„Richtig zu leben tut weh“

Gestern konnte ich endlich in den Film „Mazel Tov“ gehen. Er lief in Orpheo’s Erben. Ein ungewöhnliches Kino. Hier ein Ausschnitt von dem Aussehen der Technik vom Zuschauerraum. Wir sitzen in alten Flugzeugsitzen, die oft noch verstellbar sind Fußlehnen und Abstelltischchen haben.

Orpheo's Erben

Orpheo's Erben

Der Film macht uns mit Menschen bekannt, die aus Russland nach Deutschland kommen. Die Männer haben ehrenhaft und unter grauenvollen Bedingungen geholfen den Krieg der Deutschen zu beenden und landen dann vom Leben hierher gespült gerade in Deutschland. Das muss Konflikte auslösen. Es sind nicht die Konflikte, die uns einfallen. Sie haben keinen Hass, sondern sind „weise“. Ganz wunderbar dieser Film, der mir gezeigt hat, dass wir immer nur kleine Ausschnitte sehen von anderen. Erst im Kontakt kann man sich verstehen lernen.

"Mazel Tov" ist den jüdichen Kämpfern der Roten Armee gewidmet

"Mazel Tov" ist den jüdichen Kämpfern der Roten Armee gewidmet

Für mich ganz wichtig ist auch, dass wir Völker alle uns um die Aufarbeitung der Folgen, die Kriege auslösen herumdrücken. Wie kann man mit Menschen leben, die solche gesehenen und erlebten Grausamkeiten in sich tragen. Was werden das für Eltern? Was transportieren sie für Probleme in die Gesellschaft hinein für mehrere Generationen? Warum wird das nie betrachtet?

Sie können so viel und werden hier nicht gebraucht. Was für ein unmenschliches System.

Sie können so viel und werden hier nicht gebraucht. Was für ein unmenschliches System.

Auch die „Kinder“, bestens ausgebildet stehen hier auf der Strasse oder machen unterqualifizierte Jobs. Das ist für alle Menschen schlecht. Was könnten wir erreichen, würden wir die Ressourcen nutzen, die in uns stecken.

Jedes Volk, was Vernichtung, Unterdrückung und Gewalt erlebt, hat Folgeschäden. Niemand kann voll im Leben stehen und die coolsten Dinge ausdenken, wenn er voll mit unverarbeitetem Grauen ist. Und auch die Kinder tragen Spuren davon in sich. Sie sind nicht frei. Wer kommt bei uns in Deutschland  aus Opferfamilien und wer aus Täterfamilien oder gar aus beidem? Wie kann das verarbeitet werden? Welche Bilder gibt es über die Gesellschaft? Niemals hat ein Volk es bisher unternommen darüber zu reden. Dadurch bleibt so vieles in der Gefühlswelt stecken und bricht sich irgendwo Bahn. Verständnis kann so nicht aufkommen. Eine Tragik!

Dieser Film ist ein Mosaiksteinchen für unsere Aufarbeitung. Das ist großartig!

Die Überschrift, die beiden Bilder sind aus dem Flyer über den Film „Mazel Tov“ von Mischa Popp und Thomas Bergmann.

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