Auserwählt von Patricia Schroeder

Er liest sich gut, dieser ganz und gar ausgedachte Roman. Es ist wie immer bei Frau Schröder ein Liebesroman. Diesmal liefert den Rahmen dafür ein krimihafter Aufbau mit einer Verstrickung in eine Sekte. Das wird sogar richtig spannend. Yara ist 16 und erlebt ihre Mutter als eine nicht wirklich fassbare Frau, die in einem langen Streit mit ihrem Mann lebt. Dazu gehört noch die kleine Schwester. Wir erleben mit, wie die Mutter auch ihre Töchter in eine Sekte hineinzieht.

Wir folgen diesem Roman aus der Sicht von Yara. Sie ist die Ich-Erzählerin, die uns in ihre Gedanken blicken lässt und aus deren Begegnung mit den anderen Charakteren sich der Roman aufbaut. Alltagssituationen vermischen sich mit außergewöhnlichen esoterischen Erfahrungen. Ja und natürlich ist die erste Liebe für Yara die letztendlich wichtigste Erfahrung. Es gibt eine begrenzte Anzahl von Charakteren. Die vier Familienmitglieder, eine Mitschülerin und den Freund, und natürlich Mitglieder der Sekte.

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Die Mutter ist die Verführte und der Vater der Bodenständige. Da ist gut und böse gleich klar. Das ist bei den wenigen Personen notwendig, stößt mir aber unangenehm auf. In allen Familien, die in Berührung mit der Sekte kommen, sind es die Frauen, die verführt werden. Sie lösen sich aus dem Familienverbund und zahlen viel Geld für ihre Teilnahme an Seminaren. Was gut verständlich wird ist, wie die Verstrickung zwischen erstrebenswerten Zielen im Verhalten und Unterordnung schleichend voranschreitet. Das hat mir gut gefallen. Allerdings darf man nicht zu genau darüber nachdenken, denn manches scheint fragwürdig. Besonders die Konstruktion der Mutter ist da zu nennen. Sie ist mißbraucht worden von ihrem Vater. Das ist ihr Grundkonflikt. Interessant ist mal zu sehen, was denn aus den mißbrauchten Kindern wird, wenn ihnen nicht geholfen wird. Denn es ist eben nicht so, dass Gewalterfahrungen einfach weggesteckt werden. Die Mutter also hatte keine professionelle Hilfe und trägt diese Verletzung und Verunsicherung in sich. Dadurch wird sie nun leicht zum Opfer für seelenfrieden versprechende Gurus. Ihr wird eine Therapie vorgeschlagen am Ende des Romanes. Was nun nicht passt ist, dass genau diese Frau Diplompsychologin sein soll. In der Ausbildung müssen sich alle werdenden TherapeutInnen auf eigene Analysen einlassen. Das sie daraus so gar nicht verständiger herausgehen soll, ist fragwürdig. Zudem arbeitet sie bei Pro Familia. Sorry, da gibt es sicher auch abgedrehte Menschen, doch ist diese Arbeit so gar kein Zuckerschlecken, dass mir das mit Esoterik nicht zusammenpasst. Vielleicht gibt es das ja. Ich kenne Pro Familia nicht so.

Was mir gut gefallen hat, war die Vermischung von anstrebenswerten Zielen mit der Aufgabe der eigenen Selbständigkeit. Denn die Verführung passiert ja nicht offensichtlich, sondern eher subtil. So fordert die Mutter vom Vater im Grunde keine völlig falschen Dinge. Das Loslassen von überkommenen Anforderungen und Werten; das sich Besinnen auf die Gegenwart und nicht ständig Grübeln; das Liebe nur dann groß sein kann, wenn man den anderen nicht für seine eigenen Defizite mißbraucht , was keiner von uns ohne Anstrengung kann…..Da steckt ja ganz viel drin, was uns allen gut täte. Der Wunsch nach einem besseren erfüllteren Leben führt nun in diesem Falle in eine verschlechterte Lage. Denn nicht die Selbstbestimmtheit wird erreicht, sondern eine Pseudozugehörigkeit zu einer Gruppe. In der herrschen von außen nicht mehr beeinflussbare Regeln, die eine Unterdrückungshierarchie aufbauen. Das wird einfach und klar aufgezeigt.

Wer mal einsteigen möchte in die Thematik als junge Leserin, dem kann ich dieses Buch empfehlen. Doch gefallen mir die Verkürzungen der Personen und die Klischees nicht. Sie gießen nur Öl in eine unaufgeklärte Mediensensationskampagne. Auch wenn ich an Yaras Gedanken manchmal zweifele, weil sie so erwachsen klingen, so erscheint sie doch als aktive und gescheite junge Frau, die sich ihren Weg suchen will. Das ist mir in einem Jugendroman ein wichtiger Aspekt.

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