Asphaltspringer

by Amazon

Gar nicht leicht zu sagen, was einem hier alles begegnet. Das Famose ist, dass man vieles auch zu Ende denken muss. Manches ist nicht ausformuliert. Es liegt in der Luft. Durch das Mitdenken wird man so einbezogen und direkt beteiligt, dass mich das Lesen dieses Buches aktiviert hat.

Und noch etwas merkwürdiges ist mir geschehen. Ich bekam eine Ahnung davon, wie die Geschichte wohl weiter gehen könnte und war echt genervt. Denn das war ein hartes Thema, mit dem ich mich eigentlich gar nicht konfrontieren wollte. Doch während ich das Buch wieder in die Hände nahm und weiterlas, veränderte sich das Erwartete in Unerwartetes. Trotz der unangenehmen Problematik wollte ich ohne Unterbrechung weiterlesen. Es entstand ein spannender Prozess, der sich bis zum Schluss weiterentwickelte. Schwerpunkte waren die Thematik des Romanes und der Charakter des Ich-Erzählers Dipper. Ich erzähle jetzt nichts.

Mir fiel immer wieder der Roman von Luca Bloom ein: Ich, Eias. Auch dort gibt es Jugendsprache, Sex und Alkohol. Doch Frau Reh hat das soviel einfacher und glaubwürdiger konstruiert. Die Sprache wird selber Thema, wenn Dipper reflektiert, was jeder von ihnen so sagt, wenn er redet. Ich sehe die Verwendung von Jugendsprache in diesem Buch nicht als Anbiederung und kann gar nicht erklären warum. Sie richtet sich auch nicht gegen irgendwelche Gruppen der Gesellschaft oder diskriminiert.

Es ist auch immer zu hinterfragen, wie eine Frau sich in einen jungen Mann hineinversetzen können soll oder ein Autor in eine Frau. Da möchte ich jetzt nicht weiter drauf eingehen. Dipper ist ein junger Mann aus einfachstem Milieu. Seine Freunde leben anders. Das ergibt ein ganz großartiges Nebeneinander von Szenarien. Es geht keinem wirklich gut. Jeder hat sein großes oder sehr großes Päckchen zu tragen. Und diese Päckchen gibt es eben wirklich. Dann spielt alles in einer Großstadt. Dort treffen sich die jungen Leute zum Parkour. Wenn ich es richtig verstanden habe, sehen sie die Bauten einer Stadt nicht als Einrichtung mit fester Nutzung, sondern als Herausforderung, diese in ihre Wege mit einzubauen. Dazu benötigen sie Kraft und Geschicklichkeit und Wachsein. Sie trainieren ausdauernd ihren Körper und ihren Geist, um die „Figuren“ des Parkours wirklich zu beherrschen. Dabei übertreten sie die Grenzen des Normalnutzers. Und es ist durchaus gefährlich, wenn sie ihre Kraft falsch einschätzen.

Für mein Thema „Demokratie“ ist zu einem spannend, wie diese Gruppe ohne sich ständig mit dem Status der anderen zu vergleichen klar kommt. Ja, die Ansagerei, das Bestimmen von Jay oder Corone sind für Dipper eine Frage. Und weil er an der ersten Liebe und seinen Fragen wächst -wieder im Gegensatz zu „Elias“-kann man dieses Buch als Entwicklungsroman bezeichnen.

Ich finde Städte ja klasse. Sie bieten immer noch mehr Möglichkeiten als das Land. Wenn wir sie etwas menschenfreundlicher bauen, dann wird ihr Nutzen deutlicher werden.

Zum anderen ist die Frage ungelöst, wie der Staat mit Gegnern des Staates umgeht. Durch einen Zufall, den es eben auch gibt (Da fällt mir die Frau ein, die ihr Rad an der Frankfurter Uni vorbeischob, als die Polizei gerade die Mensa räumte.), kommen die jungen Leute in Konflikt mit der Polizei. Die aus einem ganz anderen Grund ihnen gegenüber Vorurteile hat. Es ergeben sich blitzschnell Verwicklungen, die keine vernünftige Auseinandersetzung mehr zulassen. Auf einmal ist die Staatsmacht mit im Spiel. Und die Polizisten haben ihrerseits Angst. Da geht dann nichts mehr. Für einige der neuen „Stadtguerillas“ist das ein Thema. Egal ob sie verboten Blumen pflanzen oder Schilder um malen. (Stopp war)

Ich kann es nur empfehlen. Was für ein Buch!

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