Posts Tagged ‘Lesemotivation’

Asphaltspringer

by Amazon

Gar nicht leicht zu sagen, was einem hier alles begegnet. Das Famose ist, dass man vieles auch zu Ende denken muss. Manches ist nicht ausformuliert. Es liegt in der Luft. Durch das Mitdenken wird man so einbezogen und direkt beteiligt, dass mich das Lesen dieses Buches aktiviert hat.

Und noch etwas merkwürdiges ist mir geschehen. Ich bekam eine Ahnung davon, wie die Geschichte wohl weiter gehen könnte und war echt genervt. Denn das war ein hartes Thema, mit dem ich mich eigentlich gar nicht konfrontieren wollte. Doch während ich das Buch wieder in die Hände nahm und weiterlas, veränderte sich das Erwartete in Unerwartetes. Trotz der unangenehmen Problematik wollte ich ohne Unterbrechung weiterlesen. Es entstand ein spannender Prozess, der sich bis zum Schluss weiterentwickelte. Schwerpunkte waren die Thematik des Romanes und der Charakter des Ich-Erzählers Dipper. Ich erzähle jetzt nichts.

Mir fiel immer wieder der Roman von Luca Bloom ein: Ich, Eias. Auch dort gibt es Jugendsprache, Sex und Alkohol. Doch Frau Reh hat das soviel einfacher und glaubwürdiger konstruiert. Die Sprache wird selber Thema, wenn Dipper reflektiert, was jeder von ihnen so sagt, wenn er redet. Ich sehe die Verwendung von Jugendsprache in diesem Buch nicht als Anbiederung und kann gar nicht erklären warum. Sie richtet sich auch nicht gegen irgendwelche Gruppen der Gesellschaft oder diskriminiert.

Es ist auch immer zu hinterfragen, wie eine Frau sich in einen jungen Mann hineinversetzen können soll oder ein Autor in eine Frau. Da möchte ich jetzt nicht weiter drauf eingehen. Dipper ist ein junger Mann aus einfachstem Milieu. Seine Freunde leben anders. Das ergibt ein ganz großartiges Nebeneinander von Szenarien. Es geht keinem wirklich gut. Jeder hat sein großes oder sehr großes Päckchen zu tragen. Und diese Päckchen gibt es eben wirklich. Dann spielt alles in einer Großstadt. Dort treffen sich die jungen Leute zum Parkour. Wenn ich es richtig verstanden habe, sehen sie die Bauten einer Stadt nicht als Einrichtung mit fester Nutzung, sondern als Herausforderung, diese in ihre Wege mit einzubauen. Dazu benötigen sie Kraft und Geschicklichkeit und Wachsein. Sie trainieren ausdauernd ihren Körper und ihren Geist, um die „Figuren“ des Parkours wirklich zu beherrschen. Dabei übertreten sie die Grenzen des Normalnutzers. Und es ist durchaus gefährlich, wenn sie ihre Kraft falsch einschätzen.

Für mein Thema „Demokratie“ ist zu einem spannend, wie diese Gruppe ohne sich ständig mit dem Status der anderen zu vergleichen klar kommt. Ja, die Ansagerei, das Bestimmen von Jay oder Corone sind für Dipper eine Frage. Und weil er an der ersten Liebe und seinen Fragen wächst -wieder im Gegensatz zu „Elias“-kann man dieses Buch als Entwicklungsroman bezeichnen.

Ich finde Städte ja klasse. Sie bieten immer noch mehr Möglichkeiten als das Land. Wenn wir sie etwas menschenfreundlicher bauen, dann wird ihr Nutzen deutlicher werden.

Zum anderen ist die Frage ungelöst, wie der Staat mit Gegnern des Staates umgeht. Durch einen Zufall, den es eben auch gibt (Da fällt mir die Frau ein, die ihr Rad an der Frankfurter Uni vorbeischob, als die Polizei gerade die Mensa räumte.), kommen die jungen Leute in Konflikt mit der Polizei. Die aus einem ganz anderen Grund ihnen gegenüber Vorurteile hat. Es ergeben sich blitzschnell Verwicklungen, die keine vernünftige Auseinandersetzung mehr zulassen. Auf einmal ist die Staatsmacht mit im Spiel. Und die Polizisten haben ihrerseits Angst. Da geht dann nichts mehr. Für einige der neuen „Stadtguerillas“ist das ein Thema. Egal ob sie verboten Blumen pflanzen oder Schilder um malen. (Stopp war)

Ich kann es nur empfehlen. Was für ein Buch!

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Ich, Elias von Luca Bloom

Wenn ich mir die Rezensionen durchlese, die Jugendliche zu diesem Buch geschrieben haben, dann sind doch einige LeserInnen sehr zufrieden und ich sehe mich wieder eher am Rand stehen. Nach den ersten 30 Seiten wollte ich das Buch weglegen. Die Art und Weise, wie über Mädchen geredet und gedacht wird, hat mich sehr angestrengt.

Zum Glück sah ich in meinem Frust noch einmal nach den Rezensionen. Und hätte Ulf Cronenberg nicht eher begeistert über das Buch geschrieben, wäre es das Ende gewesen.

Doch durch die Beschreibung gab ich Herrn Bloom, der eine Frau ist noch eine Chance. Und wirklich: Ab der Mitte werden andere Worte benutzt, kommt wirkliche „Liebe“ und damit ein Wandel in der Ausdrucksweise hinein. So wie Elias innerlich in diese Liebe wächst, wächst auch dieser Roman und verbessert sich die Glaubwürdigkeit der verwendeten Sprache.

Am Anfang ist es kaum zu ertragen, wie mies sich Elias selber beurteilt. Auch die Beziehungen, die er führt sind absolut unbefriedigend. Nichts ist da, was ihn groß werden lässt. Dazu die abwertenden Bezeichnungen für Frauen wie „Sportlesbe“ für die in einer Frauen-WG lebenden Sportlehrerin. Nee!! Das fand ich zu dick aufgetragen vom Autor. Das mag ich auch nicht.

Der dramatische Höhepunkt ist das Zusammengeschlagenwerden durch einen ihm unbekannten Mann. Elias war von einer etwas älteren Frau verführt worden -also zwei Menschen möchten zusammen Sex erleben – und ihr Mann rächt sich an Elias dafür.(HÄ?) In der Öffentlichkeit wird Elias brutalst zusammengeschlagen und getreten. Niemand hilft. So ein Erlebnis löst bei den Opfern traumatische Erfahrungen aus an deren Folgen sie lange leiden.

Nicht so Elias. Er sagt auch noch, dass ihm das zu Recht geschehen wäre. (!!!!!!)

 

Wenn ich aus meinem Blickwinkel: „Wie spiegelt sich die Demokratie im aktuellen Jugendroman wider“ auf dieses Buch schaue, dann sieht es ganz mau aus. Alle Personen werden nicht ernst genommen, abgewertet. Das Ende lässt Elias zurück in einer Trauer, aus der man ihn nicht wachsen sehen kann. Ich verstehe den Wunsch von LeserInnen nach einem zweiten Teil. Was ist denn mit Elias geschehen? Das alles fehlt. Na klar kann man Bücher schreiben, die eine bestimmte Situation beschreiben und wie man sich darin fühlt. Für die positive Weiterentwicklung, hin zu einer besseren Welt dient dieser Roman nicht. Da ist nichts in den Charakteren, nichts in der Story, was man mitnimmt. Es ist eher wie eine Cola. Trinken und fertig.

Würde unsere Gesellschaft das Prinzip der unversehrten Intersubjektivität(*) achten und wir uns alle als gleichwertig anerkennen, dann gäbe es diesen Roman nicht. Insofern sagt er schon etwas über unsere „Demokratie“ aus.

 

 

(*) Verena Kast: Vom Sinn des Ärgers

Seite 205

Tamara Bach: „Jetzt ist hier“

Meine erste richtige Rezension und dann noch von einer Rezension! So war die Aufgabe diesmal im Rahmen der Stube. „Schreiben Sie eine Rezension einer Rezension.“ Öh, hatte ich das schon jemals gemacht? Wie schreibt man eine Rezension. Nach meiner Suche im Netz kam nun folgendes heraus:

Ulf Cronenberg schrieb in seinem Jugendbuch-Blogarchiv diese Beurteilung. Und ich nun davon meine:

Inhaltlicher Überblick:

Mit einem Verweis auf den ersten Preis für das Buch erklärt der Autor, warum er diese Rezension geschrieben hat. Dann fasst er den Inhalt zusammen, indem er die vier Hauptcharaktere kurz in ihrem Hauptproblem skizziert. Er reißt die Vorstellung nur an und deutet mit drei Punkten an, dass es noch mehr zu sagen gäbe. Dann folgt seine Bewertung des Buches. Dabei geht er auf die Erzählweise, die Lebensbeschreibungen und die verwendete Sprache besonders ein. Sein Fazit bezieht sich auf die gelungene Darstellung des Lebensgefühls von Jugendlichen.

Kontextualisierung:

Herr Cronenberg ordnet das Buch nicht einer Gattung zu, doch schon bei der Beschreibung des Inhaltes erkennt man den Adoleszenzroman wieder. Die geistige- und soziokulturelle Umbruchphase steht im Mittelpunkt ist zentrales Handlungsmotiv. Alle vier haben nichts vor, hängen herum, beschreibt Herr Cronenberg die Situation. Alle vier haben nach der Woche, in der wir sie erleben dürfen eine Entwicklung vollzogen, die aber nicht in einer Lösungsvermittlung mündet.

Mit einer Leichtigkeit beschreibt Cronenberg die Jugendlichen. Da er selber viel mit Jugendlichen als Schulpsychologe arbeitet, stöhnt er bei der Verstricktheit der Jugendlichen in die Beziehungen untereinander und zur Familie nicht auf, sondern betont die Nähe zur Lebenswirklichkeit Jugendlicher. Sie sind sie miteinander befreundet. Nicht mehr und nicht weniger. Es wird keine Tiefe der Freundschaft angegeben. Sie wechselt ja auch. Er verurteilt auch niemanden. Zum Beispiel beschreibt er Zanker so, dass der/die LeserIn sich ein eigenes Bild von ihm machen kann. Es wird offen gelassen, ob Zanker so ist, wie sein Vater ihn beschreibt. Es gibt durch Herrn Cronenberg auch keine Gewichtung in den Problemen der Jugendlichen. Bowie, dessen Kummer und Trauer über den Tod der Mutter ihn stark gefangenhält, hat kein größeres, schwerwiegendes Problem als Mono und Fienchen mit ihrem Liebeskummer.

Um alle vier Hauptcharaktere verfolgen zu können und zwar möglichst zeitnah, wird zwischen den Charakteren ständig gewechselt.

Wir erleben die Vier von einer gleichbleibenden Perspektive, die wie eine Draufschau uns die Dialoge und Gedanken mitteilt. Auch von dort gibt es keine Bewertung der Charaktere. Diese Erzählweise fasziniert den Autor besonders. Denn er möchte den unterbrochenen Erzählstrang möglichst bald weiterverfolgen. Auch lernt man Bowie, Fienchen, Mono und Zanker dadurch doch so gut kennen, dass sie vertraut werden.

Ein Punkt, der diesen Prozess unterstützt, ist die verwendete Sprache. Herr Cronenberg beschreibt sie als assoziativ, „als würden die Gedanken aus den Köpfen in das Buch fließen.“

Damit drückt er aus, was Frau Bach besonders gelingt. Sie verwendet eine Ausdrucksweise, die der Jugendsprache zu zuordnen ist. Alle ihre Personen sprechen und denken so, dass ein schlüssiges Bild entsteht. Sie wirken nicht mit Jugendsprache überzogen oder schablonenhaft. Diese Sprache: Einwortsätze, Dialoge, Gedanken ist sehr geeignet, eine direkte Übertragung der Gefühle von der Person auf den/die LeserIn zu ermöglichen. Es ist durch diese Struktur der Texte ein neuer moderner Roman entstanden.

Eigene Stellungnahme:

Diese Rezension hat mir durch die Gelassenheit, die Herr Cronenberg dem Werk und den Problemen der jungen Menschen darin entgegenbringt, so gut gefallen. Andere RezensentInnen habe ihre Betroffenheit zu dem einen oder anderen Thema stärker eingebracht. Das entspricht meiner Meinung nach nicht der Intention Frau Bachs.

Ein Punkt, den er völlig außer Acht lässt, ist die Intermedialität. Musik und Film sind im Alltag der Jugendlichen im Buch wie in der Realität Normalität. Vielleicht betont er es deshalb nicht. Im Jugendbuch ist die Verknüpfung zu allen Medien und deren Referenz ein Diskussionspunkt. In diesem Buch ist sicher kein Anlass zu der Vermutung gegeben, dass es sich um Anbiederung an die Jugend handelt. Es ist nicht der Anspruch Frau Bachs sich ihre Jugendlichkeit durch einen Jugendroman zu erhalten. Sie schreibt aus einer inneren Verbindung von Musik und Sprache, die ihre Begabung kennzeichnet. „Ich glaube tatsächlich, Sprache hat eine Melodie und jeder Autor hat vielleicht auch seine eigene Melodie oder seine eigene Tonart.“(Tamara Bach)

„Schreiben ist für mich nichts Bewusstes“

Tamara Bach im Gespräch mit Bernhard Rank und Gina Weinkauff

Donata, Tochter Venedigs

Besprechung eines historischen Romanes von Donna Jo Napoli

Frau Professor Napoli stammt aus einer italienischen Familie. Da sie in den USA lebt, hat sie vermutlich versucht, ihre italienischen Wurzeln zu ergründen und sich in die Geschichte Venedigs eingearbeitet. Sicherlich nicht zufällig heißt die „Heldin“ Donata in Anspielung auf ihren eigenen Namen. Und schon sind wir mittendrin in der Frage, was denn diesen Roman zu einem historischen Roman macht. Sicher ist Frau Napoli als Linguistin bestens mit den aktuellen Diskussionen über das Entstehen von Geschichte durch das Schreiben bestens vertraut. Geschichte ist gestaltete Erinnerung. Sie wird im historischen Kinder-und Jugendroman immer in einem Spannungsfeld zwischen Unterhaltung, Gegenwartsbezug, Fiktion und Faktum angeboten. Was ihr den Begriff der Zwittergattung einbrachte. Das genau kann man in diesem Roman gut erkennen. Wir lernen durch Donata das Alltagsleben aus vielen Aspekten im Venedig des 16.Jhds kennen. Ereignisse, Gesetze, Lebensumstände, Handel und Leben wird uns präsentiert durch ein Mädchen, das die Stadt erkundet und doch gleichzeitig ein Teil von ihr ist.

Dabei erfahren wir die Einzelheiten nicht durch eine Aufzählung, sondern eine Ich-Erzählung. Die Renaissance der hist.KJL ermöglichte eine subjektive Perspektive auf die Geschichte durch neue narrative Erzählformen. Donata erzählt uns ihre Erlebnisse, Gedanken und auch Gefühle. Wir erleben Venedig anhand eines Entwicklungsromanes, in dem geschichtliche Personen, Ereignisse und Lebensverhältnisse narrativ mit der Fiktion von Donata und ihrer Familie dargestellt werden.(Papst Johannes XXII, Tizian, Erlass der Großen Rates 1297, Handelsabkommen über Rohstoffe wie Wolle, Holz, die Inquisition, das Erbrecht, die Stellung von Mann und Frau, die Kindersterblichkeit, Judenverfolgung, venezian. Gerichtsbarkeit) Von der Typologie liegt Donata zwischen dem dokumentarischen hist.Roman, bei dem es um eine detailgetreue Abbildung hist.Wirklichkeit geht und dem realistischen hist.Roman, in dem eine fiktive Handlung in einem scheinbar realistischen Rahmen spielt. Donata beschreibt besonders am Anfang wie in einer Aufzählung so viele Einzelheiten aus dem Leben Venedigs, dass es eine Aneinanderreihung wird, in der die Dramaturgie stoppt.

Das alte Venedig

Wie andere Autorinnen auch richtet Frau Napoli die Aufmerksamkeit auf das Sozial-und Alltagsleben. Und gerade moderne Emanzipationsbestrebungen bilden den Rahmen für Donatas Entwicklung. Ihre Bedürfnisse sich anders zu entwickeln und an Bildung teilhaben zu wollen, sowie Entscheidungen über ihr Leben selber fällen zu dürfen, sind aus den heutigen Sichtweisen entlehnt und bilden den Gegenwartsbezug. Denn die AdressatInnen dürften in erster Linie Mädchen ab 12 Jahren sein, die histor. Romane interessant finden, zumal, wenn sie von Selbstfindung und erster Liebe in ihren eigenen Fragen angesprochen werden. Allerdings darf man in diesem Zusammenhang die Frage stellen, ob die Fiktion durch die heutige Frauenfrage nicht zu sehr belastet wirkt. Denn Menschenrechte, Lebensbedingungen, Architektur, Handel, Arbeitsbedingungen, gesellschaftl. Strukturen, Familienleben sind ja auch Themen, die in diesem sehr vollen Roman bewältigt werden müssen. Intensiv wird auch das Leben der Juden in Venedig behandelt.

Diese vielen Aspekte werden durch eine Dramaturgie erlebbar gemacht. Donata steht im Mittelpunkt der Handlung als „mittlere Heldin“ die sich ihres Standes bewusst wird und die Suche nach den epischen Wahrheiten formuliert. Dabei dürfen wir nicht zu genau Donatas Handeln untersuchen nach realistischer Umsetzbarkeit. Lassen wir diesen Aspekt außen vor, so erfahren wir viel über die Geschichte Venedigs. Die Kommentare zu den Rezensionen drücken den Zwiespalt zwischen Faktum und Fiktion aus. Entweder sie sind begeistert oder ganz und gar ablehnend. Wer eine wirklich spannende Geschichte erwartet wird enttäuscht, denn das Faktum steht im Vordergrund. Wer auf angenehme Art etwas über das alte Venedig erfahren möchte, ist hier richtig.

Jungen und Lesen

Herzerfrischend ist dieser Beitrag zum Thema Jungen und Lesen und hoffentlich in jeder Schulbibliothek umzusetzen.

Und besser kann man gar nicht zeigen, wie wenig Literatur, die Frauen nach ihren eigenen Kriterien aussuchen für die Jungen geeignet ist.

Manfred Theisen by Amazon

Manfred Theisen by Amazon

Das Thema der weniglesenden Jungs ist in der Büchereiarbeit natürlich ständig präsent. Anfang 2008 hat der Borro in Köln eine Fortbildung zum Thema „Kann denn Lesen männlich sein?“ angeboten, an der ich teilgenommen habe. Referent war Manfred Theisen, selber Autor und „Leseförderer“.

Als Erstes hat uns Herr Theisen einen Fragebogen bearbeiten lassen, der uns Teilnehmern die Erklärung für Begriffe aus der Jungenkultur abverlangte. Solche Sachen z.B. wie: Wer oder was ist Vin Diesel? Oder: Was ist Hellboy? Oder : Wann ist Abseits? Oder : Welcher Autor ist der Guru für Counter-Strike-Spieler etc.

Die Antwort konnte jeweils mit multiple choice gefunden werden. Ich wusste nicht eine einzige Antwort (ja, nicht mal Abseits ganz genau! Peinlich!) Mit dieser Demonstration wollte uns Herr Theisen ein Gefühl dafür geben, wie schwierig bzw. unmöglich es für uns KÖB-MitarbeiterInnen sein muss, geeignete Lektüre für Jungs auszuwählen, wenn wir so wenig über deren Lebenswelten und Interessen wüssten. (Er sprach von Jungs ab ca.12). Wenngleich ich diese Herangehensweise an das Thema etwas eindimensional fand (nicht jeder 12-jährige hat Erfahrungen mit Counter-Strike), ist vielleicht doch ein Fitzelchen Wahrheit dran: Ob das nun an der Suche nach Geschlechtsidentität liegt oder am Mithaltenwollen bei der Beschleunigung in der Welt der Medien – irgendwann so im Alter zwischen 9 und 12 Jahren verlieren wir die meisten Jungs.

Vielleicht auch deshalb, weil wir LiteraturvermittlerInnen uns nicht für das interessieren, wofür sie sich interessieren. Ein ganz interessanter Artikel zu der Art und Weise, wie Jungs lesen, ist vom Autor Jörg Sommer in der Zeitschrift „Schule im Blickpunkt“ 2007 erschienen.

Wer sich für die Bücher und Manfred Theisen interessiert, der findet hier Infos . Ein Foto von ihm ist unter cc-Lizenzen nicht erhältlich, also lasse ich es weg.


Leseförderung für Jungen

Heute fahre ich zu einer Fortbildung.

Es ist etwas viel los momentan bei mir.

Bei der Vorbereitung auf diese drei Tage suchte ich nach den Vortragenden im Netz. Und siehe da, schon fand ich wieder einen Text, den ich nur weiterempfehlen kann. Frau Professor Garbe hat in einem Interview wieder ein paar Dinge gesagt, die mir so nicht klar waren oder besser gesagt, jetzt kann ich für meine „inneren“ Thesen jemanden zitieren.

Wie wunderbar, dass ich diesen Artikel, jedem, der ihn denn anschauen möchte über den Link bei delicious zur Verfügung stellen kann. Klar, wenn ich ihn im Blog hier verlinke, geht das auch. Also hier steht die Zusammenfassung des Interviews.

„Jungen lieben Erfolgserlebnisse“ ist der Titel und deutet schon an, in welche Richtung wir denken können. Computerspiele bieten genau das. Bewältigbare Aufgaben, die einen konkreten Erfolg bringen.

cc by Joachim S. Müller by flickr

Wunsch nach doppeltem Erfolg cc by Joachim S. Müller by flickr

Darf ich Sie auf die These noch einmal hinweisen, dass in Deutschland Erfolg und Leistung weit auseinanderklaffen.

Jeder kennt genug Fälle, wo unfähige Manager/Chefs den Erfolg ernten, aber nichts leisten. Und Leistung gefordert wird vor allem von denen, die keinen Erfolg haben können. Wie zum Beispiel Hartz IV- Empfänger, Arbeitslose oder Schüler…..

Ich denke, dass nicht nur Jungen einen schnellen Erfolg sehen möchten, doch fällt mir das in den Leseförderstunden auch auf. Einheiten, die hinterher mit einem sichtbaren Erfolg enden, werden bessere Stunden.

Wie kann man das für die SchülerInnen organisieren? Eine spannende Frage. Ich werde versuchen, auf der Fortbildung mehr darüber zu erfahren. Und natürlich selber nachdenken und in der Praxis ausprobieren. Mit einem autistischen Jungen habe ich wie selbstverständlich genauso gearbeitet. Manchmal hilft die Arbeit mit Kindern, die nicht der „Norm“ entsprechen, schneller auf die Sprünge.

Rasputin

Monika Flügel, Autorin und

Monika Flügel, Autorin und Susanne Sommer-Fartmann, Illustration

Inspiriert vom Filzlesezeichen „Leseratte“ ist in Gemeinschaftsarbeit mit dem Verlag Edition LesArt das Buch „Rasputin, die Leseratte“ entstanden. Neugierig auf ein rattenspannendes, rattenherzliches und rattenlustiges Abenteuer?

Inhalt:

Rasputin ist eine ganz besondere Ratte. Er sieht nicht nur anders aus als seine Rattengeschwister, seine Ratteneltern und seine Rattengroßeltern, er hat auch eine außergewöhnliche Vorliebe – Geschichten! Geschichten, gedruckt auf Papier, gedruckt in Büchern. Doch an geschriebene Geschichten zu kommen ist gar nicht so einfach. Jetzt kann man sich natürlich wundern. Was soll eine junge Ratte wie Rasputin denn mit Geschichten in Büchern anfangen? Ratten können doch gar nicht lesen! Na ja, wer weiß, vielleicht enthüllt das Buch ja ein wunderbares Geheimnis? Ein wenig soll schon verraten werden:

Rasputin lebt mit seiner Familie in einem Keller unter einem Menschenhaus. Und jede Donnerstagnacht wandert die gesamte Familie zur nächsten Restmülltonne, um dort nach Fressen zu stöbern. Als einziger der Rattenschar aber ist Rasputin nicht an den vielen Leckereien interessiert, die dort zu finden sind. Er sucht stattdessen nach Geschichten. Und tatsächlich, eines Nachts findet er einen wunderbaren Schatz zwischen all dem Abfall – ein dickes, rotes, wunderschönes Buch. So eine Freude! Kurz darauf erfährt er auch noch, dass ihn ein fast unglaubliches Geheimnis umgibt… Außerdem ist da noch das Menschenmädchen Marie… Und sein Leben verändert sich völlig…

Zielgruppe:

Am häufigsten schauen noch ziemlich junge Leser hinter den Seiten des Buches hervor. Meistens sind sie zwischen 4 und 11 Jahren alt. Aber selbstverständlich kann man dort auch deutlich ältere Schmökerer entdecken. Der älteste bisher bekannte zählt weit über 80 Jahre.

  • Autorin: Monika Flügel
  • Illustration: Susanne Sommer-Fartmann
  • Verlag: Edition LesArt
  • Leseratten und Bücherwürmer vom Farbenzauber (Link bei Links)

    Leseratten und Bücherwürmer vom Farbenzauber (Link bei Links)