Das ist manchmal so

So „zwischen allen Stühlen sitzen“ oder „in den Seilen hängen“ ist  mein Tagesgefühl. Auf dem Weg zu sein und gar nicht zu wissen, wo der hingeht. Das ist absolut verunsichernd. Und doch sind es wichtige Gefühle, denn sie schalten den Alltag aus. Was zählt in einer Schwebeposition noch? Wenn ich diese Stunden des Nichtwissens überstanden habe, dann weiß ich oft klarer was ich will. Es fühlt sich aber nicht gut an. Irgendetwas im Menschen möchte diese Situationen nicht zulassen, obwohl man doch weiß, dass sie vorübergehen. Heute hat mich die Unruhe getrieben, walken zu gehen. Das hilft. Im Vorangehen einen klaren Kopf bekommen. Drängendes los zu lassen oder zu klären.

Auf dem Weg zu meiner Laufstrecke brachte ich meinen Sohn zu einer Geburtstagsfeier. Und dort wartete die Mutter schon mit ihrer größten Sorge auf mich. Ihr Sohn hat keinen Platz an unserer Gesamtschule bekommen. Sie machte sich solche Sorgen. Und ich kann sie wirklich gut verstehen. Ich habe sehr unter der Ohnmacht gelitten, während man auf das Ergebnis wartet. Das ist hier in Frankfurt der 20. Mai gewesen! Eine lange und harte Zeit auch für die SchülerInnen. Nun kommt ihr Sohn in eine andere Schule. Und ihr Vorwurf ist der, dass alle „Ausländer“ nicht genommen wurden. Tja! Da ist was dran. In diesem Jahr gibt es viele „G-8-Flüchtlinge“ (dieser Begriff ist nicht von mir.) Da können die Schulen sich die SchülerInnen endlich mal so zusammenstellen, dass die Aufteilung entsprechend der Konzeption stimmt. Für die Kinder, die genommen wurden, wird es besser sein. Ihre Angst ist nun, dass ihr Sohn mit den anderen „Ausländern“ auf die schiefe Bahn gerät. Sie sieht sich als Frau, die sich mit ihrer Familie den Gepflogenheiten angepasst hat. Viele andere Nachbarn haben das nicht getan und so entsteht eine Distanz zwischen ihr und denen. Sie möchte für ihre Kinder das Richtige, dafür gibt sie alles. Und nun soll ihr Kind zu denen, die so gar nicht hier ankommen wollen. Wie hängt sie „zwischen den Stühlen“ ? Zwischen der Kultur, in der sie aufgewachsen ist und der, in der sie lebt und die ihre Kinder als die ihre ansehen. Das ist noch nicht einmal zu benennen. Eine Mixtur verschiedener Einflüsse treffen auf diese Menschen. Sie spiegeln sie nach ihrem Vermögen wider.

Ich habe versucht sie ernst zu nehmen und ihr Mut gemacht. Die Schule, die ihr Sohn besuchen wird, ist auch eine Gesamtschule. Zwar kooperativ aber immerhin.

Was mir heute gezeigt wurde war, wie gut ein Perspektivwechsel sein kann. Er verkleinert nicht die eigenen Fragen, doch passen sie sich leichter ein. Die Übermächtigkeit schrumpft auf ein Normalmaß. Und mein Dazwischensein hat einen klareren Rahmen als ihrer.

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