Weil ich gefragt wurde, wo steht denn die Erklärung der Lehrenden der Goethe-Uni, habe ich den Text einfach in mein Blog gestellt. Damit kann jeder an den Text heran.
Mittlerweile habe ich auch durch Angestellte der Uni erfahren, dass es mächtig brodelt im Betrieb, weil die Umwandelung zur Stiftungs-Uni die Leute ohne Arbeitsverträge weiterarbeiten lässt. Und die Abteilungsumstrukturierungen eine Menge Zweifel aufwerfen.
Ich hatte damals mit Turmer auch einen durch und durch undemokratisch reagierenden Unirex. Das ist ihm nicht gut bekommen, denn als sich die Folgen deutlicher abzeichneten, wurde seine Saison beendet. Bis dahin konnte er viel Schaden anrichten, leider. Demokratie ist eben zentral, sonst fliegt einem die Uni um die Ohren. Guten Flug, Herr Müller-Esterl!
Erklärung Lehrender der Goethe-Universität Frankfurt zum Vorgehen des Präsidiums
gegen die Alternativveranstaltungen im Rahmen des Bildungsstreiks und die Räumung
des Casinos des IG Farben-Hauses
Als Lehrende der Goethe-Universität Frankfurt missbilligen wir die vom Präsidium getroffene
Entscheidung zur polizeilichen Räumung der Universität und den gewaltsamen Abbruch der
Alternativveranstaltungen von Studierenden und DozentInnen im Rahmen des
Bildungsstreiks.
Die in der Begründung vorgebrachten Argumente bezüglich der Sachbeschädigungen
rechtfertigen nicht die gewaltsame Auflösung von selbstorganisierten Lehrveranstaltungen
durch ein Polizeikommando. Die Räumung stellt einen nicht akzeptablen Eingriff in die
Freiheit von Forschung und Lehre dar. Die ausschließliche Fokussierung auf „Vandalismus“
dient einzig der Delegitimierung und Kriminalisierung des Protests und lenkt von den
intensiven inhaltlichen Auseinandersetzungen ab: Bildung braucht Zeit und Raum. Dies zu
organisieren war Ziel der Besetzer/innen des Casinos des IG Farben-Hauses.
Sachbeschädigungen sind von der Mehrheit der Besetzer_innen weder unterstützt noch
gutgeheißen worden.
In über 70 Workshops haben sich Studierende und Lehrende mit dem dringenden Anliegen
einer Analyse und Bewertung der Hochschulreformen sowie der Studien-, Lehr- und
Forschungsbedingungen an unserer Universität auseinandergesetzt. Dem von ihnen in Gang
gesetzten, notwendigen Diskurs hat sich das Präsidium entgegen aller Behauptungen
entzogen.
Wir wenden uns entschieden gegen die konfrontative Haltung und Missachtung der Anliegen
der Beteiligten des Bildungsstreiks und fordern die sofortige Einstellung der strafrechtlichen
Verfolgung von Studierenden und Dozent/innen. Wir fordern die Universitätsleitung auf, die
Aktivitäten im Rahmen des Bildungsstreiks nicht mehr zu behindern.
Frankfurt, den 3.12.2009
ErstunterzeichnerInnen:
Christoph Bauer
Dr. Kendra Briken
Dr. Oliver Brüchert
Dr. Sonja Buckel
Simone Claar
Prof. Dr. Alex Demirović
Dr. Andreas Eis
Juliane Hammermeister
Prof. Dr. Joachim Hirsch
Johanna Hoerning
Dr. Stefanie Hürtgen
Dr. Dirk Martin
Susanne Martin
Prof. Dr. Frank Nonnenmacher
Dr. Nadja Rakowitz
Margit Rodrian-Pfennig
Dr. Martin Saar
Dr. Thomas Sablowski
Dr. Jens Wissel
Dr. Claudia Wucherpfennig