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SPD-Hessen pack ein

Aktuell vom 30.3.15 Eine Stellungnahme der Schülergruppe, die bei Blockupy dabei waren.

Was für ein wunderbarer offener Brief: Der Verleger Klaus Philipp Mertens wendet sich in einem offenen Brief an den Vorsitzenden der hessischen SPD, Thorsten Schäfer-Gümbel. Er tut mir so gut, weil nun jemand wunderbar ausformuliert, was ich seit Tagen denke.

(Offener Brief an Thorsten Schäfer-Gümbel Blockupy Frankfurt Der Verleger Klaus Philipp Mertens wendet sich in einem offenen Brief an den Vorsitzenden der hessischen SPD, Thorsten Schäfer-Gümbel.
Ein Nutzerbeitrag von bertamberg Von: Mertens & Medien_T-online [mailto:Mertens_und_Medien@t-online.de] Gesendet: Mittwoch, 25. März 2015 18:24 An: Schäfer-Gümbel, Thorsten – Fraktionsvorsitzender (HLT) Betreff: Ihre Äußerungen über Herrn Dr. Ulrich Wilken Klaus Philipp Mertens, Verleger Frankfurt a.M., den 25.03.2015

Offener Brief an Herrn Thorsten Schäfer-Gümbel Vorsitzender der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag Schlossplatz 1 – 3 65183 Wiesbaden per-Mail: t.schaefer-guembel@ltg.hessen.de)

Ihre Äußerungen über Herrn Dr. Ulrich Wilken (Die Linke) in Verbindung mit den Ausschreitungen am Rande der Blockupy-Demonstration am 18. März 2015 in Frankfurt a.M.

Sehr geehrter Herr Schäfer-Gümbel, mit Ihren Äußerungen über Ulrich Wilken, den ich persönlich nicht kenne und dessen Partei ich nicht angehöre, haben Sie mir und vielen anderen Wählern der SPD, aber auch manchen Parteimitgliedern (z.B. meiner Ehefrau), signalisiert, dass Sie auf unsere Stimmen und unsere Unterstützung keinen Wert mehr legen.

Deswegen distanziere ich mich von Ihnen aus diesen Gründen: 1. Sie behaupten in demagogischer Weise, dass die Blockupy-Organisatoren und namentlich Ulrich Wilken die gewaltsamen Ausschreitungen am Vormittag des 18. März hätten verhindern können, obwohl die Demonstration erst für den Nachmittag und obendrein an anderer Stelle, auf dem Römerberg, angemeldet war. Tatsächlich befanden sich am Vormittag etwa vierzig Blockupy-Sympathisanten, zumeist Studierende der Johann Wolfgang Goethe-Universität, einige davon Juso-Mitglieder, zufällig im Bereich der Flößerbrücke und wurden Augenzeugen der Krawalle. Ihre Bemühungen, schlichtend einzugreifen, blieben erfolglos. Letzteres misslang auch aus sprachlichen Gründen, denn anscheinend handelte es sich bei den Randalierern überwiegend um eine Gruppe von mindestens Zweihundert Italienern. Da Sie mit Ihrer Rundum-Attacke auch diesen um eine friedliche Lösung bemühten jungen Menschen Komplizenschaft mit Chaoten vorwerfen, begründen Sie eine neue Dolchstoßlegende und gefährden den inneren Frieden der Bundesrepublik Deutschland. Wer so etwas tut, platziert sich abseits des demokratischen Sektors und darf nicht mehr auf die Stimmen von Demokraten hoffen.

2. Sie missachten mit Ihren Vorwürfen gegen Ulrich Wilken Artikel 8 des Grundgesetzes sowie die Bestimmungen des Versammlungsgesetzes, da Sie eine noch weitergehende, aber praktisch nicht durchführbare Verantwortung jener behaupten, die Demonstrationen organisieren und sie entsprechend den Vorschriften anmelden. Ihrer Forderung fehlt jedoch jegliche rechtliche Grundlage. Angemeldet war für den Nachmittag eine Demonstration auf dem Römerberg, die in einem Marsch zum Platz vor der Alten Oper ihr Ende finden sollte. Den Organisatoren einschließlich Herrn Wilken kann nicht nachgewiesen werden, dass sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten nicht auf das Verbot aktiver und passiver Bewaffnung, das der Vermummung und das der Verletzung fremden Eigentums ausdrücklich hingewiesen hätten. Dass sie ihren Verpflichtungen nachgekommen waren, lässt sich allein dadurch beweisen, dass die angemeldete Versammlung gewaltfrei und weitestgehend störungsfrei verlief. Gewaltfrei verlief auch eine Demonstration des DGB am Mittag unmittelbar vor der Sperrzone um die EZB. Diese Demonstranten hatten, meinen Gewährsleuten zufolge, zu Beginn partiell Kontakt mit Randalierern; ihnen gelang aber auch nicht, was den Studierenden am Morgen und was den seit der Nacht bereitstehenden Polizisten schon nicht gelungen war. Deswegen verzerren Sie in übelster Weise die tatsächlichen Vorgänge und lasten die Verfehlungen einer Minderheit den Blockupy-Organisatoren, vorrangig Herrn Wilken, an; mutmaßlich, weil letzterer nicht in Ihr politisches Weltbild passt.
Ihre Forderung nach Distanzierung, auch dann, wenn eine solche wegen der Faktenlage unmöglich ist, erscheint mir wie die Haltung des Pilatus, der seine Hände in Unschuld wäscht, obwohl ihm die Zusammenhänge klar sind, klar sein müssen.

Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer, vom NS-Staat ermordet, sprach in seiner hinterlassenen Schrift „Nachfolge“ von der billigen Gnade als dem Todfeind der Menschheit (und der Kirche) und meinte damit die Gnade, die wir mit uns selbst haben, vor allem mit unserer Selbstgerechtigkeit, mit der wir uns allzu leichtfertig zum Richter über andere machen. Im konkreten Fall (also von EZB und Griechenland-Krise) hätte ich von Ihnen beispielsweise Demut erwartet angesichts der mittlerweile Hunderten von Toten in Griechenland, die wegen Hungers und wegen fehlender Medikamente in den Krankenhäusern gestorben sind oder die sich aus Verzweiflung das Leben genommen haben. Ihnen, den Opfern einer verfehlten Politik von EU, EZB und Weltbank, verlieh Blockupy eine Stimme. Eine Stimme, die Sie gemeinsam mit Ihren Verbündeten in CDU, Grünen und FDP zum Schweigen bringen wollen.
In das Weltbild aufgeklärter Bürger, die jahrzehntelang mit der SPD sympathisierten, zum Teil (noch) Mitglieder sind, passen Sie seit Ihrem unwürdigen Auftritt am 24. März 2015 im Hessischen Landtag definitiv nicht mehr. Für mich, und ich spreche hier für einige Tausend Multiplikatoren der Kulturszene, sind Sie und die SPD nicht mehr wählbar. Und das werde ich, das werden wir, auch überall deutlich machen.

Mit höflichem Gruß Klaus Philipp Mertens

P.S. Haben Sie sich bereits von der Zustimmung der SPD zu den Kriegsanleihen von 1914 distanziert? Immerhin hatten diese 18 Millionen Tote zur Folge. Oder von Gustav Noske, der 1918/19 auf demonstrierende Arbeiter schießen ließ?
Klaus Philipp Mertens Geschäftsführender Gesellschafter der Mertens & Medien Verlagsbuchhandel GmbH Tucholskystr.9 60598Frankfurt am Main Tel.(069) 61 99 35 98 Fax(069) 61 99 35 94
Hier der Originalartikel im Freitag https://www.freitag.de/autoren/bertamberg/offener-brief-an-thorsten-schaefer-guembel

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Sintomer polarisiert famos

Nein, das hatte ich auch noch nie erlebt.

Kaum war das letzte Wort verklungen, da debattierten die ca.150 Leute aufgeregt untereinander weiter. Alles war ihnen nicht recht. Das Publikum, die Bearbeitung des Themas, was nicht bearbeitet wurde und vor allem was am Ende herauskam. Doch darauf wollte niemand mehr eingehen…

Sprachlos erst verfolgte ich, was sich da entwickelte und genoss es. Ein Riesenerfolg, denn alle hatten etwas zu sagen und wussten vieles besser als Professor Sintomer. Kann man mehr erreichen, als das so ein Austausch untereinander entsteht??

Wer ihn mal wirklich kurz ansehen möchte, kann es hier tun: https://www.youtube.com/watch?v=eeMiM2iyD1Q

Allein schon mit so vielen Zuhörern hatte niemand gerechnet. Ein anderer Raum und dann viele Stühle mussten organisiert werden. Worum ging es? Hier die ausführliche Antwort: http://www.sptg.de/pm_2014-10-28_grosser_sintomer.aspx

Kurz zusammengefasst: Um die Lage der Repräsentativen Demokratie.

Frankreich, ein wenig Deutschland zum Vergleich oder als Referenzpunkt.

Viele der Gäste hatten etwas mit Frankreich zu tun und so wurden die Beschreibungen über die politische Lage in Frankreich auch verstanden. Natürlich wurde von Prof. Sintomer auch kurz zu „Je suis Charlie“ gesprochen. Es ist eine Formulierung, die so offen ist, dass sich alle darunter sammeln konnten. Ich möchte auf die Diskriminierung der Minderheiten und speziell der jüdischen Bevölkerung nicht weiter eingehen. Sie wurden erwähnt.

Es ging ja um die Frage, ob die französische Situation etwas speziell französisches ist oder doch das Zeichen einer allgemeinen Krise der repräsentativen Demokratie beinhaltet. Ja, und er sieht es so, dass es ein Teil der globalen Krise ist. Daher auch alle nationalen oder rückwärts gewandten Ansätze zu einer Lösung nicht zielführend sind. Denn alle Fragen können nur noch global eine Antwort finden.

Nun gehen viele Ländern nicht den Weg der Demokratie. Und auch in Deutschland ist die Frage aktuell. Was ist denn wirklich demokratisch? Stuttgart 21?????

Nachdem aus seiner Sicht vier unrealistische Modelle für die Zukunft abgehandelt wurden, kamen vier, die eventuell eine Chance haben, wenn man die Entwicklungen weltweit einbezieht:

Die Postdemokratie, die als Scheindemokratie die Macht beim Markt belässt.

Der Autoritarismus, bei dem die Öffentlichkeit, der Parteienwettbewerb und der Rechtsstaat begrenzt werden. Macht bedeutet hier auch Gewalt gegen das eigene Volk.

Der Zusammenbruch der Demokratien durch Krisen (ökologische, Finanz…), die dann in Diktaturen enden.

Die Demokratisierung der Demokratie, durch mehr Macht in direkter Bürgerbeteiligung und mehr Macht für NGOs. Dabei zeigte er auf die Veränderungen, die durch den Feminismus, bzw. einzelne Frauen oder auch Männer schon erreicht worden wären ohne eine Revolution zu machen.

(Hier an dem Punkt blieb den alten Herren der Mund offen.)

Island wurde als Beispiel genannt und natürlich die Schweiz.

„Den Leuten vertrauen und sie unterstützen, in dem wir die Rahmenbedingungen schaffen für bürgerliches Engagement.“

(Hier stiegen die letzten aus.)

Und ich sage: KLASSE und ja, lasst uns das machen und versuchen.

Frankfurt bleibt bunt

Unglaublich viele Menschen waren dem Ruf des Römerbergbündnisses gefolgt. Es wurde richtig eng auf dem Römer und wir wissen nun, dass wirklich 10 000 Menschen dort demonstrieren können. Mehr eher nicht.

Ich habe mich über die Reden zum Teil geärgert. Zum Teil waren sie gut. Mia Lehmann vom Stadtschülerrat hat mir mit der direkten unverkrampften Aufforderung nicht zu zusehen, sondern aktiv zu werden gut gefallen und sie nannte auch die Parteien als Verursacher für viele Probleme, denn sie machen die Gesetze. Nett auch anzusprechen, dass manche Lehrer viel falsch machen im Unterricht in diesem Punkt Rassismus. Da sprach sie mir aus der Seele sozusagen.

Frau Eskandari-Grünberg erzürnte mich mit dem ungefähren Ausruf: „Wir sind eine tolerante Stadt-aber die an der Hauptwache gehören nicht dazu.“ Was alles in Frage stellt. Wo ziehe ich die Grenzen zu denen, die dann nicht mehr in die tolerante Stadt gehören? Wäre es nicht besser, uns aufzurufen in Ruhe sich gegen zerstörende Tendenzen innerhalb der Bevölkerung zu stellen und ein Klima aufzubauen, wo die Andersdenkenden zwar ihren Platz haben, aber nicht viel anrichten können?

Die Rede der Pröbstin Scherle ging mir an dem Punkt nicht weit genug, dass sie ausschließlich vom Asylrecht sprach. Das kommt aber gar nicht oft zum Tragen. Wir brauchen Einwanderungsgesetze. Nicht ein verändertes Asylrecht. Und der zweite Punkt, der mir nicht einleuchtet: Die Verknüpfung von asozialem Verhalten mit wirtschaftlich verschlechterten Bedingungen. Also, wenn die Wirtschaft weiter runterfährt, dann ebnet ihr den Weg für Rassismus,… Das trifft meines Erachtens nicht den Kern. Ich habe die Verantwortung für mein Tun in jedem Fall, egal, wie gut oder schlecht es mir geht. Ein Beitrag zu einer weiterführenden Idee kommt aus der Goethe-Uni: http://www.fnp.de/lokales/frankfurt/Wissenschaftler-der-Goethe-Uni-Wir-brauchen-Zuwanderung;art675,1189350

Ich möchte aber gar nicht weiter die Reden betrachten, dabei müsste der OB ganz gut wegkommen und Stephan Siegler mit dem Versuch uns auf die Ebene von Pegida runterzuziehen mit der Aufforderung „Wir sind das Volk“ zu rufen, ganz ganz schlecht…..

Also, ich habe die selbstgebastelten Schilder mitgebracht. Leider nicht wirklich scharf, da es schon dunkel war. Trotzdem zeigen sie, was den Menschen wichtig war.

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Zum Neujahr

So unsicher wie dieses Jahr über die Weltlage und auch hier habe ich mich noch nie gefühlt.
Daher ist es mir wichtig euch einen guten Rutsch zu wünschen in ein Jahr, dass wir hoffentlich verdaulicher finden.
Lasst es euch heute gut gehen und trauert nicht über die vergangene Zeit. Ab Morgen ist nicht alles anders, doch hilft dieser Jahreswechsel beim Versuch die Dinge neu zu sehen, das Alte hinter sich zu lassen.

Wichtiger als zuvor ist es, die eigenen Werte zu erkennen und zu verteidigen gegen Verbrecher in der Politik und der Wirtschaft. Es gibt da auch gute Leute. Finden wir sie und unterstützen wir sie.

2015 ist ein großes Versprechen an uns und alle Mitmenschen

Neujahr 2015

Ja oder lieber Nein zum Netz-Ein Kommentar zum Polytechnik-Kolleg 2013

Hier meine Thesen zu gestern, die zugegeben etwas provozieren können: Daher ja zum Austausch

Wie war es gestern im Polytechnik-Kolleg in Frankfurt

Für im Netz Aktive eher traurig. Klischees der alten Männer, die selber wohl nur Wikipedia nutzen, Ebay und Amazon und nur Google als Suchmaschine kennen. Nur Frau Prof. Dr. Grell und eine Schülerin aus dem Liebig Gymnasium waren wirklich klasse. Vielleicht gefallen haben auch noch Prof. Rath und Herr Bickedahl natürlich. Die wussten wenigstens, worum es ging und hatten Positionen, die der Realität nahe kamen.

Schön war, mit dem Museum für Kommunikation die Veranstaltung über Twitter zu begleiten. #ptk2013  Schau mal rein.

Sie bieten ein Storify über die Tweets und Links an. Nur das Wann ist noch nicht klar. So gesehen war die Netzgesellschaft zwar nicht gleich für alle sichtbar, aber doch nachvollziehbar und da.

 

Allerdings war es super, dass dieses Event stattfand. Denn so kamen die Welten mal in Berührung.

Wir müssen noch viel tun, um den politischen Quatsch abzustellen: Das Netz liefere keine demokratiefähige Mehrheit und schließe viele aus und kann deswegen nicht ernsthaft herangezogen werden für die Gestaltung unserer Demokratie. Das kann ich für die Situation außerhalb des Netzes auch bestätigen.

Wie war es mit der Mobilisierung gegen die Privatisierung von Wasser? Eine Onlineaktion nicht nur aber zum großen Teil, die Millionen mitmachen ließ und zum Erfolg erst einmal führte.

Die Herren sehen keine Chance im Netz, sondern ihren persönlichen Bildungskanon gefährdet oder nicht anerkannt.

Ein Beispiel:

Die aktuelle schlechte Jugendsprache wurde mit dem Nutzen des Netzes verknüpft.

Dass gerade die, die gar nicht ins Netz gehen die größten Sprachdefizite haben, spricht gegen eine solche Argumentation.

Und jede Frage wurde mit den Totschlagargumenten beantwortet:

Kriminalität, Pornografie, Gefährdung, unkritische Netzgläubigkeit…

Wenn sich Leute im Netz schlau machen, hieß es: Sie erkennen die Institutionen wie Stiftung Warentest oder Ärzte nicht mehr an…und so weiter.

 

Die Frage stellt sich: Warum nutzen wir dann das Netz?

Warum sehen wir uns vor die Frage gestellt, so eine Veranstaltung zu organisieren?

Frau Prof.Dr.Grell findet da schnell eine Antwort: Es fehlt Medienbildung in der Gesellschaft und sie tut was dagegen.

 

 

 

UmFAIRteilen

Der Titel heute für die Veranstaltungen in insgesamt 40 Städten heute.

Es ging immer wieder um die Schulden, die uns entstehen, durch die Übernahme der Schulden, die die Banken auslösten. (Anmerkung aus Twitter: Die Schulden wurden nicht  von den Banken verursacht, sondern von Politikern die Darlehen der Banken als Geschenke unters Volk brachten.) Siehst Du das auch so??? Hier ein Link zu einem FAZ-Artikel

Diesen 500. bekamen wir alle um Krach zu machen, denn gefaltet und geschlagen knallt es. Der Direktor der Caritas des Bistum Limburg, Dr. Hejo Manderscheid hielt eine viel zu lange Rede und erzählte, was wir schon alle wissen und weswegen wir doch kamen. WARUM tut er das? Das nimmt die Menschen nicht ernst. Dazu fand ich einige Aspekte in der Rede fragwürdig. Vielleicht ist er ja der Meinung, doch er hat es so ausgedrückt, als wäre es so. Das regte mich nun wieder auf, denn würde er es als seine Meinung darstellen, könnte ich mir überlegen, wie ich das finde. So erzeugte er nur Abwehr.

Auf der Rückseite das Motto von heute.

Nur der Narr hält diese Gesellschaft noch aus. Wir werden ihn noch einmal später sehen.

Die Verdischlange

„Alles Blech“ heizte mehr ein, als die Stimmung untereinander hergab. Ganz ganz gut!

Ganz anderes Publikum als bei den Occupy-Demos? Nicht ganz anders-aber andere Organisationen riefen auf. Es war mehr und bessere Ausstattung, als Occupy je aufbringen konnte. Ordner und „ausgewiesene Backstage“ regelten dezent den Lauf der Menschen. Aber gute Stimmung war nicht. Warum? Dazu komme ich noch weiter hinten.

Ja, da ging es auch in der Abschlussrede drum. Und auch in einem Lied von Konstantin Wecker(Virus). Ohne Anzughosen sehen die Männer, die uns den Kummer gebracht haben nicht besonders gut aus. Der Gedanke wurde geäußert, die mal mit einem Euro am Tag auskommen zu lassen.

Klar, wogegen der Zorn sich richtet.

Und welche Befürchtungen das auslöst.

Das Wort Generalstreik war zu hören und auch Klassenkampf wurde durch die SDAJ auf erstaunliche Weise installiert. Blitzschnell war das Transparent an dieser schwierigen Stelle oben.

Unbedingt erwähnt werden müssen diese tapferen Kämpfer. Sie wollen ihre Arbeitsplätze zurück. MAREDO

Und da besprechen sich die beiden Künstler vor dem Auftritt und sie warten, denn wieder hört der Redner nicht auf zu reden.

Auf dem Denkmal entsteht ein Nebenschauplatz. Durchaus angebracht bei dem Thema. Überall wird auf unsere Kosten Kasperle-Theater gespielt. Das könnte der Narr ausdrücken.

Und dann sprach nach einer Performance der Französischen Gruppe Klee (warum die?) der große Vorsitzende Bsirske. Und alles was er sagte war gut, doch da er nicht aufhörte, Menschen vor der Bühne und auf der Bühne nicht ernst nahm, wurden seine Worte als nicht authentisch erlebt. Eine vertane Chance. Meine Güte, wann lernt ihr es denn endlich? So kann man die Leute nicht mehr ansprechen. Und dazu noch Klatscher(siehe oben) verteilen. Grausig!!! Das kann Occupy besser. Aktive Zuhörer und klare Orientierung auf die, die zuhören und nicht auf die Medien, die zur Hälfte die Bühne füllen.

Ganz hervorragend hat mir dieses Bild gefallen. Natürlich wollte die Gebärdenübersetzerin nicht das ausdrücken, was ich eben beschrieben habe. Doch so, wie man es sehen kann war es.

Derweilen enstand ein eigenes Theater auf dem Denkmal und später wurde auch noch ein Plakat enthüllt. Kann man die Kasperlepuppen erkennen?

Und dann kam Konstantin Wecker und sprühte die schlechte Laune einfach weg. Das Lächeln von Frau Merkel besang er wie Absurdistan als Ausdruck für die Verhältnisse in unserem Land und Empört Euch! Mit einem Musiker gab es eine Percussion-Einlage. Das hat mir wirklich gut getan und auch gefallen. Er hält mich nicht für zu doof, sondern nimmt mich mit auf die Reise durch seine Gedanken und ich kann es dann selber bewerten. So finde ich das Herangehen richtig.

Neta Chervinsky und die Roma-Ein kurzer Blick auf ein aktuelles Thema

Konzert im HR-Sendesaal

Mit dem Projekt „Voices United“ hat die junge Stadtteilbotschafterin am 6. 9. im HR-Sendesaal ein bemerkenswertes Konzert geboten. Mit bewundernswerter Sicherheit suchte sie Stücke heraus, die in einem halbjährigen Projekt von den Chören der Louise-von-Rothschild-Schule und dem Goethegymnasium zu bewältigen waren: Die Zigeunerlieder von Brahms

Auch alle anderen Werke, die von „Nachwuchskünstlern“ vorgetragen wurden rankten sich um die Einflüsse der Musik der Roma auf die europäische Kultur. Im übrigen sagt das Wort Nachwuchskünstler nur aus, dass die MusikerInnen eben noch jünger waren und bereit dieses Projekt ehrenamtlich zu unterstützen.

Wir erlebten einen ereignisreichen Abend.

Voices United war nicht nur der Name des Konzertes. Der Chor aus den SchülerInnen nennt sich ebenfalls so. Und das Bild, dass er bot war weltumfassend. Aus allen Kontinenten schienen die MusikerInnen angereist zu sein. Nur, dass man den hessischen Dialekt als gemeinsames Bindemittel heraushören konnte. Also auch noch Frankfurter Lokalcolorit.

Ganz bezaubernd.

Als Thema durchzog die Musik der Roma alle Stücke. Für mich ist es ein kleines Wunder, wie Frau Chervinsky sich damit einem aktuellen in Frankfurt völlig ungeklärtem Thema stellt.

Und ich war an diesem Abend einfach dankbar dafür.

Im Occupy-Camp, daran erinnern sich alle, waren auch BewohnerInnen aus dem Volk der Roma. Nur wollte dort niemand ihre Musik hören. Weg sollten sie. Die Brisanz  des Themas und die erlebte Nähe weckte die Campbewohner auf, an diesem Punkt der Stadtregierung gegenüber nicht nachzulassen und Hilfe zu erreichen. Wie so oft hat die bevorstehende Niederkunft zweier junger Frauen die sonst harten Abschiebemethoden verhindert.

Im Gespräch mit Herrn Petrovich erfuhr ich, dass die Roma noch nie ein anderes Volk kriegerisch überfallen haben. Man kann also sagen, dass sie seit über 500 Jahren von den europäischen Völkern vertrieben und nicht geduldet herumgeschubst werden. Aus Kirchenkreisen erfuhr ich weiter, dass der Deutsche Städtetag eine Absprache getroffen hat, nach der keine Stadt es den Roma(und Sinti) gemütlich machen darf, damit sie sich dort nicht ansiedeln und dann immer mehr werden.

Das heißt, auch jetzt wird in Deutschland genau diese Vertreibung, die wir in brutalerem Maße in Frankreich und Rumänien ablehnen jeden Tag ausgeführt.

Nach meinen Erfahrungen aus den Besuchen im Camp setze ich dagegen:

Wir haben die Verantwortung für unsere Mitmenschen und müssen Ihnen vernünftige Wohnungen gegen kleine Mieten zur Verfügung stellen um sie aus dem Status der verfolgungsfähigen Minderheit heraus zu holen. Und wir zahlen für die nächsten 100 Jahre Wasser, Strom und fahren jede Woche den anfallenden Müll ab auf unsere Kosten. Damit kann eine Ansiedelung und ein Miteinanderleben auf vernünftige Füße gestellt werden. Keine Integration nach unseren Regeln, wie in Bockenheim, wo der Einzug einer Familie in der örtlichen SPD Panik auslöste und sie einen Katalog an Forderungen aufstellte, die die Familie zu erfüllen habe. Nein! Wohnraum zu kleinen Mieten, Wasser, Strom und Sauberkeit zur Verfügung stellen und in Ruhe kommen lassen, was sich entwickelt.

Denn falls es jemand noch nicht weiß, es sind unsere Mitmenschen.