Ne Selbsthilfegruppe?

Frankfurter Dom in lauer Sommernacht cc WedernochGestern bin ich in einem feuchtfröhlichen Abend hängengeblieben im Metropol am Dom und habe dann hinterher noch die Ausgrabungen besichtigt in einer wunderbaren lauen Sommernacht. Frankfurt kann so schön sein.
Habt ihr mal die Turnschuhe gesehen, die vor dem Dom im Baum baumeln? Direkt darunter wurde nun die alte Hafenmole ausgegraben, die, wer weiß es schon genau wer mal angelegt hat. Bizarre Bilder ergeben sich im Licht der Lampen. Der wunderschöne renovierte Sandsteindom mit sanft gelber Beleuchtung, davor der Baum indem die schwarzweißen Turnschuhe baumeln, die Ausgrabungen mit den alten Gängen aus gefundenen Flusssteinen und dazu die Bagger, die die groben Schichten wegarbeiten sollen, jetzt aber seltsam verrenkt stillstehen. Im Hintergrund spielen Touristen mit der Lampe, die den Elch am Caricatura-Museum beleuchtet. Dadurch geht das Licht immer wieder an und aus und der Elchschatten an der Wand verschwindet, kommt wieder, verschwindet….Alles garniert von einem hässlichen Bauzaun, der wohl auch allzu genaue Einblicke in die Ausgrabung verhindern soll. Und wenn man dann noch Muße hat stehen zu bleiben, entwickeln sich zwangsweise Jahrhunderte übergreifende Gedanken.
„Ich denke, du willst was über die Selbsthilfegruppe schreiben?“
Ja, bin ja schon dabei. Das gehört dazu.
Denn das, was uns in dieser Gruppe verbindet, ist die Erkrankung an Arthrose. Sonst nichts. Und so treffen die unterschiedlichsten Menschen aufeinander, die sich sonst wohl nie über den Weg gelaufen wären.
Gestern war es also wieder so weit.

Wir hatten unseren Termin extra so gelegt, weil ein Mitglied demnächst operiert wird. Und vorher noch ein Treffen mit anderen, die geplagt sind davon? Ja! Man kann einfach mal sagen, wie weh alles tut und die anderen hören zu. Und wir bleiben nicht stehen dabei, sondern kommen fließend von einem Thema zum anderen fast wie ein Stammtisch. Nur mit mehr Distanz und vielleicht mehr Höflichkeit. Dieser Rahmen, der uns Austausch ermöglicht und auch Hilfestellungen für Neulinge, ist bei gegenseitiger Akzeptanz gut geeignet, um die positiven Teile des Anderen herauszulocken und die wunderbare Vielfalt sichtbar zu machen. Was alleine gestern an Themen auf den Tisch kam, ist begeisternd und umfasst nicht weniger als das Weltwissen. Erstaunliche Dinge beschäftigen die einzelnen TeilnehmerInnen. Und da wir nichts Gemeinsames außer der Krankheit haben, belastet den Austausch nichts. Keine Verwandschaftsbeziehungen oder Konflikte aus der Arbeit; es ist egal ob jemand sein Ei hart oder weich gekocht isst oder Krimis mag.
Das ist schon alles.
Raum für Beziehung und Austausch. Das hilft weiter. Wir müssen unsere Krankheit nicht außen vor lassen in dieser Runde, denn es ist unser Kitt. Doch bleiben wir auf der Entdeckungstour zum anderen nicht auf dieser Ebene stehen, sondern ziehen uns durch uns selber hinaus in „neue Weiten, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat“ (Raumschiff Enterprise).
Bevor wir uns im ungewöhnlich leeren Metropol trafen, besichtigten wir eine Ausstellung im Caricatura-Museum. Dort ist sind Exponate von Heidelbach, Droste und Klenk über die bissfesten Ansichten zur Verwurstung des Menschen zu sehen. Es gibt auch eine Abteilung zu Gemüse im Bereich der menschlichen Kultur und über den zur Erstellung der Ausstellung notwendigen Wein.
Mir persönlich haben nur ganz wenige Dinge wirklich was gesagt. Scheint meines Erachtens ein ziemlich männliches Konstrukt zu sein. Es haben aber auch Frauen über die Bilder und Skulpturen gestaunt und gelacht. Beeindruckt haben mich die 15 Zehen Knoblauch im Karpfenrezept für zwei Personen.
Mögliche Erwartungen an Kunst konnten nur bei einigen erfüllt werden, doch war es für uns andere ein Anlass über die Anstößigkeit der Ideen der Künstler nachzudenken und hat sich dadurch schon gelohnt.
Seit anderthalb Jahren gibt es diese Gruppe. Wir erkunden ganz Frankfurt auf unseren Touren zum Thema Kultur/Natur und Plausch. Nebenbei wächst unser Erfahrungsschatz über die Behandlung von Arthrose durch unsere eigene Erfahrung weiter an und wir haben LeidensgenossInnen. Eine wunderbare Idee.
Ermöglicht wird diese Gruppe durch eine Dachorganisation. Denn auch wir finden uns nicht aus Versehen. Das Deutsche Arthrose Forum gibt uns die Möglichkeit uns kennenzulernen und zu organisieren. Das Besondere bei diesem Forum ist, dass keinerlei Therapie als richtig propagiert wird und keine Werbung zugelassen ist. Auch die Leitung der Selbsthilfegruppe sollte keine Ersatztherapie anbieten. Nur der Austausch wird organisiert. Und so finden sich die lustigsten und auch gegensätzlichsten Ernährungskonzepte in der Gruppe wieder oder unterschiedliche Ansätze für eine psychische Unterstützung. Wir lassen uns so wie wir sind und nehmen und geben das Beste an Witz und Emphatie. Ich freue mich auf das nächste Treffen.
Wer sich uns anschließen möchte findet uns über die Regionalgruppe Frankfurt unter dieser Adresse: http://www.deutsches-arthrose-forum.de/portal/rel00a.prod/deutsches-arthrose-forum/stat/portal/main.html

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