Janine Wissler „Predigt zur Fastenzeit“

Den 6. Gottesdienst in der Fastenpredigtreihe hielt zum Thema “ Kirche in der Stadt-Gemeinde für den Stadtteil“ Frau Janine Wissler von den Linken in der Philippusgemeinde.

Sie war der überraschenden Einladung in die Kirche gerne gefolgt und hatte sich, so meine Idee dazu, zu einer politischen Ansprache  entschlossen, die die Verknüpfung von Politik mit der menschlichen Ebene im Riederwald verdeutlichen konnte. Gesellschaftliche Aspekte, die sich konkret im Stadtteil wiederfinden lassen und eventuell eine Gemeinsamkeit zur Kirche im konkreten Tun aufzeigen, waren ihre Inhalte.

Die Überschneidung von „Solidarität“ und Nächstenliebe“; das sich Einsetzen für den Menschen an erster Stelle in einer Gesellschaft, in der wir friedlich miteinander leben können. Bei den Linken das Kämpfen für bessere Lebensbedingungen auf dem Arbeitsmarkt und die caritative Arbeit und das Kirchenasyl in den Kirchen als gleiche Richtung.

Dazu fügte sie eine Reihe von Beispielen an, die wir nur zu gut kennen: Niedrigstlöhne, Arbeitslosigkeit, Altersarmut, fehlende gesellschaftliche Wertschätzung der sozialen Berufe,…

Das führte zum Thema Flüchtlinge und Fragida/Pegida. Frau Wissler betonte die ablehnende Haltung zu den menschenverachtenden Forderungen dieser Gruppierungen und verwies auf die gute Rede der Pröbstin Frau Scherle auf dem Römerberg.

Blockupy, ein Zusammenschluss vieler Gruppen, die die Finanzpolitik kritisieren und den Protest vor die EZB nach Frankfurt brachte, wurde durch die Gewaltbereiten geschadet.

Anstatt zu zeigen, dass der eigentliche Verlauf der Grenze zwischen oben und unten verläuft und nicht zwischen den Völkern (wie Griechen-Deutschen) wird nun über ganz anderes gestritten.

Humanitärer Krieg ist nicht möglich. Die Waffenlieferungen von Deutschland aus in die Welt sind zu stoppen.

Mit dem Wunsch nach Mut über das „perverse Wirtschaftssystem“ hinauszudenken und neues zu erkämpfen, wo eben der Mensch an erster Stelle steht in der Gesellschaft und wir in friedvollem Miteinander leben, endete ihre Ansprache.

Die Kirchenmusikerin spielte als Überraschung die Internationale als Orgelstück. Der Refrain wurde von einigen mitgesungen.

Predigten zur Fastenzeit

(Von mir: Die Demo, für die Herr Wilken den Kopf hinhalten muss, weil er sie angemeldet hat, ist mit ca. 20 000 Teilnehmern friedlich verlaufen. Ich war dabei und traf aus den Kirchen Teilnehmende auf dem Römer. Das scheint niemanden zu stören bei der Kritik an ihm.

Meine andere Position als die Frau Scherle zur Frage Asyl-Eiunwanderungsgesetz und kommt die Fremdenfeindlichkeit aus der Mitte der Gesellschaft, habe ich hier festgehalten: Frankfurt bleibt bunt http://wp.me/pzfou-FZ )

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Johannes zu Eltz spendet Trost in der ev. Philippusgemeinde

Die nächste Predigt/ Ansprache/ Auslegung in der Fastenpredigtreihe der Philippuskirche hielt Dr. zu Eltz.

Nach dem kleinen Grußwort zur Einführung der Prodekane hier in Frankfurt erwartete ich mir eine humorige Ansprache und freute mich darauf. Da er sich aber exakt an die Themenstellung „Kirche in der Stadt-Gemeinde für den Stadtteil“ hielt, wurde daraus nichts.

Er zog uns mit wenigen Worten in den Prozess der katholischen Kirche hinein, der genau wie in der evangelischen Kirche die Zusammenfassung von Gemeinden bedeutet. Wenn ich alles richtig verstanden habe, dann kommt er zu einem ganz ähnlichen Schluss, wie der ev. Stadtdekan Dr. Knecht eine Woche zuvor: Die kleiner werdende Kirche wird sich nicht in kirchliche Zentren zurückziehen, sondern „vor Ort bleibt vor Ort“. Die unterste Ebene soll das tun, was sie selber leisten kann. Die nächste Ebene wird ihr die Arbeit nicht abnehmen, sondern sie dabei unterstützen. Was unten geht, soll auch von unten geklärt werden und es wird nicht von oben nach unten durchregiert.

Sein Ansatz begründet er aus dem (kath.) Subsidiaritätsprinzip, dem „Sprengschatz“. Ein Sozialprinzip mit politischer und gesellschaftlicher Bedeutung, dass die Selbstbestimmung auf der untersten Ebene erhalten möchte.

Gleichwohl sieht er, dass die 1000jährige Praxis nicht in kurzer Zeit verändert werden kann, zumal in der Katholischen Kirche ja immer weltumfassend gedacht und verändert wird. Er führt aus, welche Fragen von den Kirchenmitgliedern beim Prozess von den Gemeinden hin zur Großpfarrei sind. In Frankfurt werden aus 42 Gemeinden 9.

Die erste und meistgestellte Frage ist: Warum kann nicht alles so bleiben, wie es ist?

Weil es in Wirklichkeit schon lange nicht mehr so war. Die millieustarke Volkskirche gibt es gar nicht mehr.

Hin zur Kirche in der Stadt berichtet zu Eltz von dem Wort, das er Dr. Knecht zur Einführung gegeben hat: „Alles, was wir gemeinsam tun können, werden wir gemeinsam tun.“

Die klassische Aufteilung (ev.-kath.) ist für Menschen außerhalb der christlichen Kirchen nicht einsichtig. Nur eine Verständigung auf gemeinsamer Grundlage ist einleuchtend.

Alle, deren gemeinsames Zeugnis die Taufe ist, können über die weiteren Unterschiede ins Gespräch kommen. Ein Beispiel ist die Erwachsenentaufe, deren Aussagekraft von vielen aufgenommen wird und die zunimmt.

Soweit die Zusammenfassung von mir. Ich empfand diese Worte als sehr tröstlich in unserer Welt, die sich anlässlich kleinster Gründe spaltet und zu vernichten sucht. Einfach mal: Hier ist meine Hand, schlag ein und wir sehen gemeinsam weiter. DANKE

Nächste Woche auch sehr spannend: Janine Wissler

Predigten zur Fastenzeit

Klare politische Aussage von Dr. Knecht dem Ev. Stadtdekan zur Gemeindearbeit in Frankfurt

Gerade weil wir immer weniger sind, lasst euer Licht leuchten vor den Menschen in eurem Stadtteil!

Dieser einfach Satz sagt dann doch eine Menge aus. Und ich danke Pfarrer Dr. Balke, der mir hinterher mit seiner Sicht dazu weiter half.

Dr. Knecht, der evangelische Stadtdekan sprach in der Fastenpredigtreihe der Philippusgemeinde „Kirche in der Stadt-Gemeinde für den Stadtteil“ zum Thema Gemeindearbeit. Ich fasse das mal zusammen:

Ihr seid das Salz der Erde! Ihr seid das Licht der Welt! (Matthäus 5,13-16)

In Anbetracht der Zahlen, die zeigen, wie der Anteil an Christen in den Frankfurter Gemeinden schrumpft, ist diese Zusprechung von Jesus vielleicht etwas hochgegriffen?
Was kann man denn noch erreichen? Was sollte man tun? Es ist doch schon deprimierend, wenn man vergleicht was einmal war und was jetzt noch geht. Auch die große Kirche der Philipusgemeinde zeugt von einer früheren Gemeinde, die sie heute nicht mehr ist.
Das mag an den Auswirkungen der europäischen Aufklärung liegen wie auch an der Globalisierung. Beides erleben wir in der Stadt sehr deutlich.
Was kann die christliche Religion da überzeugendes zu sagen?
Die Menschen, die Jesus damals ansprach waren nicht die Machtvollen und Regierenden, sondern die Barmherzigen, die Verfolgten, die Sanftmütigen, die mit reinem Herzen den Frieden suchten (und heute als „Gutmenschen“ verächtlich gemacht werden). Sie sahen durch ihren Glauben im durchaus finsteren Dasein ein Licht aufgehen und bekamen eine positivere Haltung zum Leben.
Dieser andere Grundton kann zum Zentrum für die Gemeinde im Stadtteil werden.
Was tue ich für andere persönlich?
Nehme ich am Leben anderer teil? Besuche ich Kranke? Begleite ich Trauernde? Rede ich gutes gerade über die, über die schlecht geredet wird? Mache ich die Tür auf für die, die keine Wohnung haben?
Der gute Kontakt der eigenen Person mit anderen bedeutet dieses Licht, bedeutet das Salz.

Das bedeutet auch und das ist eben eine politische Aussage, dass ich vor Ort aktiv werde im Sinne der Menschen, die mit mir dort leben. Das kann um den Ausbau einer Autobahn genauso gehen, wie um ein Kinder-und Familienzentrum.
Klare Worte!

Predigten zur Fastenzeit

Der OB auf der Kanzel

Und wieder startet die Predigtreihe zur Fastenzeit in der Philippuskirche. Diesmal ist das Oberthema: „Kirche in der Stadt-Gemeinde für den Stadtteil“ Predigten zur Fastenzeit Den Auftakt machte unser aller OB Feldmann.

Und um gleich den Gag der Kirchenmusikerin vorweg zu nehmen: Sie spielte „Brüder zur Sonne zur Freiheit“ als Schlussstück arg verfremdet aber der OB erkannte es sofort. Es zauberte ein Lächeln in sein Gesicht. Ein besonderes Geschenk. Wir merkten zwar, dass wir es kennen, doch er musste uns erst darauf aufmerksam machen. Ich gestehe es zu meiner Schande.

Wer öfter mal eine Rede von Herrn Feldmann hört, der weiß ja schon, was er ansprechen wird. Später wird man über ihn sagen, dass er unermüdlich war, das für ihn Wichtige immer wieder anzusprechen. Das hat schon was, finde ich.
Was aber war nun das für diese Predigt vor der ev. Philippusgemeinde Spezifische? Zum Beginn sprach er von einer Veränderung der Lager. Früher waren die Kirchenleute spießig in den Augen der jungen Linken. Heute gelte die Aufteilung in „konservativ und rechts“ und „links und veränderungswillig“ nicht mehr. Überall, in allen Gruppierungen finden sich viele, die sich zynisch verhalten und aus Angst vor dem Nichterfolg lieber gar nichts erst tun. Diese zynische Haltung nennt der OB als die Gefahr von innen. Nun dürfe man sich über Verzagte nicht erheben, doch ein Bündnis derer, denen ihr Leben nicht egal ist, wäre ein Schritt voran zu einer anderen Welt. Die Aufgabe, zu mehr Nähe von Mensch zu Mensch anzunehmen und das nicht nur zu Weihnachten, würde er gerne an alle Menschen in Frankfurt weitergeben.

Er zitiert Böckenförde und geht auf die Bedeutung religiöser Gemeinschaften in einem säkularisiertem Staat ein. Böckenförde 2010:„Vom Staat her gedacht, braucht die freiheitliche Ordnung ein verbindendes Ethos, eine Art „Gemeinsinn“ bei denen, die in diesem Staat leben. Die Frage ist dann: Woraus speist sich dieses Ethos, das vom Staat weder erzwungen noch hoheitlich durchgesetzt werden kann? Man kann sagen: zunächst von der gelebten Kultur. Aber was sind die Faktoren und Elemente dieser Kultur? Da sind wir dann in der Tat bei Quellen wie Christentum, Aufklärung und Humanismus. Aber nicht automatisch bei jeder Religion.“ Der OB führt an, dass der demokratische Staat Freiheit schützen kann, jedoch der Einzelne sie leben muss. Was könnte denn ein tragfähiges Bündnis sein hier in Frankfurt? Er nennt da das Römerbergbündnis und den Rat der Religionen. Sie wären weiter, als nur zu reden. Im Verhältnis zu anderen Städten hätten die Organisationen, die zur Demo auf den Römer eingeladen hatten nicht gegen etwas gestimmt, sondern für etwas. Für Toleranz und Mitmenschlichkeit und ein Leben in der Stadt in Vielfalt.

Er geht auf eine Veranstaltung in der Gutleutkirche ein, die sich damit auseinandersetzte, ob die Finanzmärkte wir regulieren oder sie uns? Er nannte das Beispiel des Wohnungsmarktes, bei dem wir uns fragen müssen, ob wir ihn dem Markt überlassen wollen. Die Eröffnung der EZB, die Lage Griechenlands und Spaniens, als Themen, die nur scheinbar weit weg lägen mit wenig Platz für den Gemeinsinn. Sicher haben Werte wie Liebe, Treue, Freundschaft keinen Preis, doch halten sie unser Leben zusammen. Aus dem, woran er glaubt, schöpft er die Kraft jeden Tag diese Dinge wieder anzusprechen und er ist sich sicher, dass Glauben stärker ist als Angst. Angst würde die Hirne verkleben und Handeln verhindern. Glauben muss auch stärker sein als der Homo öconomicus.

Er sieht zwei Ansatzpunkte in der christlichen Haltung:
Die Vorstellung einer gerechten Weltordnung-und sie wenigstens in Ansätzen anzugehen.
Der Umgang mit den Folgen der Ungerechtigkeit–mit den Flüchtlingen in dieser Stadt.

Sicher war der Ursprung der Weltoffenheit in Frankfurt verknüpft mit dem Handel. Doch die Bereitschaft andere in ihrer Unterschiedlichkeit anzunehmen, hat allen etwas gebracht. Er findet „dulden“ und auch „tolerieren“ als nicht mehr ausreichend. Weil sie schnell wieder in Ablehnung und Hass umkippen können, aus denen die Grundlage für Krieg besteht. Nehmen wir uns die Freiheit uns für ein Miteinander einzusetzen nicht nur an drei Feiertagen im Jahr.

Dr. Fred Balke-Nagel, der Pfarrer der Gemeinde verwies auf die besondere Situation der Gemeinde und des Stadtteils Riederwald.

Für alle, die gerne Energiesparen in der Kirche: Wir hatten 18° und waren am Ende eiskalt. Und für diejenigen, die an dem kleinen Spiel mitmachen, nach der wievielten Minuten der OB in seinen Ansprachen beim Wohnungsbau angekommen ist: Es war diesmal die 16. Minute. Wie gesagt, ich finde ja, es hat was, dass er das so durchzieht.

 

Hier der Artikel aus dem Evangelischen Frankfurt

Die Kirche bleibt im Dorf in #MeinFrankfurt – die Einführung der Prodekane

Vorwort:

Thomas deMaziére bläst zum Angriff auf die Evangelische Kirche. Wegen 360 Menschen, die von Mitmenschen untergebracht und durch das Kirchenasyl auf eigene Kosten so den Dublingesetzen entzogen werden. http://www.deutschlandfunk.de/bundesinnenminister-de-maiziere-missbrauch-des-kirchenasyls.868.de.html?dram:article_id=311001 Ob sich dem die Kirche in Frankfurt stellen kann und mag, werden wir sehen. Der Druck wird jedoch größer von Seiten des Staates. Was vielleicht wieder mehr Menschen in die Kirche bringt. Schaun wer ma

Los geht`s: Gestern war die langersehnte offizielle Komplettierung der neuen Struktur der evangelischen Kirche in Frankfurt. Zum Stadtdekan kamen nun auch die Prodekane hinzu. In einer würdevollen und unterstützenden, annehmenden Veranstaltung wurden Frau Dr. Schoen und Herr Kamlah in ihr wirklich ganz neues Amt eingeführt. Mit Frau Irmela von Schenk, die Präses und stellvertretende Vorsitzende ist, ist die Spitze nun sogar quotengerecht zusammengestellt. http://www.frankfurt-evangelisch.de/stadtdekanat-info.html

Kantor Michael Riedel umrahmte das gesellschaftliche Ereignis mit wunderbar gewählten Stücken. Was mich gleich zu einem ersten Eindruck führt: Der Anfangschoral wurde spontan, weil die Noten dastanden von den Anwesenden gleich mehrstimmig gesungen. Was für eine Ansammlung an kultureller Kompetenz war an diesem Abend anwesend. Daher mache ich mir auch nicht wirklich Sorgen. Dr. Knecht führte durch den Gottesdienst und nahm auch die Einführung vor. Das kann er gut und es war stimmig. Es ist vielleicht sogar beruhigend, wenn man sieht, dass da jemand sein Amt lebt. In den Gottesdiensten vor Ort kommt es durch die unterschiedlichen PredigerInnen ja zu den unterschiedlichsten Erlebnissen. Hier war einfach mal alles in Ruhe und ok. GUT.

Frau Scherle hielt eine Ansprache, die sie mit einem Dank an die beiden Prodekane richtete: Es sei ein wirklich neues Amt und sie hätten sich darauf eingelassen. Darauf eingelassen, öffentlich einzustehen als ein weiteres Teil einer Kette, die die Hoffnung auf eine von Gott durch die Liebe verwandelte Welt aus der Vergangenheit hin zu uns ununterbrochen weiterführt. Und das wäre auch die Aufgabe. Die Hoffnung weiter zu geben. Weiterzugeben an die Menschen dieser Stadt. Da man ein Teil dieser Kette sei, könne man in Dankbarkeit zurückblicken und getrost und gelassen auf das Neue.

Frau Klemens und Dr. Volz lasen dann zum Gleichnis des Sämanns und bereiteten damit auf die Einführung und die Predigten beider neuen Prodekane vor.

Herr Kamlah entwickelte programmatisch ein Bild eines Raumes, in dem Glauben möglich ist. Dazu benötigt wird ein Rahmen, der solche Räume möglich macht. Dabei wies er darauf hin, dass manche Menschen nur für kurze Zeit in diese Räume kämen und man sie deswegen nicht abwerten solle. Allerdings sollte es auch nicht die eigene Kränkungsbereitschaft stärken. Verbunden mit dem Sämann wäre zu erkennen, dass auch das kurze Aufgehen des Samens durchaus seinen Wert habe.

Frau Dr. Schoen grenzte für sich das Thema Karikatur ein und wünschte sich mehr Humor. Über sich Lachen zu können mache weicher, durchlässiger und gütiger und ließe Beziehung entstehen. Der Sämann würde nur dann säen, wenn der Boden gut wäre und wir wären der gute Boden für Gottes Wort. (Ehrlich gesagt, war mir der Sinn der Rede nicht klar und was es für die Arbeit in Frankfurt bedeuten könne. Mehr kann man vielleicht unten aus dem Artikel der Kirche erfahren.)

Dann gab es Grußworte. Hervorheben möchte ich das von Herrn Dr. zu Eltz. Es war witzig und humorig und enthielt die eine oder andere Spitze. Natürlich ging es um die Menschen, die in der Kirche Ämter übernähmen. Mit Zitaten belegte er, was ein Würdenträger im Amt dürfe und was nicht. Während mir da jemand ganz aktuell einfiel, war es vielleicht auch eine Rückschau? Na, er freue sich, wenn die evangelische Struktur nun Gestalt annehme. (War da vorher keine? Sehr lustig gehalten und doch nicht ohne.) Während die Dekanin aus Offenbach, Eva Reiß in ihren Worten die Verfahrensseite thematisierte, da Prodekane bisher nicht vorgesehen wären. (Vielleicht zählen die aus Wiesbaden nicht???)

Zusammenfassend gehe ich davon aus, dass die Kirche im Dorf bleibt. Es gab keine besonderen Impulse. Vielleicht ist es ja ganz gut ein Team zu haben, dass in der nächsten Zeit die Ruhe behält. Alle Anwesenden zusammen spiegelten für mich einen angenehmen Konservatismus wider. Solange man nicht ein Thema diskutiert, kommen alle gut klar. Ob das ausreicht für die nächste Zeit, werden wir erleben.

Und unbedingt erwähnen möchte ich das Schlussstück von Kantor Riedel. Es stammte bestimmt aus den Anfängen des 20. Jdh. Weiß es jemand genauer? Mir kamen Kubrikfilme in den Sinn und orientalische Bazare. Es wurde ordentlich schräg in die Tasten „gehauen“, um dann in einem tiefen laaaaaangen Akkord auf einen Punkt hin zu führen. Das fasste recht schön die Veranstaltung zusammen. Letztendlich ist das Ursprüngliche uns Vereinende die Grundlage.

Hier der Artikel der Evangelischen Kirche

Sintomer polarisiert famos

Nein, das hatte ich auch noch nie erlebt.

Kaum war das letzte Wort verklungen, da debattierten die ca.150 Leute aufgeregt untereinander weiter. Alles war ihnen nicht recht. Das Publikum, die Bearbeitung des Themas, was nicht bearbeitet wurde und vor allem was am Ende herauskam. Doch darauf wollte niemand mehr eingehen…

Sprachlos erst verfolgte ich, was sich da entwickelte und genoss es. Ein Riesenerfolg, denn alle hatten etwas zu sagen und wussten vieles besser als Professor Sintomer. Kann man mehr erreichen, als das so ein Austausch untereinander entsteht??

Wer ihn mal wirklich kurz ansehen möchte, kann es hier tun: https://www.youtube.com/watch?v=eeMiM2iyD1Q

Allein schon mit so vielen Zuhörern hatte niemand gerechnet. Ein anderer Raum und dann viele Stühle mussten organisiert werden. Worum ging es? Hier die ausführliche Antwort: http://www.sptg.de/pm_2014-10-28_grosser_sintomer.aspx

Kurz zusammengefasst: Um die Lage der Repräsentativen Demokratie.

Frankreich, ein wenig Deutschland zum Vergleich oder als Referenzpunkt.

Viele der Gäste hatten etwas mit Frankreich zu tun und so wurden die Beschreibungen über die politische Lage in Frankreich auch verstanden. Natürlich wurde von Prof. Sintomer auch kurz zu „Je suis Charlie“ gesprochen. Es ist eine Formulierung, die so offen ist, dass sich alle darunter sammeln konnten. Ich möchte auf die Diskriminierung der Minderheiten und speziell der jüdischen Bevölkerung nicht weiter eingehen. Sie wurden erwähnt.

Es ging ja um die Frage, ob die französische Situation etwas speziell französisches ist oder doch das Zeichen einer allgemeinen Krise der repräsentativen Demokratie beinhaltet. Ja, und er sieht es so, dass es ein Teil der globalen Krise ist. Daher auch alle nationalen oder rückwärts gewandten Ansätze zu einer Lösung nicht zielführend sind. Denn alle Fragen können nur noch global eine Antwort finden.

Nun gehen viele Ländern nicht den Weg der Demokratie. Und auch in Deutschland ist die Frage aktuell. Was ist denn wirklich demokratisch? Stuttgart 21?????

Nachdem aus seiner Sicht vier unrealistische Modelle für die Zukunft abgehandelt wurden, kamen vier, die eventuell eine Chance haben, wenn man die Entwicklungen weltweit einbezieht:

Die Postdemokratie, die als Scheindemokratie die Macht beim Markt belässt.

Der Autoritarismus, bei dem die Öffentlichkeit, der Parteienwettbewerb und der Rechtsstaat begrenzt werden. Macht bedeutet hier auch Gewalt gegen das eigene Volk.

Der Zusammenbruch der Demokratien durch Krisen (ökologische, Finanz…), die dann in Diktaturen enden.

Die Demokratisierung der Demokratie, durch mehr Macht in direkter Bürgerbeteiligung und mehr Macht für NGOs. Dabei zeigte er auf die Veränderungen, die durch den Feminismus, bzw. einzelne Frauen oder auch Männer schon erreicht worden wären ohne eine Revolution zu machen.

(Hier an dem Punkt blieb den alten Herren der Mund offen.)

Island wurde als Beispiel genannt und natürlich die Schweiz.

„Den Leuten vertrauen und sie unterstützen, in dem wir die Rahmenbedingungen schaffen für bürgerliches Engagement.“

(Hier stiegen die letzten aus.)

Und ich sage: KLASSE und ja, lasst uns das machen und versuchen.

Frankfurt bleibt bunt

Unglaublich viele Menschen waren dem Ruf des Römerbergbündnisses gefolgt. Es wurde richtig eng auf dem Römer und wir wissen nun, dass wirklich 10 000 Menschen dort demonstrieren können. Mehr eher nicht.

Ich habe mich über die Reden zum Teil geärgert. Zum Teil waren sie gut. Mia Lehmann vom Stadtschülerrat hat mir mit der direkten unverkrampften Aufforderung nicht zu zusehen, sondern aktiv zu werden gut gefallen und sie nannte auch die Parteien als Verursacher für viele Probleme, denn sie machen die Gesetze. Nett auch anzusprechen, dass manche Lehrer viel falsch machen im Unterricht in diesem Punkt Rassismus. Da sprach sie mir aus der Seele sozusagen.

Frau Eskandari-Grünberg erzürnte mich mit dem ungefähren Ausruf: „Wir sind eine tolerante Stadt-aber die an der Hauptwache gehören nicht dazu.“ Was alles in Frage stellt. Wo ziehe ich die Grenzen zu denen, die dann nicht mehr in die tolerante Stadt gehören? Wäre es nicht besser, uns aufzurufen in Ruhe sich gegen zerstörende Tendenzen innerhalb der Bevölkerung zu stellen und ein Klima aufzubauen, wo die Andersdenkenden zwar ihren Platz haben, aber nicht viel anrichten können?

Die Rede der Pröbstin Scherle ging mir an dem Punkt nicht weit genug, dass sie ausschließlich vom Asylrecht sprach. Das kommt aber gar nicht oft zum Tragen. Wir brauchen Einwanderungsgesetze. Nicht ein verändertes Asylrecht. Und der zweite Punkt, der mir nicht einleuchtet: Die Verknüpfung von asozialem Verhalten mit wirtschaftlich verschlechterten Bedingungen. Also, wenn die Wirtschaft weiter runterfährt, dann ebnet ihr den Weg für Rassismus,… Das trifft meines Erachtens nicht den Kern. Ich habe die Verantwortung für mein Tun in jedem Fall, egal, wie gut oder schlecht es mir geht. Ein Beitrag zu einer weiterführenden Idee kommt aus der Goethe-Uni: http://www.fnp.de/lokales/frankfurt/Wissenschaftler-der-Goethe-Uni-Wir-brauchen-Zuwanderung;art675,1189350

Ich möchte aber gar nicht weiter die Reden betrachten, dabei müsste der OB ganz gut wegkommen und Stephan Siegler mit dem Versuch uns auf die Ebene von Pegida runterzuziehen mit der Aufforderung „Wir sind das Volk“ zu rufen, ganz ganz schlecht…..

Also, ich habe die selbstgebastelten Schilder mitgebracht. Leider nicht wirklich scharf, da es schon dunkel war. Trotzdem zeigen sie, was den Menschen wichtig war.

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