Der falsche Weg

Sabine Dinges aus der Goethe-Uni hier in Frankfurt stellte ihr Buch vor „Freiwillige dringend gesucht“. In einem Artikel (ist nicht mehr zugänglich bei der FNP, schade)dazu heißt es „Laien können ganz andere Arbeit machen, weil sie ganz andere Möglichkeiten haben“.

Ja, und das ist genau der Knackpunkt!!!

Ich habe eine längere Leidensstrecke als Ehrenamtlerin hinter mir und kann einiges erzählen, was zeigt, wie unfertig alle Bereiche mit dem Ehrenamt umgehen. Nehmen wir das Presse und Informationsamt der Stadt Frankfurt. Dort war ich zum Archivieren bei einer Dame, der ich schon im Frauenreferat ausgeholfen hatte. Keine schwierige Tätigkeit, doch mir hat es Spaß gemacht in meiner damaligen Situation. Das Problem war auch nicht mein Arbeitsverhältnis zu dieser Dame. Nein, ihr Chef bekam kein Begrüßungswort über die Lippen Er konnte mich nicht einordnen und lehnte diese Mitarbeit deswegen ab.(Balla balla?) Wir mussten es aufgeben, der Druck wurde zu groß. Begonnen hatte es mit einem Aufruf im Radio. Das Frauenreferat der Stadt brauchte dringend Mithilfe. Da habe ich mich gemeldet und musste erleben, dass sie damit nicht gerechnet hatten. Nun fand sich diese Dame bereit, mich etwas machen zu lassen, was sie selber eben unter ihren Berufsanforderungen nicht erledigen konnte. Ihre Artikel zu archivieren. Später wechselte sie den Job und nach meiner Kinderzeit probierte ich dort anzuknüpfen. Das Ergebnis kennen Sie schon.

Viele viele Berichte und Vorurteile könnte ich nun aufzählen. Das Internet ist voll davon. Das Letzte, das mir passiert ist, möchte ich doch noch erwähnen. 🙂 Der Bundesverband Leseförderung, der sich im März dieses Jahres gründete, hat einen Passus in seiner Satzung, dass Ehrenamtliche nur Partner, nicht Vollmitglieder werden können. Ich, als Leseförderprofi mit einem Lesefördergroßbetrieb kann also dort nicht Vollmitglied werden, weil ich für meine gute Arbeit kein Geld bekomme. (Balla balla!) Sie streben die Bezahlung der Arbeit an und sehen das Ehrenamt im Bereich der Leseförderung als vorrübergehendes Übel an.

Ehe ich mich nun weiter aufrege an dieser Stelle, denn das werde ich bestimmt später noch, komme ich auf den Artikel zurück, den Thomas Scholz über die Buchvorstellung geschrieben hat.ffo_dinges_klein_240709Sabine Dinges argumentiert, dass Ehrenamtliche ganz andere Aufgaben machen können, gerade weil sie nicht angestellt sind.

Es sei also falsch zu erwarten, mit mehr Pflegepersonal im Altenheim würde das Vorlesen oder nette Beisammensein oder oder oder stattfinden. Dafür wird niemand bezahlt. Sollte jemand dafür bezahlt werden, dann werden es keinen Ehrenamtlichen mehr machen. Denn dann gibt es eine Stellenbeschreibung und einen Beruf dafür.

Arbeit, die so gut ist, dass wir sie uns etwas kosten lassen wird nur im grauen Bereich des Anfangs vom Ehrenamt ausgefüllt. Insofern hat auch der neue Bundesverband einen falschen Weg beschritten, der noch zu viel Ärger führen wird.

Das wirklich Problematische ist, was Frau Dinges zu Ihren Überlegungen brachte: „Die Veränderungen, die Freiwillige in der Institution …bewirken.“

Oftmals werden Freiwillige mit einem Kontrollverlust für die Leiter….gleichgesetzt. Denn ihnen kann man nicht befehlen. Entweder sie können sich einbringen, wie sie es sich vorstellen-oder sie gehen wieder. Durch diese Ungebundenheit entstehen positive Impulse für das Leben……

fasst Thomas Scholz aus dem Vortrag zusammen. Na, dem schließe ich mich an. Und welche Institution kann damit schon umgehen?

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2 responses to this post.

  1. Als Mitglied im Vorstand des Bundesverbands Leseförderung möchte ich gerne auf Ihren Einwand, bei uns kein „vollwertiges“ Mitglied werden zu können, antworten.

    Ich gebe Ihnen Recht, dass es in unserer Satzung die Unterscheidung zwischen „ordentlichen Mitgliedern“ und „Partnermitgliedern“ gibt. Die namentliche Unterscheidung ist ausschließlich für die Mitgliederverwaltung notwendig, weil Partnermitglieder nicht für ein Vorstandsamt kandidieren können.

    Also doch eine vermeintliche Zurücksetzung?

    Nein! In der Satzung des Bundesverbands Leseförderung steht, dass sich der Verband „für eine finanziell solide Basis und eine leistungsgerechte Honorierung“ einsetzt. Das heißt aber nicht, dass wir unseren Mitgliedern vorschreiben, in welcher Weise sie Leseförderung bestreiten sollen. Denn dass ehrenamtliche Leseförderer gute und nachhaltige Arbeit leisten, wissen wir alle! Was wir aber nicht möchten, ist, dass bezahlte Leseförderung (im Sinne von Arbeitsplätzen) zu Gunsten ehrenamtlicher Leseförderung gestrichen wird.
    Vorstandsmitglieder repräsentieren den Verband nach außen. Also müssen Vorstandsmitglieder noch mehr als alle anderen Mitglieder hinter der Satzung des Verbands stehen. Mitglieder, die sich aber bewusst für eine ehrenamtliche Tätigkeit entschieden haben, könnten mit dieser Forderung in Gewissenskonflikt geraten. Um dem vorzubeugen, haben wir die Unterscheidung vorgenommen. Es tut uns leid, wenn wir das bisher missverständlich kommuniziert haben.

    Ob Leseförderung ehrenamtlich oder gegen monetäres Entgelt geleistet wird, möchten wir, wie gesagt, unseren Mitgliedern überlassen, deren Lebensentwürfe so verschieden wie wir Menschen sind. Viel wichtiger ist uns dagegen der Austausch mit allen in der Leseförderung engagierten Akteuren, egal in welchem Beschäftigungsstatus sie sich befinden. Daher bedauern wir sehr, dass die Frage „Bezahlung oder nicht?“ zu solchen Unmutsäußerungen über den Bundesverband Leseförderung führen konnte.

    Wir suchen den Austausch mit allen Akteuren der Leseförderung, auch mit Ihnen! Denn uns verbindet weit mehr als uns trennt.

    Antwort

    • Sehr geehrte Frau Knieling,
      wie wunderbar, dass Sie in diesem Rahmen den Passus der Satzung erläutern. Nun können alle Interessierten sich ein eigenes Bild dazu machen, gell.

      Ich wünsche Ihnen und dem noch jungen Bundesverband Leseförderung eine gute Zeit und viele fruchtbare Diskussionen. Ihr Ziel den Lese-und Literaturpädagogen einzuführen, mögen Sie bald erreichen. Ich werde mir dann alsbald einen anderen Job suchen und meine Stelle freigeben. Solange werde auch ich mich für die Verbesserung und Anerkennung dieser Arbeit einsetzen, ganz und gar ohne Gewissenskonflikt. Ob ich allerdings einen Pädagogen bevorzuge? Na, vielleicht entwickelt sich ein anderes Berufsbild, das wir noch nicht kennen. Ich möchte mich da gar nicht festlegen. Es scheint mir doch zu sehr am heutigen Schulsystem orientiert und schließt Menschen wie mich schon wieder aus.

      Wir hier in Hessen, wo die Anzahl und die Vernetzung der Leseförderer eher gering ist, suchen nach einem Verbund, der uns in der jetzigen Situation Fortbildung und Austausch bietet. Nachdem wir leider für den örtlichen Mentoren e.V. nicht lionskompatibel genug sind und einfach zu groß, erhoffte ich mit dem Bundesverband Leseförderung einen geeigneten Rahmen. Allerdings bedeutet Austausch nicht für mich, als Mensch zweiter Kategorie -gefühlt-herum laufen zu müssen. Und das bin ich in diesem Verband. Meine Befürchtung einer Abwertung durch die Unterscheidung Pädagoge/Nichtpädagoge wird ergänzt durch Ehrenamt/Nichtehrenamt. Denn was einen Professionellen zum momentanen Zeitpunkt auszeichnet, ist lediglich, dass er bezahlt wird für eine wie auch immer durchgeführte Leseförderung. Von Lesemotivation bis Literaturtherapie kann das alles sein. Deswegen lasse ich „professionell“ in diesem Punkt nicht gelten.

      Mein Ziel ist eine verbesserte Arbeit an und mit den Kindern ebenso wie mit den Ehrenamtlichen. Solange wir kein Geld dafür bekommen eben auch ohne, aber nicht ohne Qualität. Ich rufe gerne den Umsturz im Bildungswesen aus. Speziell hier in Hessen wird sich aufgrund der Wahlverhältnisse und wohl auch aufgrund der Einstellungen der hier lebenden Menschen nicht so schnell etwas ändern an der Situation. Sollte sich eine Chance ergeben, werde ich vorne stehen und etwas tun.

      Auch ich sehe einem Austausch interessiert entgegen und werde ihn suchen, wo es für uns etwas bringt.

      Beste Grüße zurück

      Antwort

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