf und ladet ein paar Bücher in eure eigene Online-Bibliothek.

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Guter Dinge und mittlerweile nicht unerfahren, habe ich mich angemeldet und mein erstes Buch in die Suche eingegeben.

Das Buch liegt neben mir. Es hat einen Titel und einen Autoren und sogar eine ISBN. Was sollte da also schiefgehen?

Alles!!!!!!!!!!

Das Buch gibt es, wenn ich über Amazon.de gehe oder ZVAB, im Netz. Ich gebe gerne zu, dass es älter ist. Doch das ist das Buch, mit dem ich anfangen möchte. Die angebotenen Kataloge fanden es nicht. Die Schweizer Bibliotheken hatten es dann. Aber ohne Umschlag. Gut, das lässt sich ändern. Doch irgendwie wollte ich gerne meine Ausgabe und nicht eine andere. Also „Manuelle Eingabe“ gewählt und begonnen alles einzugeben, was ich wohl herausfinden konnte. Beim Bild hat sich die Seite dann verabschiedet.

Hä!!!!!

(Das ist hessisch und heißt: Wie bitte?)

Nun sitze ich hier. Der Nachmittag ist rum. Das Buch ist drin. Und es gibt niemanden, der es in diesem Bücherverzeichnis kennt. Niemand!!!!!Was Tun? Von Nikolai G Tschernyschewski

Dabei ist es ein tolles Buch. Und es hat mich davon überzeugt, dass auf eine furchtbar schlechte korrupte, schleimige, versoffene Elterngeneration, wie sie es unter dem Zaren war, eine gute an Werten interessierte Jugend heranwachsen kann. Das Buch hat damals die Jugend verändert. Der Typ im Knast, der das Geschreibsel von Tschernyschweski las, hat die Brisanz überhaupt nicht erkannt und es rausgelassen. Zum Glück! Und auch Lenin hat sein Werk „Was tun“ danach benannt.

Hallo Digitaler Eremit, verstehst Du mich jetzt besser?