Carina Bargmann: Sayuri

Sayuri: Das zu schreiben war viel Arbeit und hat sicherlich auch Spaß gemacht.

Da muss es noch einen Folgeband geben. So ist zumindest das Ende aufgebaut.

Anfangs war mir gar nicht klar, wer wer ist und was das alles soll. Irgendwie wurde ich durch die Namen verwirrt(zwei japanische und sonst fantasievolle Namen aus der ganzen Welt). Es wird eine andere Welt als unsere beschrieben. Neben Fremdem gibt es auch Vergleichbares. Und die Menschen sind ein großer Teil dieser anderen Welt. Durch kleine Details wird versucht die Andersartigkeit beizubehalten. Zwei Monde oder Fabelwesen, andere Pflanzen. Für meinen Blickwinkel interessant ergeben sich zwei Strukturen in dieser Welt. Einmal gibt es die stark Hierarchische und zum anderen die spontane Arbeitsstruktur Gleichwertiger. Frau Bargmann hat den Roman als noch nicht Volljährige geschrieben. Sie ist mit den aktuellen Fragen um unsere Demokratie groß geworden und gibt die für mich auch in meinem Umfeld sichtbaren Antworten dieser Generation. Das finde ich spannend.

Ihre jugendlichen Helden leben in einem Stadtstaat, der ein Kaiserreich ist. Den Anspruch auf dieses Amt hat ein ganz bestimmter Mensch. Denn er kann etwas, was ihn/sie zum Retter der Gesellschaft macht. Es geht um Wasser. Daher kann dieses System auch gar nicht in Frage gestellt werden. Allerdings werden die Menschen schlecht „verwaltet“. Und da hagelt es Kritik, denn Teile der Gesellschaft werden vom Wichtigsten ausgeschlossen. Dafür gibt es keine wirklichen Argumente und so protestieren die Unterdrückten. Das tun sie nun ihrerseits nicht mit organisiertem Handeln. Es gibt in allen Stadtvierteln unabhängig handelnde Organisationen(Banden). Und die treffen sich, verbunden durch besonders angesehene Menschen an unterschiedlichen Orten. Ich würde es einem „flashmob“ gleichsetzen. Es gibt eine spontane Verabredung und alle Angesprochenen kommen dazu. Es werden Informationen ausgetauscht. Doch was jeder macht, entscheidet er selbst. Da können Gemeinschaftsaktionen herauskommen oder eben nicht. Darin soll dann die besondere Stärke liegen. Jeder macht das, was er kann.

Das geht dann auch mal schief. Und es wird gehandelt auch wenn man weiß, dass ein Teil der anderen nicht einverstanden ist. Es wird nicht um Einheit geworben oder gar Druck ausgeübt. Zum Glück haben unsere Helden immer die stärksten Anführer bei sich und können am besten argumentieren.

In der letzten großen Schlacht ist es notwendig sich zusammenzuschließen. Der Feind ist so offensichtlich überlegen. In diesem Falle ordnen sich alle einem gemeinsamen Plan unter. Das ist nur an dieser Stelle des Romanes so. Die Zentauren, die unseren Helden helfen sind wieder klar militärisch aufgestellt.

Organisationen, die zu einer Aktion aufrufen und eine festgelegte politische Position haben werden nicht als Option zum Handeln herangezogen. Das, denke ich, ist genau das, was heute Jugendliche über unseren Staatsaufbau empfinden. Organisationen werden in ihrer Struktur und der inhaltlichen Vorgabe als nicht sinnvoll für das eigene Handeln gesehen. Es entstehen neue Formen, wie bestimmte Gruppen sich zum gemeinsamen Handeln zusammenschließen. Und nur, weil man eine Aktion zusammentat, heißt es nichts über die Übereinstimmung in anderen Fragen. Diese Vorstellung über gesellschaftliche Aktivität hat Frau Bargmann schön in ihrem Roman verarbeitet. Ich bin gespannt, ob es sich auch in unserer Realität so entwickeln lässt. Es nimmt die gestiegene Individualität und die so unterschiedlichen Biographien besser auf.

Darüber habe ich mich gefreut in diesem Roman.

Es gibt auch Kleinigkeiten, die nicht so ganz stimmig sind. Das liegt, glaube ich, am Alter der Autorin und verschwindet irgendwann von allein. Auf Seite 417 beschreibt sie, wie Marje erstaunt wahrnimmt, wie schnell die Leute im zerstörten Minenlager beginnen sich einen neuen Lebensalltag zu organisieren und vermutet, dass sie über die traumatischen Erlebnisse hinweg gekommen sind. Das kann natürlich nicht sein. Doch das Überleben zu organisieren ist eben lebensnotwendig. Wem fällt so etwas im Text schon auf? Ich bin halt an dieser Stelle ins Grübeln gekommen und war draußen.

Egal, eine tolle Geschichte.

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