Eine gute Stube

Seit Oktober läuft der Fernkurs Kinder-und Jugendliteratur der Stube. Ich nehme daran teil.

Fernkurs Kinder- und Jugendliteratur
Der im deutschsprachigen Raum singuläre Ausbildungslehrgang zur Kinder- und Jugendliteratur.


Das hört sich spannend an, gell?

Es ist der einzige Kurs, den es in diesem Umfang und der Ausrichtung gibt. Mir war klar, dass ich daran teilnehmen möchte.  Es ist nicht umsonst, doch teuer ist es auch nicht. Dazu kommt eine Tagung, zu der man fahren muss, die man sich aber aussuchen kann. Ich versprach mir viel davon. Vor allem Austausch mit einer eingeführten Institution. Ich wollte unbedingt mehr Wissen.

Wir bekommen ein Skript viermal im Semester und eine Aufgabe dazu. Die kann ganz unterschiedlich sein. In der Regel geht es darum, zu zeigen, dass man das Skript gelesen hat und den Inhalt verstanden. Da die Meisten es nebenher absolvieren, spricht da auch gar nichts gegen. Nach dem Abgabetermin kommt eine Rückmeldung, die für alle gemeinsam geschrieben ist. Einmal im Semester kann man eine Rückmeldung für sich bekommen. Normalerweise gehört dazu, dass man sich die Inhalte durch eigene Literatur oder Interneteinträge erweitert. Kontakt zur Stube kann man über E-Mailkontakt herstellen. Mehr Austausch ist nicht vorgesehen.

Mein Wunsch über einen „Wissensflow“, (Gibt es das Wort überhaupt?) den ich mir so erträumt habe, den gibt es nicht. Man schmort, angeregt durch das Skript sozusagen im eigenen Saft. Es kommt absolut darauf an, was man selbst daraus macht. Ein angebotenes Forum, dass wir alle nutzen können erlahmt, weil es zu keiner Auseinandersetzung kommt. Es ist nicht spannend. Die Stube diskutiert nicht mit. Wir dürfen dort sozusagen alles von uns geben, es ist im Prinzip egal. Es hat etwas von KinderSTUBE. Daher sind alle anfänglichen Begeisterungen für diesen Ort des Austausches erloschen.

Versuchen Sie bitte ein kleines Experiment: Legen Sie mit einem anderen eine Hand gegeneinander. Nun soll der eine gegen ihre Hand drücken. Einmal geben sie nach und beide Hände sinken nach unten weg. Es ist ein Fall ins Leere. Beim zweiten Mal halten Sie dagegen. Ah!!! Sofort fangen beide an zu schmunzeln. Da passiert etwas zwischen Ihnen. Sie spüren sich selber. Sie spielen. Es ist ein Austausch der Kräfte. Da dies im Forum der Stube nicht geschieht, fällt man ins Leere. Anmerkungen dazu an die Stube gehen im Nirvana verloren. Da ist niemand. Nur Freundlichkeit und Leere.

Das ist ungerecht, werden Ihnen viele zurufen! Die geben sich so viel Mühe. Und, ja das stimmt nun auch. Als Einzelfragender per Mail bekommen Sie die Unterstützung, die Sie brauchen.

Diskussionen? In Frage stellen? Eher nein.

Was bringt es dann trotzdem? Mir bringt es einen Austausch mit TeilnehmerInnen in viele unterschiedliche Länder. Damit hatte ich nicht gerechnet. Durch die Aufgabenstellung durchforste ich meinen Kopf und das Internet oder die Bibliotheken nach nützlichen Texten oder gar Antworten. Und so komme ich weiter durch das Thema Kinder- und Jugendliteratur. Niemals hätte ich mir diese Fragen so gestellt. Böse Zungen sagen auch, dass es unsinnig wäre so zu fragen. Nun gut. Immerhin löst es ja einen Gedankenprozess aus. Was will man mehr.

Die wirklich guten Ergebnisse sind Fundstücke, wie die Wiesbadener Proklamation oder Bücher, von denen man nichts wusste. Denn wir kommen ja über die Bilderbücher zu den Romanen, von der Produktion zum einzelnen Autoren durch das weite Feld der KJL. Mich wirklich überzeugt hat die Auseinandersetzung mit dem BuchHänsel und Gretel von Susanne Janssen

von Susanne Janssen. Nie hätte ich es angesehen oder gar untersucht. Das würde ich heute für einen Fehler halten. In der Auseinandersetzung mit diesem Buch habe ich wirklich neue Gedanken gehabt. Und so hoffe ich auf das eine oder andere Fundstück. Eine Kritik geistert mir durch den Kopf: Die Stube sei mittelschichtorientiert. Wie gesagt, es gibt nichts besseres.

Advertisements

2 responses to this post.

  1. Posted by pfiffiundkuss on 28. Juli 2009 at 15:54

    Hallo Wedernoch,
    Diese Ausgabe von Hänsel und Gretel hat mich auch fasziniert. Die Bilder empfinde ich allerdings als recht bedrohlich und so habe ich es erst mal außer Reichweite meiner Kinder aufgestellt und recht schnell in die Bib zurückgebracht. Aber jetzt hole ich es mir noch einmal und genieße es (spätabends) noch einmal etwas genauer.
    Liebe Grüße
    Pfiffiundkuss

    Antwort

  2. Ich schicke Ihnen meine Hausarbeit dazu.
    Die Umsetzung des alten „Hörmärchens“ in eine visualisierte Form, ohne die Dramatik zu verlassen oder groß zu ändern mit dem Originaltext ist gut gelungen. Und den Urwald andeutungsweise in die Großstadt zu verlegen, kommt unseren Ängsten ja sehr nahe.
    Viel Spaß damit

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: